Thea Gilmore im Interview - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Interviews
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

etage7
AVIVA-Berlin > Interviews AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 29.06.2008

Thea Gilmore im Interview
Tatjana Zilg

AVIVA-Berlin traf die britische Songwriterin zu einem Gespr├Ąch ├╝ber das aktuelle Album "Liejacker", ihrem Einsatz f├╝r mehr Authentizit├Ąt im Musikgesch├Ąft, der pers├Ânlichen ├ťberwindung einer ...



... klinischen Depression, der Verbindung von Kreativit├Ąt und Melancholie, Gl├╝cksgef├╝hle und sozialer Verantwortung sowie ihren Kindheitstr├Ąumen.

AVIVA-Berlin: Dein neues Album "Liejacker" wirkt purer als der Vorg├Ąnger "Harpo┬┤s Ghost". Es ist reduzierter in den Arrangements und somit klarer in den Melodien. Warum hast Du Dich f├╝r diese Ver├Ąnderung entschieden?
Thea Gilmore: Zun├Ąchst war es eine Notwendigkeit. "Harpo┬┤s Ghost" wurde unter dem Dach eines gro├čen Label ÔÇô Sanctuary - ver├Âffentlicht. Es gab da eine Menge Leute, die auf mich zukamen und mir erkl├Ąrten, wie die Songs klingen sollen und was sie von den Songs erwarten. Mir war das nicht besonders recht. Ich mag es ├╝berhaupt nicht, wenn die Leute solch einen Einfluss auf meine Musik nehmen wollen. Die Songs von "Liejacker" waren zu Beginn der Arbeit an dem Album eine Art Antwort auf diese Erfahrung. Zuerst dachte ich auch nicht soweit, aus dem neuen Material ein komplettes Album zu machen, sondern ich schrieb und spielte die Songs mehr f├╝r mich selbst ein. Das erste Mal in meiner Karriere hatte ich ein kleines Homestudio bei mir zu Hause, das ich st├Ąndig nutzen konnte. Der Vorteil war, dass ich viel experimentieren konnte, der Nachteil, dass der Raum beschr├Ąnkt war, und ich nur eine begrenzte Anzahl an Instrumenten zur Verf├╝gung hatte. Zum Beispiel fehlte ein Schlagzeug. Aber das konnte auch von Vorteil sein, denn manchmal sind es die Reduzierungen, die die Intensit├Ąt eines Albums ausmachen: Wenn kein Schlagzeug vorhanden ist, muss nach anderen, ungew├Âhnlichen Wegen gesucht werden, wie man die Rhythmus-Spuren kreieren kann, ohne den klassischen Weg zu gehen.

AVIVA-Berlin: Du bist nun bei einem anderen Label, wo Du mehr Freiheiten hast?
Thea Gilmore: Ja, Sanctuary hatte gro├če finanzielle Probleme bekommen - sie gehen wahrscheinlich insolvent. Ich habe schon zuvor ├Âfters die Labels gewechselt, die Suche nach einem anderen Label war nichts Neues f├╝r mich. Diesmal war es so, dass ich mich erst mit dem fast fertigen Album auf die Labelsuche begeben habe. So habe ich zu Fruitcake/Fullfill gefunden. Es ist ein kleines Label mit der Gesch├Ąftsphilosophie, den MusikerInnen zu erm├Âglichen, ganz nach den eigenen Vorstellungen zu arbeiten. So sollte es eigentlich immer sein im Musikgesch├Ąft, aber leider ist es keinesfalls immer so.

AVIVA-Berlin: Wie schwierig sch├Ątzt Du es generell ein, sich im Musikgesch├Ąft mit den eigenen Vorstellungen durchzusetzen und Einflussnahmen von Au├čen abzulehnen?
Thea Gilmore: Es ist sehr schwierig. Man muss sich sehr klar sein ├╝ber die eigenen Absichten und sie nach au├čen hin gut vertreten k├Ânnen. Wer jung ist, l├Ąsst sich schnell von anderen davon ├╝berzeugen, dass man ein Star wird, wenn man auf das h├Ârt, was andere einem sagen. Ob sich das dann erf├╝llt, ist eine andere Frage, aber klar ist, dass man sich damit leicht weit von den Ideen entfernen kann, f├╝r die man mit dem Musikmachen begonnen hat. Das ist traurig, denn es gibt so viele junge Leute, die etwas zu sagen haben, die auf der Suche nach den W├Ârtern und den Melodien sind, die ausdr├╝cken, was sie tief Innen f├╝hlen.

AVIVA-Berlin: F├╝r Dein neues Album hast Du viele akustische Instrumente neu f├╝r Dich entdeckt. Wo hast Du sie gefunden und wie hast Du sie eingesetzt?
Thea Gilmore: Ich sch├Ątze mich selbst nicht als besonders hervorragende Musikerin beim Spielen von Instrumenten ein, mein Talent liegt vor allem im Songwriting. F├╝r das Instrumentespielen selbst gibt es eine Menge Leute, die das viel besser k├Ânnen als ich. Ich ├╝berlasse das oft GastmusikerInnen. Ich spiele Gitarre, deshalb sind die Gitarren-Parts auch auf den vorangegangenen Alben teilweise von mir. Diesmal wollte ich aber spielerischer herangehen und mit den instrumentalen M├Âglichkeiten experimentieren. Ich habe bei Ebay zwei Banjos gekauft, ein indisches Harmonium und vieles mehr. W├Ąhrend dieser Monate wartete auf mich beim Postamt um die Ecke fast immer ein Instrument, das ich ├╝ber Ebay von irgendwo auf der Welt bestellt habe. Es war gro├čartig, auszuprobieren, ohne immer gleich daran denken zu m├╝ssen, ob die Akkorde passen, ob ich die falschen oder die richtigen T├Âne treffe. Da war ja keiner, der mich kritisierte. Nur ich selbst und ich konnte immer einfach alles verwerfen und von vorne anfangen. Diese Freiheit erlaubte mir, die instrumentalen M├Âglichkeiten auf spielerische Weise zu erkunden und lie├č den Sound von "Liejacker" sehr erdverbunden und bodenst├Ąndig werden.

AVIVA-Berlin: Wie w├╝rdest Du die Themen Deiner Songs beschreiben? Sind sie mehr biographisch angelegt oder eher Beobachtungen der Umwelt?
Thea Gilmore: Nun, sie beinhalten beides. "Liejacker" ist da jedoch sehr speziell. Es beschreibt eine innere Reise, von einem Punkt, wo ich sehr tief unten war ÔÇô ich litt an einer Depression ÔÇô bis zu dem Weg aus ihr hinaus. Dem Punkt, als ich wieder ins Leben trat, heiratete und ein Kind bekam. Das Album f├Ąngt all die Emotionen ein, die mit dieser Reise verbunden waren. Da ist zum Beispiel der Song "Black Letter", der den Zeitpunkt beschreibt, als ich sehr depressiv war. "Old Soul" ist ein Song ├╝ber die Losl├Âsung aus diesem Zustand und dem Beginn der Selbstakzeptanz. Eine der guten Seiten an einer Depression ist, dass man w├Ąhrend ihrer ├ťberwindung lernt, sich selbst mehr zu akzeptieren, und eine Art Selbstanalyse betreibt: Man verortet sich dabei neu in der Welt und lernt seine Gef├╝hle in ihrer ganzen Tragweite kennen.

AVIVA-Berlin: "Old Soul" ist ein Duett mit Dave McCabe, dem S├Ąnger der Zutons. Wie habt Ihr Euch kennen gelernt und wie ist die Idee entstanden, einen Song gemeinsam einzusingen?
Thea Gilmore: Seit meinem dritten Album gehe ich in Liverpool ins Studio, immer mit dem Produzenten Mike Cave. Er stellte mich Dave McCabe vor. Ich wusste aber schon zuvor, dass ich ihn als Duett-Partner f├╝r "Old Soul" gewinnen wollte. Ich liebe seine Stimme. Zudem habe ich bef├╝rchtet, dass "Old Soul" sonst ein wenig ins Klischeehafte abrutscht, und auch, dass die Leute wegen des Titels denken, sie w├╝ssten schon zuvor, wor├╝ber der Song handelt. Es ist ja auch ein sehr sanftes Lied. Aber dadurch, dass ich eine zweite Stimme hineinbrachte, wurde der Song auff├Ąlliger. So werden die Leute aufgefordert, ihn ein zweites Mal zu h├Âren. Der Song beinhaltet vermutlich wirklich eine Spur Klischee. Das habe ich auch beabsichtigt, es geh├Ârt zu der Aussage. Aber ich wollte mit dem Duett-Stil sichergehen, dass die Leute ihn nicht ├╝berh├Âren, weil es ein eher leiser Song ist.

AVIVA-Berlin: Und wie kam es zu dem Duett mit Joan Baez? Mit ihr hattest Du bereits gemeinsame Projekte?
Thea Gilmore: Ja, ich kenne Joan Baez seit 2004, als ich mit ihr zusammen in den USA tourte. Ihr Manager rief mich damals an und fragte, ob ich sie auf dieser Tour als Support begleiten w├╝rde. Das war nat├╝rlich eine gro├če Ehre f├╝r mich. Sie hat ja in gewisser Weise, den Job, den ich mache, erfunden. Sie ist die erste weibliche Songwriterin, die weltweit bekannt wurde. Als ich "The Lower Road" schrieb, war mir sofort klar, dass der Song unbedingt eine zweite Stimme braucht, denn der Gesang hat zwei sehr unterschiedliche Ebenen. Sie war die erste Person, an deren Stimme ich dabei dachte. Daf├╝r gab es sehr viele Gr├╝nde, aber der allererste war, dass der Song den Weg eines menschlichen Lebens vom Anfang bis zum Ende beschreibt. Trotz aller Schwierigkeiten gehen die Menschen ihren Weg und behalten die F├Ąhigkeit, immer aufs Neue zu versuchen, ihr Bestes zu geben und Ver├Ąnderungen einzuleiten. Nach einer Weile kommt aber auch die Zeit, in der es darum geht, die Verantwortung an die n├Ąchste Generation weiterzugeben. Joan hat ihr ganzes Leben lang viel Verantwortung ├╝bernommen f├╝r ihre Umgebung und sich selbst. Sie hat so viel Engagement gezeigt und war so aktiv in viele Dinge involviert, dass ich der Meinung war, sie sei die einzige Person, die den Song mit voller ├ťberzeugung singen kann.

AVIVA-Berlin: "Black Letter" handelt von der Zeit, wo Deine Depression sehr stark war. Wie ist es f├╝r Dich, wenn du jetzt aus einer zeitlichen Distanz heraus den Song h├Ârst?
Thea Gilmore: Wenn man sich in diesem Zustand befindet, ist es die beste Selbsttherapie, Songs zu schreiben. W├Ąhrend einer Depression ist oft das Gef├╝hl da, nie mehr aus dem emotionalen Loch hervorzukommen, aber wenn die M├Âglichkeit besteht, sich mit Musik auszudr├╝cken, k├Ânnen diese Gef├╝hle in eine best├Ąndige Form gebracht werden. Sie werden dabei sozusagen ausgelagert und k├Ânnen weggeschlossen werden. Wenn es einem wieder besser geht, und man den Song wieder h├Ârt, sind die Gef├╝hle in der Erinnerung wieder da, aber man kann auf sie aus einem distanzierten Blickwinkel schauen. Auch das hat einen sehr heilsamen Aspekt. Es ist einfach sehr sch├Ân, zu sp├╝ren, wie viel weiter man sich entwickelt hat.

AVIVA-Berlin: In der psychologischen Praxis wird Musik als Therapiemittel eingesetzt. Wie findest Du das Konzept der Musiktherapie, das depressiven Menschen erm├Âglichen soll, ihre Gef├╝hle auszudr├╝cken, ohne dass musikalische Vorkenntnisse vorhanden sein m├╝ssen?
Thea Gilmore: Ich halte das f├╝r einen sehr guten Ansatz. Ich denke, Musik ist ein kulturelles Erbe, ├╝ber das jeder verf├╝gen kann, auch wenn manche Leute glauben, sie seien nicht musikalisch. Rhythmen und Melodien sind allgegenw├Ąrtig, in allem sind sie potentiell vorhanden. Musik als Idee liegt im Herzen jedes Menschen. Es ist eine gute Sache, die Leute zu ermutigen, das f├╝r sich selbst zu entdecken und sich mit Melodien und Rhythmen auszudr├╝cken. Sehr unterst├╝tzend dabei ist, dass so auf eine nonverbale Weise mit den Betroffenen gearbeitet werden kann. Sprachlicher Ausdruck kann hinzugef├╝gt werden, muss aber nicht. Ich denke, Musik-Therapie ist ein Weg, der viel Unbewusstes freisetzen kann und Weiterentwicklung unterst├╝tzt. Leider hatte ich selbst noch keine Gelegenheit, musik-therapeutische Stunden zu beobachten oder an ihnen teilzunehmen, aber ich w├╝rde das gerne einmal machen.

AVIVA-Berlin: Ein anderer Aspekt, mehr philosophisch betrachtet, ist, dass Melancholie oft in einem positiven Tenor gesehen wird, als nahezu notwendig f├╝r die k├╝nstlerische Entwicklung. Wie denkst Du dar├╝ber?
Thea Gilmore: Oh, ich glaube, Leben an sich tr├Ągt zu der k├╝nstlerischen Entwicklung bei. Es ist dabei nicht so entscheidend, ob gerade die Melancholie oder das Gl├╝ck die Oberhand haben. Die Intensit├Ąt der Lebenserfahrung ist da das Ausschlaggebende.
Wobei das Wort Melancholie einen wichtigen Aspekt beschreibt, der zum Leben dazugeh├Ârt und der w├Ąhrend eines k├╝nstlerischen Prozesses gro├če Tiefe erm├Âglicht. Er beschreibt eine andere Nuance als die Begriffe Traurigkeit oder Depression, welche beide Gef├╝hlszust├Ąnde sind, in denen man sich verlieren kann. Melancholie ist mehr ein Zustand, in dem man die Traurigkeit sp├╝rt, aber nicht von ihr durch und durch ergriffen ist. In einer solchen melancholischen Stimmung flie├čt das Songwriting sehr aus einem heraus. In einem depressiven Zustand ist man dagegen oft so sehr mit der eigenen Verfassung besch├Ąftigt, dass es gar nicht zum k├╝nstlerischen Ausdruck kommt.

AVIVA-Berlin: Unter welchen Bedingungen f├Ąllt es Dir am leichtesten, kreativ t├Ątig zu werden?
Thea Gilmore: Ich habe da keine Regeln in dem Sinn. Das Songwriting ist st├Ąndig pr├Ąsent in meinen Gedanken. Ich nehme die Dinge um mich herum immer auch unter diesem Aspekt war und suche nach Wegen, sie in einen Song umzusetzen. Ich ziehe es vor, beim Komponieren allein zu sein, aber seit ich meinen Sohn bekommen habe, ist das nat├╝rlich schwieriger geworden. Gl├╝cklicherweise ist er ein umg├Ąngliches Kind, so dass ich gut arbeiten kann, wenn er bei mir ist.
Aber eine Idee kann ├╝berall entstehen, und so versuche ich, jederzeit aufnahmebereit f├╝r Inspirationen zu sein. Mir liegt es nicht, in einer sehr disziplinierten Art zu arbeiten, bei der ich mich jeden Tag zu einer bestimmten Zeit hinsetzen w├╝rde, um an meinen Songs zu schreiben. Es gibt sicher MusikerInnen, denen es leichter f├Ąllt, so zu arbeiten, aber ich w├╝rde mich da zu sehr unter Zwang f├╝hlen, so dass meine Kreativit├Ąt dadurch eher eingeschr├Ąnkt w├Ąre. Ich mag es mehr, wenn ich das Gef├╝hl habe, dass die Songs in mir entstehen, wenn es an der Zeit ist. Wenn sie sozusagen von sich aus an die Oberfl├Ąche dringen. Ich sehe meine Aufgabe darin, immer daf├╝r aufmerksam zu bleiben und sie einzufangen, wenn sie sich melden.

AVIVA-Berlin: Hast Du das Gef├╝hl, dass die Geburt Deines Sohnes Deinen Blick auf die Welt und das Songwriting ver├Ąndert hat?
Thea Gilmore: Nun, vor der Geburt sagten alle zu mir, dass ich wahrscheinlich weniger ├Ąrgerlich sein werde und mich weniger schnell ├╝ber die Dinge aufregen w├╝rde. Aber es war dann genau andersherum. Das Verantwortungsgef├╝hl wird viel st├Ąrker, wenn das erste Kind da ist. Sein Wohlbefinden wird zur wichtigsten Sache der Welt. Ich lebe seitdem viel bewusster und m├Âchte f├╝r meinen Sohn auf der bestm├Âglichen Art da sein und daf├╝r sorgen, dass er gute Bedingungen f├╝r sein Leben auf dieser Welt vorfindet. Dadurch ist meine Bereitschaft gestiegen, mich gegen Sachen einzusetzen, die ich f├╝r falsch halte.

AVIVA-Berlin: Wie gelingt es Dir, mit der Doppelbelastung Mutter ÔÇô Beruf umzugehen? Deine neue CD erschien ja kurz nach der Geburt Deines Sohnes.
Thea Gilmore: Es ist immer schwierig, Beruf und Muttersein zusammenzubringen. Da ist der Urinstinkt, ganz und gar f├╝r das Kleinkind da zu sein, und auch das soziale Bewusstsein sagt, wer nicht 24 Stunden f├╝r sein Kind sorgt, ist eine schlechte Mutter. Wenn man sich daf├╝r entscheidet, gleichzeitig zu arbeiten oder sogar aus finanziellen Gr├╝nden arbeiten muss, entsteht schnell ein innerer Konflikt. Ich habe es da ja sehr gl├╝cklich getroffen. Ich kann ihn meistens mitnehmen, wenn ich beruflich unterwegs bin. Er ist jetzt 18 Monate alt und das klappt ziemlich gut. F├╝r mich bedeutet das, dass ich nichts vers├Ąume im Kontakt mit meinem Sohn. Ich sehe immer seine Entwicklung und kann daf├╝r sorgen, dass er alles bekommt, was er braucht. Das ist mir sehr wichtig und ich bin sehr gl├╝cklich dar├╝ber, dass ich als Musikerin die Freiheit habe, das so zu regeln. Frauen in anderen Berufen haben da sicher gr├Â├čere Schwierigkeiten.

AVIVA-Berlin: Wie sieht es denn in England generell aus? Gibt es die M├Âglichkeit eines l├Ąngeren Erziehungsurlaubes?
Thea Gilmore: Ja, wer als Arbeitnehmerin angestellt ist, kann eine Erziehungspause nehmen. Meine Schwester hat gerade auch ein Kind bekommen und arbeitet in einem Krankenhaus, wo sie jetzt ein Jahr lang pausiert.

AVIVA-Berlin: Wann ist in Dir der Wunsch entstanden, Songwriterin zu werden? War das schon immer Dein Kindheitstraum?
Thea Gilmore: Oh ja, Musik war schon immer sehr wichtig f├╝r mich. Aber wie viele M├Ądchen wurde ich im Glauben erzogen, S├Ąngerin oder Songwriterin sei kein Beruf mit guten Zukunftsaussichten. Als ich 18 Jahre wurde, war mir bewusst, dass ich die Musik zum Beruf machen m├Âchte. Ich ver├Âffentlichte mein erstes Album und sah, dass es m├Âglich ist. Aber lange Zeit war da das Gef├╝hl da, ich sollte mich umentscheiden und einen vern├╝nftigen Beruf ergreifen. Doch gl├╝cklicherweise habe ich das nie in die Tat umgesetzt und heute bin ich sehr froh dar├╝ber, dass ich bei der Musik geblieben bin.

AVIVA-Berlin: Welche MusikerInnen haben Dich beeinflusst?
Thea Gilmore: Ich bin in den achtziger Jahren aufgewachsen, aber was zu dieser Zeit in den Charts gespielt wurde - New Kids On The Block und Kylie Minogue - mochte ich so gar nicht. Meine Schwester h├Ârte das, aber ich zog die Beatles oder Bob Dylan vor. Ihre Musik hat mich sehr inspiriert, aber dadurch bekam ich auch eine Sonderstellung unter Gleichaltrigen, die alle lieber den 80ies Pop aus den Charts h├Ârten. Ich war fasziniert von Bob Dylans Texten, so wie ich heute von allen SongwriterInnen begeistert bin, denen es gelingt, wirklich mit Worten zu spielen wie zum Beispiel Tom Waits und Joni Mitchell.

AVIVA-Berlin: Es ├╝berrascht da ein wenig, dass Du ein Cover von "You Spin Me Right Round", dem Hit der Dark Waver Dead Or Alive, aufgenommen hast.
Thea Gilmore: Ja, dieser Song hat wohl in meinem Unterbewusstsein einen Platz gefunden und sich nun nach vorne gedr├Ąngt. Er war kein Lieblingslied von mir, den ich als Teenager st├Ąndig aufgelegt h├Ątte. Aber ich mochte ihn immer, wenn ich ihn aus Zufall h├Ârte, und er war damals sehr pr├Ąsent an allen Orten. Der Song hat einen eing├Ąngigen Groove und er brachte mich immer zum L├Ącheln. Ich bin der Meinung, dass es sich nur lohnt eine Coverversion zu machen, wenn man dem Song neue Komponenten entlocken kann, die ihn von einer anderen Seite zeigen. Ich mochte es, den Song auf seine Basics zur├╝ckzubringen und herauszufinden, was sie mit den Song wirklich sagen wollten. Es ist ein sehr sexy Lied, und es geht zugleich um Verlust. Ich habe das Tempo etwas herausgenommen, den Groove verlangsamt. F├╝r mich macht der Song so mehr Sinn. Ich habe viel Spa├č daran gehabt, den Text zu singen und es ist sch├Ân, auch mal etwas ganz anderes zu machen. Deshalb steht der Song ja auch am Ende des Albums als Bonus Track.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank f├╝r das Interview!

Thea Gilmore im Netz: www.theagilmore.net

Lesen Sie auch unsere Rezension zu "Liejacker".


Interviews Beitrag vom 29.06.2008 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken