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AVIVA-BERLIN.de im August 2020 - Beitrag vom 30.10.2007


Rossana Rossanda, Die Tochter des 20. Jahrhunderts
Yvonne de Andrés

Persönliches Resümee einer wichtigen italienischen Links-Intellektuellen. Kritisch durchstreift Rossanda ihre politischen Stationen von der Resistenza bis zur italienischen Frauenbewegung.



"Dies ist kein Geschichtsbuch. Es ist das, was in meinem Gedächtnis auftaucht, wenn ich den zweifelnden Blick der Menschen um mich herum auffange: Warum bist du Kommunistin gewesen? Warum sagst du, du bist es noch? Was meinst du damit? Ohne Partei, ohne Ämter, einer Zeitung treu, die dir nicht mehr gehört?" So beginnt Rossana Rossanda ihre Ausführungen. Es soll kein Dokumenten Band sein über die politischen Verwirrungen des 20. Jahrhunderts, sie will persönlich Auskunft geben, erklären, ohne Nachschlagewerke und Dokumente heranzuziehen, aber auch die eigenen Standpunkte zweifelsfrei darstellen.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 bedeutet keine Zäsur in ihrem Leben. Erst das Näherrücken der Front 1942 schlägt sich auf ihr Leben durch: Umsturz, Flucht, deutsche Besatzung und ihr Beitritt zu den Partisanen. Ihr Bild des Kommunismus wird durch den Spanischen Bürgerkrieg geprägt und sie geht in den Untergrund. Im Herbst 1943 setzten die großen Razzien gegen Juden im Mailand und im Ghetto von Rom ein. Diese können die Partisanen nicht verhindern. Gleich nach Kriegsende beginnt in Italien der Kalte Krieg. Die Konfrontation der Blöcke führt zu starkem Lagerdenken.

Minutiös zeichnet Rossana Rossanda das rote Jahrhundert nach. Höhepunkte ihrer Beschreibung sind die Kapitel über Stalins Tod (1953) und den XX. Parteitag der KPdSU (1956) mit der Aufdeckung der Lager und der sich anschließenden Diskussion über den eigenständigen Weg zum Sozialismus. (Über die die Unitá, die Zeitung der italienischen Kommunisten, vorsichtshalber erstmals gar nicht berichtet.) "In jenen Monaten zerbrach die Vorstellung, die kommunistischen Parteien und die Sowjetunion bildeten eine kompakte Einheit." Dennoch bleibt sie dabei, ihren Weg durch die Partei zu machen. Zunächst regional in der Lombardei und dann als Führungskader in Rom. Die Zeit der Unschuld wird mehrfach stark erschüttert: Durch Budapest, Polen und Ungarn. Lange verharrt sie in einer erklärenden, solidarischen, kritischen Position. Im Zentralkomitee kommen die politisch brisanten Dinge nicht mehr auf den Tisch. Auf die vielen Fragen - dass die Partei nicht mehr die Sprache der Menschen auf der Strasse spricht, der Einmarsch in Prag, die aufkommende Studenten- und Frauenbewegung - findet Rossana Rossanda schließlich eigene Antworten, die sie in il manifesto veröffentlicht. Darauf folgt ihr Ausschluss aus der PCI. Rossanda: "Um Kommunistin zu sein, braucht man keinen Ausweis."

Zur Autorin: Rossana Rossanda, geboren 1924 in Pola (Istrien), ist Journalistin und Autorin. Im Zweiten Weltkrieg beteiligte sie sich als jüngste Partisanin am Widerstandskampf. 1943 trat sie der Kommunistischen Partei Italiens bei und in den 50er und 60er Jahren war sie eine ihrer Führungspersönlichkeiten. Nach ihrem Parteiausschluss 1968 gründete sie mit anderen in Ungnade gefallenen GenossInnen 1969 die Zeitschrift und spätere Tageszeitung il manifesto. Ihre Bücher und Aufsätze setzen sich mit der politischen Situation in Italien, der italienischen Frauenbewegung, und den Brigate rosse auseinander.

AVIVA-Tipp: Rossana Rossanda zieht ein sehr persönliches und kritisches Fazit: "Die Sache mit dem Kommunismus und den Kommunisten im 20. Jahrhundert hat so kläglich geendet, dass man sich unbedingt damit auseinandersetzen muss." Detailliert beschäftigt sie sich mit ihrer eigenen Rolle und den politischen Stationen. Das Buch zeigt als ihren eigenen Lebensfaden ihr Engagement für die Abschaffung gesellschaftlicher Ungleichheit auf. Die Wege dorthin sind verschlungen und enden manchmal auch in Sackgassen. Schade ist, dass das Buch vor dem Beginn ihrer zweiten politischen Karriere als Chefredakteurin und Herausgeberin der Tageszeitung il manifesto endet und somit weitere spannende Aspekte auslässt.


Rossana Rossanda
Die Tochter des 20. Jahrhunderts

Originaltitel: La ragazza del secolo scorso (2005)
Übersetzt von Maja Pflug, Friederike Hausmann
Suhrkamp Verlag, erschienen September 2007
Gebunden, 475 Seiten
ISBN: 3518419366
EAN: 9783518419366
26,80 Euro



Buecher Beitrag vom 30.10.2007 Yvonne de Andrés 





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