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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 13.06.2013

Moderne Minenräumkommandos - HeroRATs & HeroLADIEs. Interview mit Tesfazghi Tewelde von APOPO
Ilka Fleischer

Durch ihre aufsehenerregende Arbeit mit Minensp√ľrratten sorgt die NGO APOPO immer wieder f√ľr Schlagzeilen. Den HeroRATs wurden nun HeroLADIEs "zur Seite gestellt". Ein Interview mit Tesfazghi...



... Tewelde.

Mit ihrem erfolgreichen Minensp√ľrratten-Projekt HeroRAT belegt die humanit√§re Organisation APOPO den dritten Platz auf der Innovationsrangliste der NGOs (Nichtregierungsorganisationen).

Nachdem die afrikanischen Riesenhamsterratten die R√§umung der Provinz Gaza in Mosambik 2012 ein Jahr vor dem vereinbarten Fristablauf beenden konnten, erhielt APOPO den Auftrag, auch die Provinzen Manica, Sofala und Tete in Mosambik zu r√§umen. Zur Unterst√ľtzung der HeroRATs ist seit wenigen Monaten auch ein reines Frauenteam im Einsatz. Im Interview mit APOPO erl√§uterte der Program Manager von APOPO Mozambique, Tesfazghi Tewelde, die Hintergr√ľnde und Ziele des HeroLADIEs-Projektes.


AVIVA-Berlin: Warum wurde bei den APOPO-Minenräumprojekten bisher in reinen Männer- (und Ratten-)teams gearbeitet?
APOPO: Geschichtlich wurden in Mosambik fast alle Minenr√§um-Teams zun√§chst aus den Reihen der ehemaligen m√§nnlichen Soldaten rekrutiert, um gr√∂√üere Besch√§ftigungschancen f√ľr diese Gruppe abzusichern. Dies war Teil des Friedensabkommens. So "erbte" APOPO ein Ungleichgewicht der Geschlechter. Durch unseren Gender- und Diversity-Fokus haben wir in den letzten Jahren jedoch Chancengleichheit von Frauen und M√§nnern bei all unseren Aktivit√§ten, in allen Programmen und L√§ndern der APOPO-Operationen vorangetrieben.

AVIVA-Berlin: Wieso wird in Mosambik jetzt (dennoch) auf geschlechtergetrennte und nicht auf Misch-Teams gesetzt?
APOPO: Das APOPO Ladies Team wurde zwar als Frauen-Team rekrutiert und trainiert, aber in der Praxis auf dem Feld sind die Damen voll integriert und gleichberechtigt mit den männlichen Minenräumern im Einsatz. Abhängig von der Situation auf dem Feld und dem jeweiligen Einsatzort arbeiten die Teams manchmal geschlechtergetrennt und manchmal gemeinsam, aber immer "Hand in Hand".

AVIVA-Berlin: Welche Aufgabenbereiche werden durch das Frauenteam abgedeckt? Und inwiefern "schleicht" sich doch öfter mal eine "klassische" Arbeitsteilung ein?
APOPO: Wir arbeiten daran, die "klassische" Arbeitsteilung der Geschlechter zu √ľberwinden. Insofern sind die T√§tigkeiten und Zust√§ndigkeiten der Frauen identisch mit denen der M√§nner. Ein typischer Tag f√ľr die Mitglieder der Minenr√§um-Teams (m√§nnlich oder weiblich) besteht vor allem aus den Kernaufgaben R√§umung der Minen, Erhalt der Minenr√§um- und Sicherheitseinrichtungen sowie Aufbau und Pflege des Lagers.

AVIVA-Berlin: Gibt es unterschiedliche "Lohngruppen" im Rahmen der Räumkommandos? Und besteht die Gefahr, dass durch den Einsatz von reinen Frauenteams aus der Minensuche ein Niedriglohnjob wird?
APOPO: Unsere Minenr√§umerInnen werden basierend auf dem Grad der Verantwortung bezahlt,zum Beispiel Minenr√§umerIn, TeamleiterIn, AbschnittskommandantIn etc. Die Verg√ľtungspolitik bei APOPO ist dabei geschlechtsneutral, so dass der Einsatz von reinen Frauenteams zu keinem Lohndumping f√ľhren kann.

Zu APOPO

APOPO ist eine in Belgien eingetragene NGO mit Sitz in Tansania, die Methoden f√ľr den Einsatz von Sp√ľrratten f√ľr humanit√§re Zwecke erforscht, entwickelt und verbreitet. Zum einen werden die so genannten "HeroRATs" seit Jahren erfolgreich bei der Minenr√§umung in Mosambik, Thailand, Angola und Kambodscha eingesetzt. Zum anderen f√ľhrt APOPO f√ľr Kliniken und Gesundheitszentren schnelle und effiziente Kontrolluntersuchungen zur TBC-Erkennung durch. Neben der bew√§hrten TNT-Detektion und TBC-Diagnose durch die HeroRATs testet APOPO aktuell au√üerdem ihren Einsatz als "CameRATs": Dabei werden die Tiere mit Kameras versehen und als Unterst√ľtzung f√ľr Such- und Rettungsteams ‚Äď zum Beispiel zum Aufsp√ľren von Erdbebenopfern - ausgebildet.




AVIVA-Berlin: Beim herkömmlichen Minenräumen (mit Metalldetektoren) kommt es nicht selten zu tödlichen Unfällen. Warum fördert APOPO die Gleichstellung ausgerechnet in einem derart riskanten Arbeitsbereich?
APOPO: Obwohl Minenr√§umung in der Tat sehr gef√§hrlich sein kann, k√∂nnen die Einhaltung operativer Sicherheitsstandards und eine sorgf√§ltige Qualit√§tssicherung die Risiken erheblich minimieren. Unsere Minenr√§umerInnen erhalten im Hinblick auf das Risikomanagement eine Spezialausbildung und APOPO tut alles in seiner Macht stehende, um die Sicherheit der MitarbeiterInnen zu gew√§hrleisten. Ganz abgesehen davon w√ľrde es unseren Kernwerten widersprechen, die Ungleichheit der Geschlechter mit dem Risiko-Argument aufrecht zu erhalten.

AVIVA-Berlin: Inwiefern unterscheiden sich Risikobewusstsein und -verhalten bei den Frauen- und Männergruppen? Und wie sehen Unfallstatistik und Schutzmaßnahmen bei APOPO aus?
APOPO: Alle APOPO-MinenräumerInnen erhalten die gleiche (Sicherheits-)Ausbildung und arbeiten unter gleichen (Risiko-)Bedingungen mit den gleichen Sicherheits-Maßnahmen. Im Jahr 2012 gab es keine Minen-Unfälle. Zu unseren Maßnahmen zur Risikominimierung zählen unter anderem verstärkte Sicherheitsstandards durch das APOPO Standard Operating Procedure (SOP), Bewertungen und Updates, Schulungen und Auffrischungskurse sowie eine wirksame interne Qualitätssicherung.

AVIVA-Berlin: Inwiefern verfolgt APOPO weitere Gleichstellungsziele ‚Äď abgesehen von der Dimension Gender/Geschlecht?
APOPO: Einer von APOPO¬īs Grundwerten besteht in der F√∂rderung der Vielfalt in all ihren Facetten - neben Geschlecht also auch Alter, Religion, sexuelle Orientierung, k√∂rperliche F√§higkeiten, Nationalit√§t oder Volkszugeh√∂rigkeit. In diesem Sinne besteht das APOPO Team aus Personen mit einen Vielzahl von "Hintergr√ľnden".



AVIVA-Berlin: Das klingt, als w√§ren die Organisationsziele im Hinblick auf Diversity schon erreicht. Oder gibt es noch (Personal-)Pl√§ne f√ľr die Zukunft?
APOPO: Nein, nat√ľrlich arbeiten wir daran weiter ‚Äď und auch an einer ausgewogenen Besch√§ftigung von M√§nnern und Frauen auf allen Ebenen der Organisation. Unsere Gender- und Diversity-Strategie umfasst unter anderem die Implementierung entsprechender Human Resource-Richtlinien und -Verfahren, die √úberpr√ľfung unserer Trainingspakete und Publikationen sowie Umfragen, um Geschlechtsneutralit√§t und Diversity sicherzustellen.

AVIVA-Berlin: Apropos "Umfragen"... Wie wird der Einsatz der HeroLADIEs eigentlich in der Bevölkerung vor Ort aufgenommen? Werden die Frauen schief angeguckt oder eher bewundert?
APOPO: Die lokale Bev√∂lkerung ist sehr dankbar und unterst√ľtzt APOPO¬īs Arbeit ‚Äď und nat√ľrlich auch das Frauenteam. Auf unserer Facebook-Seite hinterlie√ü uns jemand k√ľrzlich die Aufmunterung: "Wishing all the best Ladies.... I have been there, you real good.. I appreciate!!. Keep it on."

AVIVA-Berlin: Das k√∂nnen wir nur unterstreichen! Vielen Dank f√ľr das Interview.



(Copyright f√ľr alle Bilder: APOPO)



Weitere Informationen finden Sie unter:

APOPO

APOPO auf Facebook

Top 100 NGOs

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Interview mit Eva Maria Fischer von Handicap International zum Antiminentag am 4. April 2013



Interviews Beitrag vom 13.06.2013 Ilka Fleischer 





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