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AVIVA-BERLIN.de im März 2021 - Beitrag vom 03.09.2003


Spuk am Tor der Zeit
Jana Scheerer

Der zwölfjährige Marco entdeckt ein Tor ins Jahr 1766 - und stiftet hüben wie drüben eine Menge Chaos. Eine spannende und fantastische Geschichte in der Tradition des osteuropäischen Kinderfilms




Marco ist verliebt. Dummerweise in die hübsche, aber sehr arrogante Jessica, die mehr für den sportlichen Andreas übrig hat. Nachdem sie Marco vor den Anderen gründlich lächerlich gemacht hat, zieht er sich in die Roggeliner Gruft zurück.

Dort entdeckt er etwas, das Jessica zunächst in den Hintergrund treten lässt: Beim Berühren eines bestimmten Steines öffnet sich ein Tor in der Gruftmauer! Marco überlegt nicht lange, geht hindurch und landet in einem Gang, der von unheimlichen Fackelträgern bewacht wird. Und nach einer Weile scheint Marco wieder da zu sein, wo er losgegangen ist: In der Roggeliner Gruft.

Doch vor der Tür der Gruft hat sich einiges verändert. Ein Bettler in Lumpen lungert herum und beschuldigt Marco des Diebstahls - dabei kennt der ihn gar nicht! Auch auf dem nahegelegenen Bauernhof ergeht es Marco nicht besser: Er wird als Schinkendieb gejagt und außerdem "Wilhelm" genannt.

Marco kann entkommen und erfährt von der Magd Marie, dass er im Jahr 1766 gelandet ist und tatsächlich dem Dieb Wilhelm zum Verwechseln ähnlich sieht. Als Marco im Wald auf Wilhelm trifft, ist ihm klar: Das kann nur sein Ur-Ur-Ur-Urgroßvater sein! Wilhelm findet es verständlicherweise ziemlich befremdlich, als Zwölfjähriger einen zwölfjährigen Ur-Ur-Ur-Urenkel zu haben.

Zum Beweis nimmt Marco Wilhelm mit durch das Tor, und ein buntes Reisen zwischen heute und damals beginnt: Wilhelm spielt für Marco im Schulfußballturnier mit und gewinnt, während Marco für Wilhelm beim Bauern den gestohlenen Schinken abarbeitet.

Dabei kommt es zu jeder Menge lustiger Situationen: Wilhelm alias Marco überrascht die Eltern mit seinen neuen rohen Tischmanieren wie dem Aus-der-Terrine - Trinken und Marco protestiert als Wilhelm beim Bauern gegen die ungerechte Behandlung.

Gefährlich wird das Ganze, als die Roggeliner Gruft wegen Baufälligkeit abgerissen werden soll und Marco als Dieb beim Bauern gefangen gehalten wird. Ob Marco es mit Hilfe seines älteren Cousins Christian noch rechtzeitig zurück in die Gruft und somit in die Gegenwart schaffen wird? Und dann ist da noch Marie, die an einer Lungenentzündung leidet und dringend Penicillin braucht...

"Spuk am Tor der Zeit" schließt sich an die vorhergegangenen Filme "Spuk aus der Gruft" und "Spuk im Reich der Schatten" an. Auch Erinnerungen an Fernsehserien wie "Die Tintenfische aus dem dreizehnten Stock" werden hier wach. Die starken fantastischen Elemente in Verbindung mit einer realistischen Rahmenhandlung stellen den Film deutlich in die Tradition des osteuropäischen Kinderfilms.

Regisseur Günter Meyer kennt sich mit Spukgeschichten aus. Er studierte an der Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg und drehte seit 1970 zahlreiche Kinder- und Dokumentarfilme, darunter die Fernsehserien "Spuk unterm Riesenrad" und "Spuk von draußen." In "Spuk am Tor der Zeit" nutzt er die Reise in ein anderes Jahrhundert, um einen Spiegel auf die heutige Welt zu werfen.

So verbindet er einen spannenden Plot mit Eindrücken aus dem Leben im 18.Jahrhundert. Dass dabei manchmal mit ein wenig zu viel pädagogischem Zeigefinger betont wird, wie gut es Kinder doch heutzutage haben, gleicht die leise Ironie bei der Darstellung Marcos Eltern ganz und gar wieder aus. Die erste Liebe wird hier genauso verhandelt wie der Druck, sportlich und hart zu sein. Sensibel gibt der Film Einblick in die Welt der Zwölfjährigen.

Entsprechend wurde er mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der Augsburger Kinderfilmdrachen 2002 und der Goldene Spatz 2003.
Zum Schluss ist jede(r) wieder in der "richtigen" Zeit, und mit dem Abriss der Gruft wird tatsächlich begonnen - der Weg zu Marie und Wilhelm ist Marco also für immer verschlossen. Kleiner Tipp: Vielleicht sollte er es mal beim Amt für Denkmalschutz versuchen...



Spuk am Tor der Zeit
Regie: Günter Meyer
DarstellerInnen: Friedrich Lindner, Nina Hoger und Walter Plathe
90 Minuten, Kinostart: 18. September 2003
Deutschland 2002
FSK: frei ohne Altersbeschränkung
www.spukderfilm.de




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Beitrag vom 03.09.2003

AVIVA-Redaktion 






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