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AVIVA-BERLIN.de im August 2021 - Beitrag vom 05.07.2002


Lust auf Schule!
Gastautorin

Probleme erkennen, Konflikte bewältigen und Kinder zum Lernen motivieren - Teil 2




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4. Was tun bei Konflikten mit Lehrern oder Mitschülern?
Sind Kinder wütend auf Lehrer, fällt es den Eltern oft schwer, eine eindeutige Position zu beziehen. Wichtig in diesem Fall ist aber, das Kind mit seinen Ärgergefühlen ernst zu nehmen, mit ihm gemeinsam die Situation zu klären und es bei der Konfliktlösung zu unterstützen. Es wäre falsch, sich allein auf die Seite des Lehrers zu stellen, und die Wut als unbegründet und überflüssig abzuweisen. Wenn Kinder das Gefühl haben, dass ihre Meinung akzeptiert wird, reden sie unbefangener über ihre Probleme. Grundsätzlich müssen die Ansichten der Eltern nicht mit denen des Lehrers übereinstimmen, dennoch sollten sie ihr Kind dazu ermuntern, sich verbal mit dem Lehrer auseinander zusetzen, um eine Verschlechterung der Lernleistung zu vermeiden. Erhält das Kind andererseits Anerkennung für seine Leistungen, kann Sympathie zwischen Lehrer und Schüler als Leistungsmotivation fungieren. Dies ist erst dann ein Problem, wenn das Kind "neutrales Verhalten" anderer Lehrer als Ablehnung versteht und sich zurückzieht. Auch hier hilft oft ein klärendes Gespräch zwischen den Parteien, um Missverständnisse auszuräumen.
Schwieriger wird es, sobald Probleme in der Gruppe der Gleichaltrigen auftreten. Bereits in den ersten Wochen der Schulzeit erleben Kinder Anerkennung durch Mitschüler, mitunter aber auch soziale Misserfolge wie Ausschluss oder Blamage, wobei Letzteres zur seelischen Zerreißprobe wird. Schlechte Schulleistungen stehen oft in Wechselwirkung zur Ablehnung durch Mitschüler. Dieser Teufelskreis bringt, neben einem schwindenden Selbstwertgefühl, Versagensängste mit sich, die das Kind schließlich in seinen Aktivitäten hemmen. Intensive Gespräche und die Vermittlung von Erfolgserlebnissen ebnen den Weg aus der Krise. Lehrer und Eltern sollten auch kleine Fortschritte anerkennen, sowie versuchen, die Beziehung der Kinder untereinander positiv zu beeinflussen.

5. Wie lernt mein Kind, sich besser zu konzentrieren?
Vor dem Schuleintritt können Kinder überwiegend tun, was ihnen Spaß macht, danach wachsen die Forderungen und man verlangt von ihnen, sich für eine begrenzte Zeit auf Aufgaben zu konzentrieren, deren Sinn sie mitunter nicht verstehen. Das Durchhaltevermögen von 6 bis 10jährigen liegt zwischen 15 und 35 Minuten. Eine Tatsache, die besonders im Hinblick auf Schularbeiten beachtet werden sollte. Auch Nebenreize wie Lärm und Musik lenken Kinder schnell ab. An Konzentrationsstörungen ist niemals das Kind allein Schuld und meist kommen mehrere Ursachen wie Ermüdung, Überforderung, Angst, Strafen oder Druck, Reizüberflutung, ein ungeeigneter Arbeitsplatz, ein gestörtes Verhältnis zu den Eltern u.a. zusammen. Grundvoraussetzung zum Abbau von Konzentrationsstörungen bei Kindern ist das Eingeständnis von Eltern und Lehrern, dass sie Mitverursacher sind. Zur Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit sind folgende pädagogischen Maßnahmen empfehlenswert: Wenn das Kind etwas kann, verdient es ein Lob, auf Fehler sollte man stets nur in freundlichem, ermutigendem Ton aufmerksam machen. Pausen müssen dem Kind unbedingt erlaubt werden, der Schwierigkeitsgrad der zu lösenden Aufgaben sollte erst allmählich gesteigert werden, "Spaß" sollte immer dabei sein. Wenn der Erwachsene die Stärken und Interessen des Kindes kennt, kann er gezielt Erfolgserlebnisse "provozieren", die wiederum das Kind motivieren. Arbeiten, die Dauerkonzentration erfordern, lieber vermeiden, die ohnehin begrenzte Konzentrationsfähigkeit wird dadurch unnötig strapaziert. Sport und Spiele wie Schach, Memory und Puzzle zeigen ebenfalls positive Wirkungen und können die Konzentrationsfähigkeit dauerhaft verbessern.

6. Wie motiviere ich mein Kind, wenn es nicht mehr zur Schule gehen mag?
Um Kinder richtig zu motivieren, muss hinterfragt werden, warum sie keinen Spaß am Lernen haben und ihnen die Schule "sinnlos" erscheint. Wenn ein Kind Lernzwänge nicht mit persönlichen Lebenszielen in Verbindung bringen kann, verweigert es schnell jegliche Lernanstrengungen. Elterliche Kommentare wie "Später wirst du schon noch einsehen..." und "Wir wollen doch nur dein Bestes..." sind kaum hilfreich. Etwas unter Zwang zu tun wirkt unter Umständen spontaneitätshemmend und lernstörend, kann zudem psychisch krank machen. Diese Kinder brauchen vor allem jemanden, der ihnen zuhört, nicht jemanden, der "geeignete Maßnahmen" ergreift. Die Lernbereitschaft steigt, wenn der Unterricht interessenbezogen gestaltet wird. Trockene Theorie ist leichter zu ertragen, sobald (alltagsbezogene) Lerninhalte im Unterricht praktisch umgesetzt werden. Misserfolgsmotivierte Schüler erkennt man daran, dass sie Bewertungen aller Art vermeiden wollen. Sie stellen meist unrealistisch hohe Ansprüche an sich selbst, kleine Fortschritte werden nicht wahrgenommen und Anstrengungen vermieden, weil dann der "erwartete" Misserfolg leichter zu ertragen ist. Doch wie kann man die Erfolgsmotivation eines Kindes fördern? Zunächst sollten Eltern ihr Kind auf Eigenschaften und Verhaltensweisen aufmerksam machen, auf die es stolz sein kann. Außerdem sollten Einsatz und "guter Wille" honoriert werden, nicht die Handlungsergebnisse (z.B. Noten). Dem Kind müssen Erfolgserlebnisse bewusst gemacht werden, nur so wirken sie motivierend. Will es nicht mehr zur Schule gehen, handelt es sich immer um einen inneren Konflikt, der sich auf verschiedenste Weise äußert und unterschiedliche Ursachen haben kann. Reden Kinder offen darüber, was sie beschäftigt, bedeutet das Kritikfähigkeit- ein wichtiger Schritt, um die "Schullust" aktiv zu verbessern. Tun sie es nicht, ist ihnen manchmal gar nicht bewusst, dass sie negative Empfindungen gegenüber der Schule haben. Diese Situation ist als weitaus problematischer einzustufen, allerdings ist und bleibt "Schulunlust" eine "normale" Reaktion auf Langeweile, Monotonie und Stress.
Eine gestörte Beziehung zwischen Eltern und Kind kann eine weitere Basis für eine ablehnende Haltung gegenüber der Schule sein. In diesem Zusammenhang treten oft Teilleistungsschwächen wie das "Vergessen" der Hausaufgaben oder Legasthenie auf, das Kind bekommt nicht genug Aufmerksamkeit, kann Probleme nicht kompensieren. Doch wie können Eltern konkret helfen? Wenn das Kind spezielle Antipathien gegen Lehrer entwickelt, sind sie oft machtlos. Sympathie kann man nicht erzwingen. Hilft ein klärendes Gespräch nicht weiter, bleibt letztendlich nur der Klassen- oder Schulwechsel. Ähnlich verhält es sich bei Problemen mit Mitschülern, wobei hier allerdings auch Launen der Kinder von Bedeutung sind, und sich Feindschaften durch ein kleines Entgegenkommen beider Seiten mitunter schnell in Freundschaften verwandeln. Ist Monotonie der Grund für Schulunlust, kann man Abhilfe schaffen, indem Lehrer "schnellere" Schüler mit Zusatzaufgaben fordern und Partnerarbeit mit schwächeren Schülern vereinbaren, was auf beide Seiten motivierend wirkt. Um Stress abzubauen, muss man zunächst wissen, was er bewirkt und wie er entsteht. Stress löst im Körper Reaktionen aus, die effektives Lernen unmöglich machen. Er entsteht oft, wenn Kindern Lerninhalte zu fremd und unüberschaubar sind. Lernen Kinder Ähnliches zur gleichen Zeit, kann das Gehirn die Dinge nicht sinnvoll "trennen" - die Folge ist Stress. Ebenso verhält es sich mit der Zeitplanung. Ist man sich der Ursachen bewusst, kann man sie vermeiden und so den Stress abbauen. Ausgleich zur Schule schaffen, ist aber auch hier sehr wichtig. Leidet das Kind an einem gestörten Selbstbewusstsein, kann elterlicher Trost helfen, besser ist aber, dem ihm Erfolgserlebnisse auf anderen Gebieten (z.B. Sport) zu ermöglichen.
Abschließend ist noch zu sagen, dass Schulunlust auch einfach nur von einer Krankheit kommen kann. Bevor Eltern also zu pädagogischen Maßnahmen übergehen, sollten sie dies zuerst prüfen.

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Beitrag vom 05.07.2002

AVIVA-Redaktion