Strajik-Die Heldin von Danzig - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Buecher
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA-Berlin > Buecher AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   JĂŒdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 22.03.2007

Strajik-Die Heldin von Danzig
Clarissa Lempp

Der Film erzÀhlt von der Werftarbeiterin Agnieszka, die im Polen der spÀten 70er Jahre von der Heldin der Arbeit zur Volksheldin wurde.



Die einfache Arbeiterin Agnieszka, die kaum Schulbildung besitzt und fast Analphabetin ist, arbeitet in der Danziger Werft und schafft es dort von der Schweißerin zur KranfĂŒhrerin. FĂŒr ihre Verdienste erhĂ€lt sie den Titel "Heldin der Arbeit" und ein FernsehgerĂ€t von der Partei, obwohl sie selbst keine "Genossin" ist. Die Bedingungen in der Werft sind jedoch katastrophal. Es gibt keine Kontrolle des Arbeitsschutzes und die Belange der ArbeiterInnen bleiben unbeachtet. Nachdem Agnieszka Zeugin eines verheerenden Brands auf der Werft wurde, der 21 Menschen das Leben kostete und deren Familien keine EntschĂ€digung erhalten sollen, verliert Agnieszka jegliches Vertrauen in ihre Arbeitgeber. Ihr unerschĂŒtterlicher Glaube an die Gerechtigkeit treibt sie dazu an, gegen die GleichgĂŒltigkeit und menschenverachtende Arbeitspolitik in der Werft zu kĂ€mpfen. Das Herz auf der Zunge und den Elektriker Lech an ihrer Seite fordert sie die AutoritĂ€t der Werksleitung heraus. Als diese Agnieszka daraufhin entlĂ€sst, tritt die gesamte Arbeiterschaft aus SolidaritĂ€t in den Streik. Immer mehr ArbeiterInnen aus ganz Polen schließen sich dem großen Streik und den Forderungen nach mehr Rechten, der Zulassung einer freien Gewerkschaft und einer angemessene Entlohnung an. Der "Solidarnosc" -Gedanke ergreift Polen und wird schließlich zu einer politischen Massenbewegung.

Zum Film: Der Film beruht auf der Geschichte der polnischen Werftarbeiterin Anna Walentynowicz, die eigentliche BegrĂŒnderin der polnischen "Solidarnosc"-Gewerkschaft. Sie begegnete der Drehbuchautorin Sylke Rene Meyer als "Fußnote" in einem Bericht ĂŒber die große polnische Demokratie-Bewegung der 70er und 80er Jahre. Nach einem Treffen mit Anna Walentynowicz, die die politische Vertretung der Gewerkschaft ihrem Mitstreiter Lech Walesa ĂŒberließ, entstand das Drehbuch zu ihrer Lebensgeschichte, das schließlich 2000 den International Emmy Award fĂŒr das beste Drehbuch erhielt. Strajik wurde mit dem Bayerischen Filmpreis 2006 fĂŒr die beste Hauptdarstellerin (Katharina Thalbach) und Kamera (Andreas Höfer) ausgezeichnet und erhielt beim Saturno International Film Festival 2006 den Goldenen Saturn fĂŒr den Besten Film.

Historischer Hintergrund: 17.000 BeschĂ€ftigte der Danziger Lenin-Werft legten am 14. August 1980 die Arbeit nieder und stellten wirtschaftliche, soziale und politische Forderungen: Das Streikrecht, das Recht zur GrĂŒndung einer unabhĂ€ngigen Gewerkschaft und das Recht auf Meinungsfreiheit. Das ĂŒberbetriebliche, vereinigte Streikkomitee mit Lech Walesa an der Spitze erwirkte schließlich ZugestĂ€ndnisse vom stellvertretenden polnischen MinisterprĂ€sidenten Mieczyslaw Jagielski und so wurde die Gewerkschaft "Solidarnosc" gegrĂŒndet. Als sich 1981 eine neue Regierung um MinisterprĂ€sident General Wojciech W. Jaruzelski bildete, verhĂ€ngte dieser das Kriegsrecht und beendete damit den Demokratisierungsprozess. Jegliche AktivitĂ€ten der "Solidarnosc" wurden verboten. UnterstĂŒtzt durch das nicht-kommunistische Ausland und die katholische Kirche kĂ€mpften die politisch verfolgten "Solidarnosc"-GewerkschafterInnen weiter. 1983 wurde Lech Walesa schließlich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, aber erst 1989, mit dem Beginn der Auflösung der Sowjetunion, konnte die "Solidarnosc"-Bewegung wieder aus dem Untergrund hervortreten.

Das Buch zum Film: Im Februar 2007 ist das Filmbuch zu Strajik erschienen. Neben AuszĂŒgen aus dem Originaldrehbuch und Setfotos, sowie Interviews mit den FilmemacherInnen und SchauspielerInnen, enthĂ€lt der aufwendig gestaltete Band Texte ĂŒber die historischen HintergrĂŒnde der "Solidarnosc" und Zeitdokumente wie z.b. das Streik-Tagebuch und Originalfotos. Zu den Autoren gehören u.a. Bremens frĂŒherer BĂŒrgermeister Hans Koschnick. Er schildert eindrĂŒcklich, wie die erste offizielle StĂ€dtepartnerschaft zwischen der westdeutschen Stadt Bremen und dem polnischen Danzig 1976 zustande kam und welche Folgen die VerhĂ€ngung des Kriegsrechts 1981 hatte. In diesem Ausnahmezustand haben viele Hilfeleistungen aus Westdeutschland die Polen erreicht, auch das wird hier in einem Beitrag eindrucksvoll in Erinnerung gerufen. AusfĂŒhrlich gehen die Texte von Winfried Lipscher (Deutsches Polen-Institut Darmstadt) und Karl-Joseph Hummel (Direktor der Kommission fĂŒr Zeitgeschichte Bonn) auf das VerhĂ€ltnis zwischen Solidarnosc und katholische Kirche ein.

AVIVA-Tipp: Strajik ist ein starker Film ĂŒber ein bedeutendes europĂ€isches Thema: die Demokratisierung Osteuropas. Volker Schlöndorff scheint hier der Richtige zu sein um Geschichte zu inszenieren. Die historischen ZusammenhĂ€nge werden klar benannt und die Hauptfigur Agnieszka wird durch ihre von Anfang an Persönlichkeit zum SympathietrĂ€ger. Dies mag auch an der eindringlichen Art Katharina Thalbachs liegen. Zwar verschwimmen die anderen Figuren daneben, aber die Botschaft des Films wird dadurch umso klarer: Manchmal reicht ein einziger Mensch mit mutigem Herzen um große Prozesse einzuleiten.


Strajk - Die Heldin von Danzig
Regie: Volker Schlöndorff
Mit: Katharina Thalbach (Agnieszka), Andrzej Chyra (Lech, der Elektriker), Ewa Telega (Mirka), Dominique Horwitz (Kazimierz), Krzysztof Kiersznowski (Mateusz)
Kamera: Andreas Höfer
Musik: Jean Michel Jarre
90 min., FSK: ab 12 Jahren
Deutschland 2006, Provobis-Film JĂŒrgen Haase
Start: 8.MĂ€rz
www.strajk-derfilm.de

Strajik-Die Heldin von Danzig
Das Buch zum Film

Herausgegeben von Professor JĂŒrgen Haase
168 Seiten, Paperback
Parthas-Verlag Berlin, erschienen MĂ€rz 2007
ISBN: 3866013019
EAN: 9783866013018
19,80 Euro90008115&artiId=6366792"

Buecher Beitrag vom 22.03.2007 Clarissa Lempp 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken