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AVIVA-BERLIN.de im September 2021 - Beitrag vom 15.09.2001


Bläh - Babies
Gastautorin

Oder: Was Sie schon immer über schreiende Kinder wissen wollten...




[ILLUSTRATION: Tina Kröll]In den ersten 12 Lebenswochen leiden Säuglinge häufig unter Bauchschmerzen, denen Verdauungsprobleme zugrunde liegen, der Magen-und Darmtrakt ist noch sehr anfällig.

Bauchweh, Blähungen oder Dreimonatskoliken sind oft von den typischen Abendschreistunden schwer zu unterscheiden. Diese treten meistens zwischen 17 und 20 Uhr für die Dauer von 2 bis 3 Stunden auf.
Echte Blähungen dagegen verursachen dem Kind wirkliche Schmerzen.
Der Bauch ist meistens aufgebläht (Trommelbauch). Das Kind zieht seine Beine an und streckt sie ruckartig wieder oder macht sich ganz steif.
Von Koliken spricht man, wenn die Schrei- und Schmerzattacken mit wechselnden Ruhepausen einhergehen.

Warum manche Säuglinge besonders stark darunter leiden ist bis heute nicht geklärt.
In manchen Fällen liegen aber auch seelische Verdauungsprobleme zugrunde. Der Säugling kann sich noch nicht mit seinem Leben außerhalb des Mutterleibes zurecht finden oder will auf einen Missstand hinweisen.

Muss er vielleicht zuviel neue Eindrücke verarbeiten (zuviel Besuch, grelle Farben, Lautstärke)?
Wird er zu sehr bemuttert?
Will er vielleicht nur in Ruhe in seinem Bettchen liegen?
Oder ist ihm langweilig?

Hier ein paar Tipps, die manchmal, aber nicht immer helfen:

  • Stillzeiten einhalten, mit Pausen von mindestens 2 besser 3 Stunden, damit nicht frische und halbverdaute Milch zusammenkommen
  • Langsam füttern, Pausen machen beim Trinken
  • Ein Baby, das beim Stillen schreit erst beruhigen, da es sonst zuviel Luft schluckt
  • Den eigenen Speiseplan überprüfen, Knoblauch, Zwiebeln, frische Backwaren, Kohl, Hülsenfrüchte, scharfe Gewürze, Äpfel, Südfrüchte können zu Blähungen führen, prinzipiell alles vermeiden, was einem selbst Blähungen verursacht
  • Um eine Kuhmilch-Allergie auszuschließen, 1 Woche lang alle Produkte, die aus Kuhmilch hergestellt werden (Käse, Sahne, Quark, Butter,Joghurt etc.) vom Speiseplan streichen. Sollte keine Besserung auftreten kann man sie wenigstens wieder beruhigt zu sich nehmen. Vergorene Milchprodukte (Kefir, Buttermilch, Joghurt, etc.) sind generell leichter verdaulich.
  • Fenchel-, Kümmel-, Anis- und Kamillentee (ohne Zucker), am Besten auch selbst trinken oder einen Aufguss zubereiten, dem man noch ein Lorbeerblatt zufügen kann, davon vor jedem Stillen einen Löffel verabreichen
  • Mit Tee kann man auch fertige Babynahrung zubereiten
  • Zigarettenrauch vermeiden
  • Wärmflasche auf den Bauch legen
  • Das Baby herumtragen, wiegen und schaukeln -Sich mit dem Kind auf einen Gymnastikball setzen, wippen oder kreisen, dabei kann man es auch bäuchlings quer über den Oberschenkel legen
  • In einer Hängematte schaukeln
  • Gymnastikball und Hängematte helfen auch in anderen Situationen sehr gut ein Baby zu beruhigen
  • Bauchmassage (nur im Uhrzeigersinn!!!) mit Vier-Winde-Öl (Anis, Fenchel, Koriander und Kümmel in Mandelöl) auch schon vor den üblichen Blähzeiten
  • Feuchtwarmer Bauchwickel (auch in Verbindung mit Vier-Winde-Öl)
  • Entspannendes, krampflösendes Bad (Vier-Winde-Öl emulgiert in Sahne, Salz oder Honig als Badezusatz)
  • Tropfen gegen Blähungen (Sab simplex, Lefax flüssig, Carminativum Hetterich)
  • Homöopathische Arzneien (Belladonna, Chamomilla, Cuprum metallicum, Colocynthis, Lycopodium, Magnesium carbonicum, Magnesium phosphoricum) sind auch eine hilfreiche Möglichkeit (werden teilweise von der Mutter, nicht vom Säugling eingenommen), hierzu kann man in der Regel seine Hebamme befragen.

Wenn alles nicht hilft oder man sich nicht sicher ist, ob es sich überhaupt um Blähungen handelt, sollte man auf alle Fälle einen Arzt zu Rate ziehen. Schreit das Baby dann immer noch und man droht völlig aus der Fassung zu geraten (stundenlang schreiende Kinder können einen wirklich an den Rand der Verzweiflung treiben!) kann man sich an die Schreiambulanzen wenden um die Situation zu besprechen und Entlastung und Lösungen zu finden:

Charlottenburg-Wilmersdorf
Schreibaby-Sprechstunde, Diagnose- und Behandlungszentrum für Kinder und Jugendliche, Platanenallee 23 - 25, 32 05 17 80

Friedrichshain-Kreuzberg
Emotionale Erste Hilfe für Eltern mit Schreibabys,
Elternschule am Urban, 25 88 73 45 / 46
Schreisprechstunde
, Geburtshaus Kreuzberg,
Müllenhoffstr. 17, Mo 10 - 11:30 Uhr oder nach Vereinbarung: 682 74 77

Mahrzahn-Hellersdorf
Schreisprechstunde, Frauenzentrum Matilde, mit Thearpie,
Carola-Neher-Straße 69/71, Anmeldung: 56 40 02 29

Mitte
Nachbarschafts-Schreiambulanz, Fabrik Osloer Straße e.V.,
Osloer Straße 12, 493 90 42 und 43 66 90 44

Pankow
Schreiambulanz im Freizeithaus Weißensee,
404 53 33
und 92 79 94 63

Steglitz-Zehlendorf
Schreiambulanz, Nachbarschaftsheim Mittelhof,
Königstraße 43, 80 19 75 19 / 16 und 033203.220 11

Tempelhof-Schöneberg
Schreiambulanz in der Ufa-Fabrik, 10.23 Euro Selbstbeteiligung,
Viktoriastraße 10 - 18, Fr. 9-14 Uhr, 75 50 31 22 und 43 66 90 44
Frühe Hilfe bei Schrei-, Schlaf- und Essproblemen,
Grunewaldstraße 84, 69 61 99 37

Potsdam
Schreiambulanz, Elternberatung "Vom Säugling zum Kleinkind",
Fr.-Ebert-Straße 4, 14469 Potsdam, 0331.270 05 74

Na dann viel Glück und starke Nerven !! (...und hoffentlich eine kleine Pause bis die Zähne kommen.)


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Beitrag vom 15.09.2001

AVIVA-Redaktion