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AVIVA-BERLIN.de im September 2021 - Beitrag vom 13.09.2003


Pumuckl und sein Zirkusabenteuer
Jana Scheerer

Hurra, Hurra, der Pumuckl ist wieder da! In Spielfilmlänge erlebt der kleine Kobold Abenteuer im Zirkus und findet ein neues Zuhause. Ein großer Spaß für Pumucklfans - nur Meister Eder fehlt.





"Pumuckl ist an gar nichts Schuld, du bist voller Ungeduld. Suchst überall was nicht versteckt - bist es selbst, der sich stetst neckt!" Mit Reimen wie diesem begeistert Pumuckl seit vierzig Jahren Kinder und Erwachsene. Nur einer kann kein entnervtes "Pumuckl!" mehr dazusteuern: Meister Eder. Darsteller Gustl Bayrhammer starb 1993 und ließ neben einer großen Fangemeinde einen kleinen rothaarigen Kobold zurück.

Pumuckl verzog sich daraufhin zunächst einmal aufs Meer - wo Kobolde ja auch eigentlich hingehören. In "Pumuckl und sein Zirkusabenteuer" kehrt er zurück und muss die Werkstatt verlassen vorfinden. Statt seines alten Freundes trifft er einen anderen Eder: Ferdinand, Verwandter und Haupterbe Meister Eders. Für Pumuckl liegt der Fall klar. Er kann nur bei einem wohnen, der Eder heißt. Also verlädt er sein Bett auf Ferdinands Anhänger und fährt mit ihm nach Hause, wo es praktischerweise auch eine Werkstatt gibt: Ferdinand ist Restaurator.

Ein Problem stellt allerdings Ferdinands fehlender Glaube an Kobolde dar. Er ignoriert Pumuckl so lange, bis der sich freiwillig sichtbar macht, indem er in einen Leimtopf fasst. Jetzt kann Ferdinand Eder es nicht mehr leugnen: Was er für ein Hirngespinst des alten Meister Eder gehalten hatte, steht leibhaftig vor ihm - und will ab jetzt bei ihm leben! Begeistert ist Ferdinand nicht.

Auch seine Nachbarin Henriette Straub bekommt etwas von dem Koboldbesuch mit und wendet sich hilfesuchend an das Magierehepaar Magiaro, das sie durch ihre Arbeit als Süßwarenverkäuferin im Zirkus kennt. Das hätte sie nicht tun sollen: Frau Magiaro erkennt sofort ihre Chance, mit einem Kobold ihr verstaubtes Zauberprogramm aufzupeppen und doch noch zu Magierweltruhm zu kommen. Sie versucht, Pumuckl zu fangen - und das Abenteuer nimmt seinen Lauf!

"Pumuckl und sein Zirkusabenteuer" weicht in vielerlei Hinsicht von den "alten" Pumucklabenteuern ab. Natürlich fehlt Meister Eder, wird von Hans Clarin als Ferdinand Eder jedoch durchaus würdig ersetzt.

Auch Pumuckl ist nicht mehr ganz der Alte: Nach einer längeren Krankheit sah Hans Clarin sich nicht mehr imstande, seine Stimmbänder durch die Koboldsynchronisation weiter zu belasten. Kai Taschner übernahm den Part und übte so lange mit Hans Clarin, bis er tatsächlich sehr nah an die alte Pumucklstimme kam. Das ist in vielen Momenten sehr überzeugend - in anderen fällt die Abweichung deutlich auf.

Der Plot folgt ebenfalls nicht dem Muster der alten Pumucklepisoden, in denen als Hauptmotor für die Komik des Ganzen die peinlichen Situationen, in die Pumuckl Meister Eder brachte, funktionierten. Entscheidend dabei war, dass niemand außer Meister Eder an die Existenz des Kobolds glaubte.

In Pumuckls Spielfilmauftritt hingegen wird die gesamte Handlung gerade dadurch motiviert, dass sowohl Nachbarin als auch Magierin schnell ihre Zweifel an dem Kobold verlieren. Zwar sorgt sich Herr Magiaro um den Verstand seiner Frau, doch echte Komik kommt dabei kaum zustande.

Als angenehmer Nebeneffekt der neuen Konstellation fällt dafür das sehr autoritäre Verhältnis Eder-Pumuckl weg und mit ihm auch die manchmal allzu starken pädagogischen Botschaften der alten Geschichten.

Trotzdem ist fraglich, ob es nicht besser gewesen wäre, Pumuckl auf dem Meer zu lassen und Meister Eders Verschwinden nicht weiter zu thematisieren. Gerade die Eingangssequenzen des Films sind sehr traurig und überfordern manche Kinder vielleicht, denn der Verlust wird sehr deutlich in Szene gesetzt.

In jedem Fall gilt das für Kinder ab 20: Wer mit Meister Eder aufgewachsen ist, wird sich beim Anblick der verlassenen Werkstatt und des einsamen Pumuckls eine Träne nicht verkneifen können. Denn das weiß ein jeder: Es gibt nur einen echten Eder. Und was sich reimt, stimmt immer.




Pumuckl und sein Zirkusabenteuer
Peter Weissflog
Mit Hans Clarin, Christine Neubauer, Sunnyi Melles u.v.a.
Drehbuch : Ellis Kaut und Ursula Bagnall
87 Minuten, 16. Oktober 2003
FSK freigegeben
Deutschland, 2002




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Beitrag vom 13.09.2003

AVIVA-Redaktion