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AVIVA-BERLIN.de im April 2021 - Beitrag vom 05.07.2002


Lust auf Schule!
Gastautorin

Probleme erkennen, Konflikte bewältigen und Kinder zum Lernen motivieren - Teil 1




Mit dem neuen Schuljahr hat vor wenigen Wochen für Deutschlands ABC-Schützen auch der sogenannte "Ernst des Lebens" begonnen. Die Erwartungen der Eltern sind meist hoch und die Kinder sehen, motiviert durch prall gefüllte Zuckertüten, dem neuen Lebensabschnitt voller Vorfreude entgegen. Doch die anfängliche Begeisterung legt sich unter Umständen schnell, wenn der Sprössling den gestellten Anforderungen nicht gewachsen ist. Für immer mehr Grundschüler wird der vom Stundenplan bestimmte Schulalltag zur psychischen Herausforderung - Konzentrationsstörungen und Lernschwächen sind die Folge.

Doch wie soll man ein Kind motivieren, dem das Lernen überhaupt keinen Spaß macht? Inwieweit können Eltern zur Lösung von Schulproblemen beitragen? Was kann die Grundschule als Institution leisten? Und wie bedeutend sind Erziehungsstil und emotionale Unterstützung für die Leistungen der Kinder?
Diese Fragen sollen im Folgenden beantwortet, weiterhin häufig auftretende Probleme konkret thematisiert und Lösungsvorschläge angeboten werden.
Das erste Schuljahr stellt für Kinder nicht nur eine geistige, sondern vielmehr auch eine soziale und emotionale Herausforderung dar, dessen sich Eltern bewusst sein müssen. Autorität sollte nicht missbraucht werden, indem man das Kind nicht ernst nimmt, sich bei Konflikten nur auf die eigene Erfahrung beruft und die Kindperspektive außer Acht lässt . Die Kleinen fühlen sich schnell unverstanden oder alleingelassen und resignieren letztendlich.

[Copyright: Helga Simon]Wenn Kinder sich nicht konzentrieren können, sie keine Lust auf Hausaufgaben haben und Schwierigkeiten, das Lernpensum zu bewältigen, kann es für dieses Verhalten verschiedene Ursachen geben. Zum Einen den von Eltern "gut gemeinten" Druck, durch den sich das Kind, statt zum Lernen angeregt, eher verunsichert fühlt. Nicht zuletzt aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen, die ein stetig ansteigendes Bildungsniveau fordern, fühlt man sich verpflichtet, dem Kind die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen. Dabei wird allerdings oft übersehen, dass nicht jeder als "Einstein" geboren wird. Weiterhin spielt die Struktur des deutschen Bildungssystems eine nicht unwesentliche Rolle.
Wenn Unterrichtsinhalte gezielter auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Kindes abgestimmt wären, könnte man es intensiver fördern und problemorientierter unterstützen. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach den Aufgaben, welche von der Grundschule zu erfüllen sind.
Der "allgemeine Bildungsauftrag" lässt sich wie folgt beschreiben: In den ersten vier Schuljahren ist allen Kindern, unabhängig von Begabung, Nationalität und Gesellschaftsschicht, eine grundlegende Bildung zu vermitteln, welche dem Kind bei seiner "Menschwerdung" helfen soll. Deshalb muss neben der Vermittlung von Lesen, Rechnen und Schreiben auch eine Wertevermittlung erfolgen. Dem Kind soll genügend Raum zur Entfaltung und selbständigen Orientierung zur Verfügung stehen, es soll lernen, sich mit Konfliktsituationen sachbezogen auseinander zu setzen und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Weiterhin soll das Schülersein das Kindsein nicht verdrängen, sondern bereichern. Es ist Aufgabe des Lehrers, die Schüler in die Gesellschaft zu "integrieren", ohne dabei die jeweiligen Besonderheiten eines Kindes zu unterdrücken.
Lernhilfen, -wege und -bedingungen müssen so differenziert gestaltet werden, dass Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Eigeninitiative und ein angemessenes Lern- bzw. Leistungsverhalten entwickelt werden kann. Die gesetzliche Schulpflicht schließt auch eine Verhaltenspflicht mit ein. Genau wie Lehrer beim Unterrichten müssen Schüler sich in die Schulordnung einfügen, weiterhin aktiv und regelmäßig die Schule besuchen und ihre Hausaufgaben erledigen

Sechs Fragen und Probleme, die besonders im Grundschulalter auftreten sind nachfolgend formuliert:

Wie lernt mein Kind am besten?
Unterschiedliche Lernleistungen resultieren hauptsächlich aus der Persönlichkeit des Kindes (Intelligenz, Vorkenntnisse, Fleiß etc.), aber auch aus der Gestaltung des Unterrichts und äußeren Faktoren, wie dem sozialen Milieu oder den Arbeitsbedingungen zu Hause. Um sich den Lernstoff möglichst effektiv anzueignen, sind Zeitpunkt und Dauer des Lernens entscheidend. Das Gehirn nimmt neue Informationen am Besten auf, wenn man ruhig und hellwach ist und zudem nicht abgelenkt wird. Direkt nach der Schule befindet sich das Kind in einem Leistungstief, es fällt ihm wesentlich schwerer, neu Gelerntes nachzuarbeiten oder Aufgaben zu lösen. Generell gibt es aber keinen idealen Zeitpunkt um zu lernen. Während man zu Beginn des Lernprozesses noch rasch Fortschritte macht, werden diese mit zunehmender Zeitdauer geringer. Besser ist es, wenn der Lernstoff in kurze Einheiten unterteilt wird, deren Umfang sich nach den Lerninhalten richtet (beipielsweise Mathematikaufgaben vs. Vokabeln). Sind diese Lerninhalte einander sehr ähnlich, behindern sie sich beim Einprägen gegenseitig. Durch ein "Vermischen" der Hausaufgaben verhindert man das Zusammentreffen von "Hemmungspotential". Mehrere kurze Pausen machen das Lernen effizienter, da sich bei dieser Methode des bereits Gelernte verfestigen kann und neue Elemente vom Gehirn besser aufgenommen werden. Wissenselemente, die man sich erst erarbeiten muss, prägen sich deutlich besser ein als solche, die klar ersichtlich scheinen. Dennoch hat jedes Kind individuelle Lernstrategien, die man akzeptieren sollte.

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Beitrag vom 05.07.2002

AVIVA-Redaktion