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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.10.2009

Interview mit Sun-Ju Choi
Iella Peter

Die Autorin, Drehbuchlektorin und Filmemacherin und Leiterin des "Asian Women`s Film Festival" lebt in Berlin. Sie studierte englische und romanische Philologie sowie Japanologie an der ...



... Universität zu Köln und an der Université de la Réunion in Frankreich.

Chois Filme besch√§ftigen sich vornehmlich mit Themen wie Rassismus, Illegalisierung und koreanischer Migrationsgeschichte in Deutschland, darunter "Wei√ües Ghetto" (2002), "Das Integrationsm√§rchen" (2003) und "Recolonize Cologne" (2005). 2006 war sie MitherausgeberIn des Erz√§hlbandes "Zuhause - Erz√§hlungen von deutschen Koreanerinnen" und √ľbernahm 2007 die k√ľnstlerische Leitung des "Asian Women`s Film-Festival". Seit 2008 ist Choi Vorstandsmitglied des "korientation e.V.".

AVIVA-Berlin: Inwieweit hat Ihre Kindheit Sie dazu inspiriert, den Beruf der Filmemacherin zu wählen?
Sun-Ju Choi: Filme und B√ľcher haben mich schon immer inspiriert. Ich habe Literatur studiert, besch√§ftige mich aber seit mehreren Jahren intensiv damit, wie sich Themen wie beispielsweise Migrationserfahrungen visualisieren lassen, sei es in Filmen oder auch bei Ausstellungen.

AVIVA-Berlin: Wie kam es dazu, dass Sie den Auftrag als Kuratorin des "Asian Women`s Film Festival" erhielten?
Sun-Ju Choi: Vor der Gr√ľndung des Festivals 2007 habe ich gemeinsam mit der Koreanischen Frauengruppe den Band "Zuhause: Erz√§hlungen von deutschen Koreanerinnen" heraus gegeben. Die Idee f√ľr ein Festival entstand im Anschluss aus der gleichen Gruppe von Frauen heraus. Wir wollten Filme zu den Themen Ethnizit√§t, Gender, Migration von asiatischen Filmemacherinnen in Berlin zeigen, da asiatische Frauen und ihre Perspektiven in der deutschen medialen √Ėffentlichkeit bisher nur unzureichend repr√§sentiert sind. Ich hatte vor dem AWFF schon als Lektorin beim WDR, als Drehbuchautorin und Filmemacherin gearbeitet, daher war es naheliegend, weitergehend mit dem Medium Film weiterzuarbeiten und ein eigenes Festival zu gr√ľnden.

AVIVA-Berlin: Unter welchen Gesichtspunkten haben Sie die Auswahl der Filme f√ľr das diesj√§hrige Festival getroffen?
Sun-Ju Choi: Wir haben dieses Jahr drei Schwerpunkte: Spielfilme aus Nordkorea, Asian Diaspora und Kurzfilme von den Philippinen. Nachdem wir letztes Jahr Klassiker aus S√ľdkorea gezeigt haben, erschien es mir spannend, dieses Jahr Spielfilme aus Nordkorea zu zeigen. Filme aus der Diaspora sind immer aufregend, weil sie wichtige Fragen wie Ethnizit√§t, Zugeh√∂rigkeit und kulturelle Identit√§t auf vielf√§ltige Art und Weise behandeln und Geschichten erz√§hlen, die sich aus den eigenen Erfahrungen speisen.

Wir werden des √Ėfteren gefragt, welche L√§nder und Leute wir in das "Asian" in unserem Filmfestival mit einbeziehen und es ist nicht einfach, gleichzeitig bewusst Identit√§tspolitik zu betreiben und Kategorien wie Nation und Ethnizit√§t in Frage zu stellen. Filmemacherinnen der Asian Diaspora zeigen sehr viele Facetten von Identit√§t auf bzw. stellen gleichzeitig jene Kategorien in Frage.

Bisher wurden in Deutschland kaum Filme von den Philippinen gezeigt, und als wir gleich mehrere Kurzfilme zum Thema Migration gefunden haben und die Filmemacherin Lizza May David zugesagt hat, bot es sich an, einen Schwerpunkt "Philippines" zu wählen.

AVIVA-Berlin: Was war die größte Herausforderung in der Umsetzung des Festivals?
Sun-Ju Choi: Unter anderem aufgrund der Finanzkrise war es dieses Jahr sehr schwer, das notwendige Funding zusammen zu bekommen. Aber wir haben dennoch viel Unterst√ľtzung von vielen Seiten erfahren, und wir sind stolz, dass wir es geschafft haben.

AVIVA-Berlin: Wie sind Ihre Erwartungen an das diesjährige "Asian Women`s Film Festival" 2009?
Sun-Ju Choi: Es haben sich bereits mehrere Leute bei uns gemeldet, um sich Karten f√ľr die nordkoreanischen Filme reservieren zu lassen, es scheint also ein gro√ües Interesse an diesem Schwerpunkt zu geben. Es wird im Oktober sehr viele Konkurrenzveranstaltungen wie zum Beispiel die Frankfurter Buchmesse geben, aber wir sind optimistisch, dass gen√ľgend G√§ste kommen werden. Wir freuen uns insbesondere auch auf die G√§ste aus den migrantischen Communities.

AVIVA-Berlin: Inwieweit hat der Tod der malaysischen Regisseurin Yasmin Ahmad eine Bedeutung f√ľr das diesj√§hrige Festival?
Sun-Ju Choi: Wir haben ihren letzten Film "Talentime‚ÄĚ als Er√∂ffnungsfilm gew√§hlt, um ihren Beitrag f√ľr das neue malaysische Kino zu w√ľrdigen. Ihr Einfluss auf die malaysische Film ‚Äď Szene ist deutlich zu sehen. Beim ersten Festival 2007 haben wir bereits den Spielfilm "Sepet" von ihr gezeigt. Wir waren begeistert, wie sie den multiethnischen Alltag Malaysias, die Diskussion von Ethnizit√§t und Gender, in ihren Arbeiten aufgreift. Auch war Ahmad als Person sehr beeindruckend. Kontinuierlich kritische Fragen √ľber Vorurteile, Rassismus und gesellschaftliche Ungerechtigkeit aufzuwerfen, verlangt Mut und Kraft zur Auseinandersetzung ‚Äď in diesem Sinne ist sie ein Vorbild f√ľr uns.

AVIVA-Berlin: Erhoffen Sie sich durch das Festival auch eine breitere √Ėffentlichkeit f√ľr das Thema der koreanischen Migrationsgeschichte in Deutschland?
Sun-Ju Choi: Korea wird sicherlich thematisch immer ein wichtiger Teil des Festivals sein, ich erhoffe mir jedoch eine breitere √Ėffentlichkeit ebenso f√ľr die vietnamesische, philippinische, chinesische etc. Migrationsgeschichte Deutschlands.

AVIVA-Berlin: Wie ist heutzutage die (Arbeits-) Situation f√ľr Filmemacherinnen ‚Äď Produzentinnen und Regisseurinnen - in S√ľdkorea? Gibt es Frauen, die Einfluss im Filmgesch√§ft habne?
Sun-Ju Choi: Das Filmgesch√§ft ist nach wie vor eine M√§nnerdom√§ne. Wichtig in S√ľdkorea ist das Seoul International Women¬īs Film Festival, das gr√∂√üte Frauenfilmfestival Asiens. Es existiert bereits seit einer Dekade und wird staatlich unterst√ľtzt. Dort haben junge Filmemacherinnen die Chance, ihre Arbeiten einem internationalen Publikum vorzustellen.
Auff√§llig positive Entwicklungen sind in Singapur und Malaysia zu beobachten. Dort arbeiten zunehmend Frauen in der Werbebranche und beim Fernsehen. Sie sammeln zuerst Arbeitserfahrungen und Kapital und produzieren dann Filme bzw. f√ľhren selber Regie.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank f√ľr das Interview und viel Erfolg f√ľr das "Asian Women`s Film Festival" und Ihre zuk√ľnftigen Projekte!

Weitere Infos zum Asian Women¬īs Film Festival 2009 und das ausf√ľhrliche Programm finden Sie unter: www.asianwomensfilm.de

Veranstaltungsort: Kino Arsenal
Potsdamer Straße 2
10785 Berlin
www.arsenal-berlin.de

Interviews Beitrag vom 08.10.2009 AVIVA-Redaktion 





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