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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 29.06.2005


Ein Haus in der Hauptrolle - Villa Henriette
Ruth Niehaus

Drei Generationen unter einem Dach und noch dazu einem so verwunschenen - welchem Kind würde das nicht gefallen? Doch ein liebliches Märchen ist Peter Payers´ neuer Film nicht.




Alles geht den Bach runter. Die Villa Henriette, ein wundervolles Gebäude aus der Bauhauszeit, umgeben von einem großen wilden Garten, verfällt zusehends. Ein Windstoß und stärkerer Regenfall genügen, um Teile der Überdachung abzureißen. Nina Hagen als Haus Henriette stöhnt und fleht mit heiserer, gurgelnder Stimme vergebens um Renovierung. Wie dringend gehandelt werden müsste, ahnt wohl nur die 12-jährige Marie, die mit ihren Eltern, der Großmutter und zwei weiteren überspannten Verwandten in einer WG lebt.
Das wahre Ausmaß der Katastrophe offenbart sich ihr peu à peu und mit wachsendem Schrecken.

Eine Aktentasche unter den Arm geklemmt, steuert der Vater das nächste Kaffeehaus an, um sich mit Schachspielen ein wenig Geld hinzuzuverdienen. Seinen Job im archäologischen Museum ist er längst los. Seine Frau fliegt derweil als Stewardess um die ganze Welt. Und Maries Großmutter, eine schrullige Tüftlerin, die all ihr Geld in vollkommen unverkäufliche Erfindungen gesteckt hat, steckt bis zum Hals in einem Schuldenberg. Nach dem Motto "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß" wanderten die Mahnungen ihrer Kreditanstalt jahrelang ungeöffnet in die Schublade.
Allein ihre Enkelin kann den merkwürdigen Geräten, darunter sprechende Kühlschränke und Mülleimer, die sich für einen Bus halten, etwas abgewinnen.
Die jüngste Erfindung, ein sich selbst aufladender elektrischer Tretroller, der endlich das große Geld bringen soll, erweist sich als Flop. Oma ist einem Betrüger auf den Leim gegangen. Die Produktionsfirma existiert nicht, das Kartenhaus bricht vollends zusammen.

Um die Wahrheit kommt nun niemand mehr herum: Der Termin zur Zwangsversteigerung steht fest und so schauen sich Maries Eltern und auch die übrigen Familienmitglieder schon mal nach günstigen Mietwohnungen in propperen Häuserblocks um. Spätestens da merkt Marie, dass es an ihr ist, sich für ihre geliebte Villa einzusetzen, zumal bei den Erwachsenen herzlich wenig Kampfgeist zu spüren ist.
Eile tut not, aber Not macht bekanntlich auch erfinderisch. Zusammen mit ihren Freunden plant Marie eine spektakuläre Rettungsaktion.
Und ganz nebenbei entdeckt sie schließlich erleichtert, dass manch ein Problem sich auch ohne großes Zutun in Luft auflösen kann.

AVIVA-Tipp: Villa Henriette, nach dem gleichnamigen Roman der österreichischen Kinder- und Jugendbuchautorin Christine Nöstlinger, ist ein facettenreicher Kinderfilm, der von der Sehnsucht nach Zusammenleben und Gemeinschaft handelt, ohne in waltonsähnlichen Kitsch anzudriften. Mit welcher Toleranz hier jeder des anderen Macke erträgt, ist angenehm beispielgebend.
Cornelia Froboess, als süßeste Großmutter der Welt, erobert mit einem Handstreich Kinder- wie Erwachsenenherzen.



Villa Henriette

Regie: Peter Payer
Österreich/Schweiz 2004
DarstellerInnen: Hannah Tiefengräber, Cornelia Froboess, Nina Petri, Lars Rudolph
Und der Stimme von Nina Hagen
87 Minuten
Kinostart: 30.06.2005
www.villahenriette.at



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Ruth Niehaus 






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