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AVIVA-BERLIN.de im September 2021 - Beitrag vom 01.02.2006


29. Kinderfilmfest auf der 56. Berlinale
Tatjana Zilg

21 Filme, darunter vier Welt- und acht Internationale Premieren, aus 18 Ländern werden gezeigt. Schwerpunkt 2006 ist Migration und Familie. Untersektion 14plus zum 3. Mal als inhaltliche Erweiterung.




Seit 1978 werden bei der Berlinale ausgewählte Kinderfilme in einer eigenen Sektion gezeigt. Die öffentliche Resonanz ist groß. Über 30.000 ZuschauerInnen begeben sich Jahr für Jahr im Zoo Palast, CinemaxX am Potsdamer Platz, Filmtheater am Friedrichshain und Colosseum auf eine Entdeckungsreise zu ungewöhnlichen Kindheits- und Jugendgeschichten aus aller Welt. In den moderierten Gesprächen direkt im Anschluss an die Filme werden Lob und Kritik persönlich ausgetauscht und diskutiert.
2004 entschlossen sich die OrganisatorInnen zu einem gesonderten Angebot extra für Jugendliche: Unter dem Titel 14plus werden gelungene Filme zu den speziellen Problemen von Teenagern und Heranwachsenden gezeigt. Dadurch wird diese Zielgruppe besser angesprochen, denn die meisten Jugendlichen würden sich wahrscheinlich ein Programm mit Kinderfilmen nicht anschauen.

Eröffnet wird der Jugendfilmwettbewerb am Freitag, den 10 Februar, mit "Women Liang" ("You and Me") aus China von der Regisseurin Ma Li Wen. Eher als Notlösung zieht die junge Xiao Ma bei einer geizigen, alten Dame zur Untermiete ein. Aus ihren Augen strahlt die Macht unverrückbarer Gewohnheiten und der unerfreuliche Streit um die Stromrechnung und das Telefon ist vorprogrammiert. Die himmelweite Kluft der Generationen steht zwischen der Studentin und der Pensionärin, und dennoch - Xiao Ma und die Dame bleiben zusammen. Das Jahr verrinnt und einige heftige Niederschläge gehen auf die wohl sonderbarste Wohngemeinschaft Chinas nieder. Ob sie es wollen oder nicht, im Windschatten immer lauter werdender Auseinandersetzungen hat ganz leise eine Beziehung zwischen den beiden ihre rotseidenen Fäden zusammengezogen. Doch zum Frühlingsfest verlässt Xiao Ma ihr Zimmer im Hof.

Eine ungewöhnliche Begegnung zwischen den Generationen ist auch das Thema von "Frya Veckor I Juni" ("Four Weeks In June") von Henry Meyer, Schweden. Ein schmerzhafter Racheakt hat Sandra eine Jugendstrafe und den unvermeidlichen Umzug in eine Abbruchruine fernab von Zu Hause eingebracht. Die inneren Gefängnismauern hochgezogen, hat sie kaum Augen für das Leben um sich herum. So auch nicht für Lilly, die kauzige Swing-Oma aus der oberen Etage, die zwar viele Jahre älter, aber in ihren Gefühlen mit Sandra ganz nah verwandt ist.
"Es begann alles mit einer Geschichte, die mir meine Großmutter einmal erzählt hatte. Sie kannte ein jüdisches Mädchen, welches während des Zweiten Weltkrieges nach Schweden geflohen ist. Dieses Mädchen verliebte sich in einem schwedischen Offizier, aber seine Familie wollte sie nicht akzeptieren, da sie jüdisch ist. Ich war tief berührt von dieser Geschichte und dachte viel über die Dynamik von Liebesbeziehungen nach, was passiert, wenn Träume nicht in Erfüllung gehen", erzählt Henry Meyer.

Für das Kinderfilmfest und 14plus werden jährlich aus über 400 aktuellen internationalen Einsendungen etwa 30 Spiel- und Kurzfilme ausgewählt. Über die Vergabe von je einem Gläsernen Bären für den besten Spiel- und Kurzfilm entscheidet im Kinderfilmwettbewerb eine elfköpfige Kinderjury.
Die fünf JurorInnen der Jugendjury vergeben den Gläsernen Bären für den besten Spielfilm des Wettbewerbs 14plus. Eine internationale Fachjury verleiht im Rahmen des Kinderfilmfestes zudem den mit 7.500 Euro dotierten "Großen Preis des Deutschen Kinderhilfswerkes" für den besten Spielfilm. Der "Spezialpreis des Deutschen Kinderhilfswerkes" geht zusammen mit 2.500 Euro an den besten Kurzfilm der Sektion.

Infos zu Ort und Zeit entnehmen Sie bitte der Website:
www.berlinale.de


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Beitrag vom 01.02.2006

AVIVA-Redaktion