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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 22.12.2009

Interview mit Apinya Sakuljaroensuk
Claire Horst

Der thail├Ąndische Shootingstar spielt die weibliche Hauptrolle in "Same Same But Different", dem neuen Film von Detlev Buck, der im Januar 2010 anl├Ąuft. Mit AVIVA-Berlin hat die 19-J├Ąhrige ├╝ber...



... den Film und ├╝ber ihre schauspielerische Laufbahn gesprochen.

AVIVA-Berlin: Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?
Apinya Sakuljaroensuk: Als f├╝r meinen ersten Film "Ploy" DarstellerInnen gesucht wurden, wollte ich gerade einkaufen gehen und bin auf der Stra├če dem Manager der Filmproduktion begegnet. Es war ein riesiger Zufall. Dieser Mann hat mich eigentlich nach dem Weg gefragt, und ich habe ihm geholfen. Er fand, dass ich etwas Besonderes habe, hat ein Foto gemacht und mich zum Casting geschickt. Seiher habe ich noch zwei weitere Filme in Thailand gedreht. Au├čerdem habe ich inzwischen die Schule beendet und bin jetzt an der Universit├Ąt eingeschrieben. Im Mai werde ich mit dem Studium der Filmwissenschaft und Produktion beginnen.

AVIVA-Berlin: In beiden Filmen, "Ploy" und "Same Same But Different", spielen Sie au├čergew├Âhnliche Figuren. Was macht die beiden Rollen in Ihren Augen interessant?
Apinya Sakuljaroensuk: In "Ploy" gibt es drei Hauptfiguren, einen Mann und eine Frau, die ein Paar sind, und ein M├Ądchen, das dazukommt. Ich spielte das M├Ądchen Ploy. Damit war ich zwar auch eine Hauptdarstellerin, aber ich funktionierte praktisch als Medium f├╝r die ZuschauerInnen. Meine Rolle war es, das Publikum zu den beiden anderen hinzuf├╝hren. Ich bin in dem Film wie ein Magnet, der alles nach oben zieht und fallen l├Ąsst, wenn die Spannung aufgebaut ist. Die ZuschauerInnen m├╝ssen dann allein weiter. Damit ist es eine sehr machtvolle Rolle.

AVIVA-Berlin: Ist Sreykeo, die Sie in "Same Same But Different" darstellen, eine ├Ąhnlich starke Pers├Ânlichkeit?
Apinya Sakuljaroensuk: F├╝r mich als Darstellerin war das ein gro├čer Unterschied. In "Ploy" gehen die ZuschauerInnen am Anfang mit mir mit, doch dann ist meine Rolle erf├╝llt. In "Same Same But Different" m├╝ssen sie mir die ganze Zeit folgen. Ich f├╝hre das Publikum. Die Rolle in "Same Same But Different" mag ich lieber. In "Ploy" war meine Figur abh├Ąngig vom Regisseur und vom Drehbuch. Im neuen Film ist es eine authentische Rolle, denn er schildert eine wahre Geschichte. Das war eine viel gr├Â├čere Herausforderung an uns SchauspielerInnen. Man fragt sich immer wieder: Wie kann ich das bewerkstelligen? Wie kann ich dem Publikum dieses oder jenes Gef├╝hl vermitteln? Ich musste mein Bestes geben.

AVIVA-Berlin: Liegt diese Herausforderung auch darin, dass Sie die wahren Personen kennen gelernt haben?
Apinya Sakuljaroensuk: Ja, genau. Benjamin Pr├╝fer und Sreykeo waren oft bei den Dreharbeiten anwesend. Sreykeo habe ich mich sehr nah gef├╝hlt. Ich wei├č nicht, ob sie den Film schon gesehen haben, bin aber gespannt, wie ihnen der Film gef├Ąllt und hoffe sehr, dass sie zufrieden sind.

AVIVA-Berlin: Ist "Same Same But Different" aus Ihrer Sicht eher ein Film ├╝ber eine Liebesgeschichte, oder stand f├╝r Sie die HIV-Thematik im Mittelpunkt?
Apinya Sakuljaroensuk: F├╝r mich pers├Ânlich ist es eher ein Liebesfilm. Ich habe gelernt, was die Liebe einem Menschen bedeuten kann. Der Film spiegelt wider, dass die Liebe f├╝r alle Menschen von gro├čer Bedeutung ist. Der Film zeigt ja deutlich: Ein Mensch kann auch trotz HIV lange leben, wenn er oder sie eine Person hat, die sie liebt. Es geht um seelischen Beistand. Der Film zeigt, wie wichtig das ist.

AVIVA-Berlin: Ich habe es auch so gesehen, dass die Liebe im Mittelpunkt des Films steht. Trotzdem spielt das Thema Aids eine gro├če Rolle. Die Tabuthemen Aids und Sextourismus werden offen aufgegriffen. Hat der Film auch bei Ihnen eine neue Auseinandersetzung mit dem Thema bewirkt?
Apinya Sakuljaroensuk: Ich habe jetzt ein ganz anderes Bild von HIV-Infizierten, auch von Menschen, die es durch ihren Beruf sind, durch die Prostitution. Das ist schon ein Tabuthema, auch f├╝r mich pers├Ânlich. Ich habe einen neuen Eindruck von diesen Menschen bekommen: Das sind genauso Menschen wie alle, und sie k├Ânnen ihr Leben auch mit HIV weiterf├╝hren. Ich habe jetzt auch eine viel genauere Vorstellung davon und wei├č, dass man sie nicht ausgrenzen muss, dass sie nicht schuld daran sind, dass sie sich infiziert haben. Vielleicht haben sie einmal nicht aufgepasst, und das kann jedem passieren.

AVIVA-Berlin: Welche Reaktion erwarten Sie, wenn der Film in Thailand und Kambodscha anl├Ąuft? Wird es ein kontroverser Film sein?
Apinya Sakuljaroensuk: Ich habe mich vor allem darauf konzentriert, diese Person gut zu verk├Ârpern. ├ťber die Reaktionen kann ich noch gar nicht so viel sagen. Aber ich erwarte schon, dass durch den Film die Welt auf Kambodscha schaut und dass der Situation in dem Land mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Seit ich in Phnom Penh gelebt und gearbeitet habe, wei├č ich, wie die Lage dort ist. Ich hoffe, dass die Hilfsorganisationen, die etwas ver├Ąndern und helfen m├Âchten, mehr Unterst├╝tzung bekommen werden. Die Welt wird sehen, dass hier ein Ort ist, der Hilfe braucht.

AVIVA-Berlin: Das Verh├Ąltnis zwischen Thailand und Kambodscha ist ja politisch relativ angespannt. Wie wird es in beiden L├Ąndern wahrgenommen, wenn eine Thail├Ąnderin eine Kambodschanerin spielt?
Apinya Sakuljaroensuk: In Thailand waren die Leute eher skeptisch, als ich gesagt habe, ich werde eine Kambodschanerin spielen. Aber ich glaube, den Film werden sie positiv aufnehmen. Was die kambodschanische Seite betrifft, bleibt erst mal abzuwarten, und nat├╝rlich spekulieren wir auf positive Resonanz. Schwierig k├Ânnte es werden, dass die Hauptfigur ein Bargirl ist. Wir wissen nicht, ob die KambodschanerInnen es als Beleidigung empfinden, dass ausgerechnet eine Frau mit diesem Beruf dargestellt wird. Aber ich pers├Ânlich bin sehr gl├╝cklich dar├╝ber, dass ich in Kambodscha gelebt habe und die Sprache gelernt habe.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank f├╝r das Gespr├Ąch. Wir w├╝nschen Ihnen eine sch├Âne Zeit in Berlin und viel Erfolg f├╝r Ihre n├Ąchsten Projekte.

Der Film "Same Same But Different" wurde am 13. August 2009 auf dem 62. Internationalen Filmfestival von Locarno erstaufgef├╝hrt und im Rahmen des Festival-Wettbewerbs mit dem "Variety Piazza Grande Award" ausgezeichnet. Au├čerdem lief er auf dem Toronto International Film Festival und auf dem London Festival of German Films.

Lesen Sie auch die AVIVA-Rezension zum Film "Same Same But Different".

Interviews Beitrag vom 22.12.2009 Claire Horst 





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