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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 13.07.2008

Johanna - eine Dresdner Ballade ÔÇô von Freya Klier
Sharon Adler

Der Dokumentarfilm erz├Ąhlt sensibel und behutsam und absolut authentisch die ersch├╝tternde Lebens- und Leidensgeschichte der mutigen Dresdnerin J├╝din Johanna Krause.



Johanna Krauses Geschichte ist eine, bei der man weinen muss. Und es ist gleichzeitig eine Geschichte, vor der man sich verbeugt. Vor einer kleinen, gro├čen, mutigen Frau, deren Leben voller Trauer, aber auch Mut, Liebe und Trotz, Standhaftigkeit und ├ťberlebenswillen gekennzeichnet war.

Der Autorin und Regisseurin Freya Klier ist es zu verdanken, dass diese Geschichte keine namenlose bleibt, dass sie aufgesp├╝rt, aufgezeichnet und der ├ľffentlichkeit zug├Ąnglich gemacht wurde. Au├čerdem erschienen ist das Leben der Johanna Krause in Buchform, geschrieben von den Autorinnen Carolyn Gammon und Arch├Ąologin Christiane Hemker.

Johannas Geschichte

Am 23. Oktober 1907 als uneheliche Tochter einer ungarischen J├╝din und eines deutschen Fabrikanten geboren, erinnert sich Johanna auch Jahrzehnte sp├Ąter in den Interviews an ihre Kindheit und Jugend, an ihre Tr├Ąume und Hoffnungen. Doch es kommt anders.
Nach einer schwierigen Kindheit und Jugend wird die junge Dresdnerin Johanna Krause, die so gern T├Ąnzerin geworden w├Ąre, 1934 wegen "F├╝hrerbeleidigung" verhaftet. Einige Monate sp├Ąter will der brutale NS-Polizist Herbert Ossmann die J├╝din vergewaltigen und st├Â├čt sie sp├Ąter in die Elbe.
1935 wird sie zusammen mit ihrem nichtj├╝dischen Mann Max wegen Versto├čes gegen die Rassengesetze erneut verhaftet und sp├Ąter zur Zwangsarbeit gezwungen. Sie ist bereits im achten Monat schwanger, als die Nazis ihr Kind abtreiben und Johanna sterilisieren.
1944 wird sie ins KZ Ravensbr├╝ck verbracht, wo sie nur durch einen Registrierfehler der Gaskammer entgeht. Sie ├╝berlebt drei Konzentrationslager und den Todesmarsch, ehe sie schwerkrank nach dem Krieg nach Dresden zur├╝ckkehrt, um ihren Mann zu suchen.
Das Ehepaar Krause engagiert sich in den 50er-Jahren beim Aufbau der DDR, Johanna arbeitet in Gastst├Ątten, Max, der Maler, ist in der Partei aktiv. Bald schon holt Johanna die Vergangenheit ein. Als sie eines Tages den neuen Parteisekret├Ąr bedienen soll, erkennt sie in ihm den SS-Offizier, der 1934 versucht hatte, sie zu vergewaltigen und zu ertr├Ąnken. Bei dem Versuch, ihn anzuklagen, wird sie diesmal von der DDR-Obrigkeit verfolgt. Johanna ist erneut antisemitischen Attacken ausgesetzt und kommt zusammen mit ihrem Mann 1957 wegen ┬┤Staatsverleumdung┬┤ wieder in das Gef├Ąngnis in dem sie fr├╝her schon wegen ┬┤Rassenschande┬┤ einsa├č.
Nach dem Zusammenbruch der DDR hatte Johanna gehofft, vollst├Ąndig rehabilitiert zu werden, was aber nicht gelang. Erst durch die Recherchen von Freya Klier in der Gauck Beh├Ârde und im Document Centre erhielt sie Einsicht in ihre Stasi-Akten und wurde schlie├člich in Karlsruhe rehabilitiert.

Auf der Homepage von Freya Klier findet sich ein Hinweis auf das "elfte Gebot":
"Du sollst Dich erinnern" steht dort geschrieben.

Mit der Recherche und der Arbeit an "Johanna - eine Dresdner Ballade" hat Freya Klier, selbst Verfolgte eines Regimes, sich erinnert. Mehr noch, sie hat der Dresdnerin J├╝din Johanna Krause die M├Âglichkeit gegeben, ihre ein ganzes Jahrhundert umspannende, von vielen Tiefen und wenigen H├Âhen gekennzeichnete, Biografie zu erz├Ąhlen.

Zur Filmemacherin: Freya Klier wurde 1950 in Dresden geboren, lernte nach dem Abitur Maschinenbauzeichnerin. Sp├Ąter studierte sie Theaterwissenschaften, Schauspiel und Regie. Bis 1985 Schauspielerin und Regisseurin an diversen Theatern der DDR, unter anderem am Staatstheater Dresden. Gr├╝ndungsmitglied der unabh├Ąngigen Friedensbewegung. Ende der Sechziger wurde sie wegen "Republikflucht" zu 16 Monaten Haft verurteilt und erhielt Berufsverbot. 1988 wurde sie mit ihrem damaligen Ehemann Stefan Krawczyk ausgeb├╝rgert, ihre Manuskripte wurden beschlagnahmt. Freya Klier lebt heute als freischaffende Autorin und Regisseurin in Berlin-Steglitz, schreibt B├╝cher, dreht Filme und engagiert sich in der Jugendarbeit.
Ver├Âffentlichungen (Auszug): "Gelobtes Neuseeland. Fluchten bis ans Ende der Welt" (Aufbau Verlag, Berlin 2006), "Abrei├čkalender - Ein deutsch-deutsches Tagebuch" (Aufbau Verlag, Berlin 2006), "Die Kaninchen von Ravensbr├╝ck" (Edition Nach-Lese, 2002), "Wir Br├╝der und Schwestern. Geschichten zur Einheit" (Ullstein Verlag, Berlin 2000), "Verschleppt bis ans Ende der Welt" - Schicksale deutscher Frauen in sowjetischen Arbeitslagern" (Ullstein Verlag, Berlin 1996).
Weitere Infos und Kontakt unter: http://freya.klier-art.de

AVIVA-Tipp: Sensibel und behutsam zeichnet die Filmemacherin Freya Klier ein authentisches Bild der mutigen Dresdner J├╝din Johanna Krause. Ganz dicht dran und doch niemals aufdringlich bewahrt sie deren W├╝rde, w├Ąhrend diese das unfassbar Schreckliche vor der Kamera erz├Ąhlt.

"Johanna - eine Dresdner Ballade" (1996)
MDR
Dauer: 30 Minuten
(Vorf├╝hrbar im Betacam SP- und VHS- Format)
Anfragen f├╝r Veranstaltungen und Kopien des Films f├╝r Vorf├╝hrungen richten Sie bitte direkt an Freya Klier unter: coromandel33@gmx.de

Lesen Sie auch unsere Rezension "Zweimal verfolgt - Eine Dresdner J├╝din erz├Ąhlt" von Carolyn Gammon und Christiane Hemker.

Interviews Beitrag vom 13.07.2008 Sharon Adler 





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