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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2018 - Beitrag vom 15.03.2011

Interview mit Marianne Rosenberg - Regenrhythmus
Lisa Erdmann

AVIVA-Berlin traf die Kult-Diva und Pop-Ikone, die sich seit mehr als 40 Jahren immer wieder neu erfindet, in der Hauptstadt. Und obwohl Frau Rosenberg mit ihrem neuesten Album eigentlich...



... alle Hände voll zu tun hat, nahm sie sich dennoch Zeit für ein ausführliches Interview. Entstanden ist ein Gespräch über Vergangenes, Neues und den manchmal harten Weg zu sich selbst.

AVIVA-Berlin: Dein letztes Album "I´m A Woman" widmete sich dem Jazz und Chanson. Deine aktuelle Single "Rette mich durch die Nacht", ist hingegen absolut clubhittauglich und tanzbar. Was würdest du sagen, erwartet die Hörerin bei deinem neuen Album "Regenrhythmus" insgesamt?
Marianne Rosenberg: Also in jedem Falle eine zeitaktuelle Produktion. Das heißt, Dirk Riegner und ich haben uns in der Produktion vor allem daran orientiert, was man heute so mit Sounds macht - natürlich nicht nur in Deutschland, sondern international. Ich nenne das gerne Trip-Pop, denn manche Songs sind wie kleine Filme gemacht. Es ist glaub ich auch ein Album, welches zum ersten mal nur drei Lieder enthält, die von Liebe handeln. Der Rest erzählt vom Leben, wie wir mit unserer westlichen, dekadenten Welt umgehen - wo wir den Wasserhahn aufdrehen und da kommt immer heißes Wasser raus. Wir finden das alles so selbstverständlich. Das sind dann auch Inhalte, die ich zu mir selber singe. Also nicht nur für die Hörerin, sondern auch ein bisschen nach dem Motto "schau mal, wie das eigentlich ist". Innerlich weißt du, du müsstest dich langsam mal um 180 Grad drehen, wenn du willst, dass die, die nach dir kommen, noch ohne Atemschutzmaske auf die Straße gehen können. Man weißt das alles und lebt doch anders.
Der Schlüsselsong dieses Albums, das Herzstück ist daher der Song "genau entgegengesetzt", denn das ist inhaltlich auch der Punkt, an dem ich mich momentan befinde.
Für "Regenrhythmus" habe ich viele Songs geschrieben und gesammelt. Auf dem Album sind jetzt 13 Songs aus einem Pool von vielleicht 30. Es hat ganz viel Spaß gemacht und der größte Spaß daran ist, dass man sich etwas ausdenkt, und das nimmt dann Gestalt an und dann hörst du das zum ersten Mal, bist begeistert und willst es immer wieder hören. Das ist für mich das beste Zeichen und dieses Gefühl hatte ich sehr lange nicht mehr. Das ist auch meine Hauptmotivation, warum ich seit so vielen Jahren Musik mache. Erst die oder der, welche/r den Song hört, kann ihn zum Leben erwecken, oder sterben lassen. Das hat eine sehr große Spannung auf mich.

AVIVA-Berlin: Die Texte der 13 Songs stammen alle aus deiner eigenen Feder. Wie kann Frau sich diesen Prozess des Songfindens vorstellen? Wie kommen die Texte zu dir, woher fließt die Inspiration?
Marianne Rosenberg: Also viele Ideen habe ich vor allem beim Reisen. Die Ausarbeitung mache ich dann oft nachts, auch wenn ich so tagsüber umherfahre, arbeite ich sie doch meist nachts aus, im Bett noch. Irgendwann habe ich dann lauter gesammelte Kladden und packe alles in den Computer, wo man sie schieben kann und sieht, wie was vielleicht geht. Manchmal lasse ich diese Kladden aber auch einfach so und singe sie dann und es entsteht etwas Intuitives, was man vom Kopf her vielleicht gar nicht so gesetzt hätte. Das ist auch manchmal sehr spannend.

AVIVA-Berlin: Der Titel "Lauf Kleine" erzählt von der Casting-Gesellschaft und ihren Opfern. Du selbst bist auch einst bei einem Talentwettbewerb entdeckt worden. Wenn du dir heute diese Castingshows anschaust, gibt es da noch eine Verbindung zu damals, oder ist das auch für dich heute etwas völlig anderes?
Marianne Rosenberg: Jaja, ich weiß sehr wohl, wovon ich da singe. Aber das ist schon sehr anders heute, denn ich habe damals vielleicht vor 500 Leuten gesungen, wenn es viele waren. Heute stehst du da vor einem Millionenpublikum, egal ob du Model werden willst, oder Sängerin. Du hast alle deine Rechte an der Haustür abgegeben und unterschrieben - und vielleicht ein paar Pferdefüße übersehen. Wenn du dann Glück hast, kommst du irgendwie durch und bist vielleicht ein Jahr lang mehr oder weniger im Gespräch. Du denkst, du hast es geschafft und dann rollt dein Kopf und dann kommt ein neues Gesicht und du musst dann wieder in deine alte Lebenssituation zurück. Dahin, wo jeder dein Gesicht kennt, das man vermarktet hat. Ich glaube, das hat heute ganz andere persönliche Konsequenzen als früher, als ich an diesem Nachwuchswettbewerb teilgenommen habe. Also ich glaube nicht, dass man das mit einander vergleichen kann und ich glaube auch nicht, dass jemand, der ins Licht möchte, der gesehen werden will und so jung ist, damit rechnen kann, was da eigentlich passiert - dass es dabei nur um Wirtschaft geht und darum, wer welchen Teil des Bratens am Ende abbekommt. Das machen sich viele nicht klar und können es auch nicht, weil sie es nicht wissen können. Daher dieser Song und diese Art der Musik, die genau für diejenigen gemacht ist, die es auch hören sollen. Ich will, dass die 16-Jährige hört: "Hey ich kenne es, wie es ist, pass ein bisschen auf dich auf."

AVIVA-Berlin: Du selbst bezeichnest dich als deutsche Sintezza. Hat diese ethnische Identität jemals auch Einfluss auf deine Musik gehabt?
Marianne Rosenberg: Also es gibt Songs, die ich in dieser Sprache gemacht habe, aber die sind dann natürlich auch auf anderen Bühnen zuhause. Die gehören nicht auf die Pop-Bühne, sondern haben eine eher politische Absicht. Ich denke schon, dass die Musikalität meiner Familie ihren Einfluss gehabt hat, auf die Art und Weise, wie ich Musik angehe und mache.

AVIVA-Berlin: Wenn du Konzerte gibst, werden immer wieder, auch heute noch, deine alten Songs von den Fans gewünscht. Wie geht es dir damit, wenn du diese Songs heute singst oder hörst?
Marianne Rosenberg: Also wenn ich alte Auftritte von mir sehe, dann muss ich sagen, ich habe nach so vielen Jahren gar nicht mehr das Gefühl, dass ich das selbst bin. Man hat da eine ziemliche Distanz entwickelt, denn man ist ja auch eine andere geworden. Wenn ich das dann so sehe, dann bin ich eigentlich ganz gerührt, so als wenn ich da ein fremdes Mädchen sehe. Das beeindruckt mich dann schon, denn das sind alles Live-Gesänge – wie ich mich da hingestellt habe und das eben einfach so gestochen gesungen habe... Ich bin auch gerührt von dieser Naivität, dieser Wahnsinnsnaivität und glaube, dass es nur so möglich war, diese Botschaften, die für mich damals ja Wahrheiten waren, so inbrünstig zu singen. Ich habe das halt alles so geglaubt und das hat was Anrührendes. Im Nachhinein kann ich die Leute verstehen, die dieses Bild festhalten wollen, aber das Leben ist anders, es verändert sich nun mal.

AVIVA-Berlin: Du hast mal gesagt, du warst und fühltest dich früher sehr fremdbestimmt und das Marianne Rosenberg eigentlich von Kopf bis Fuß ein Unternehmen war und eigentlich gar keine Person mehr. Was ist Marianne Rosenberg heute?
Marianne Rosenberg: Was soll ich sagen... Also ich hatte natürlich Zeiten der Kämpfe gehabt. Ganz klar, Emanzipationskämpfe, nicht nur als Frau, sondern auch als Musikerin, denn in diesem Business waren Frauen ja auch nicht immer gerade diejenigen, welche die Dinge gelenkt haben, sondern eher degradiert als - ich hab immer gesagt als Kehlkopfknechte, die hinter der Glasscheibe stehen und singen – das hat sich gottseidank geändert. Ich hab hart dafür gekämpft, dass ich meine Arbeitsbedingungen selbst bestimmen kann und das nicht immer von Außen bestimmt ist – und das hab ich jetzt aber schon sehr lange erreicht, das muss ich auch mal sagen, also das ist kein neues Phänomen mehr.
Heute sehe ich mich als Regisseurin meiner Musik und der gesamten Herstellung. Das geht vom Aussuchen der Songs über Texte schreiben und Produzieren, da habe ich ja diesmal mit Dirk Riegner zusammen gearbeitet, den finde ich ziemlich klasse. Wir haben da ein gutes Team zusammen gebildet, der hat mich sehr gut verstanden. Ich habe ihm viele Sachen vorgespielt, wie ich mir was denke und dann fing er an die ersten Grooves zu bauen und das fand ich ganz toll, das war wirklich symbiotisch. Und wenn ich das so mache, dann sehe ich mich als Regisseurin der gesamten Inszenierung. Also über die Musik aber auch über die visuelle Umsetzung, das hat sich im Gegensatz zu jungen Jahren radikal gewandelt, es war aber auch ein sehr harter, kämpferischer Weg.

AVIVA-Berlin: Bei der Tour, die auf das neue Album folgt, hast du dich explizit für eine Clubtour entschieden. Wie kamst du zu dieser Entscheidung?
Marianne Rosenberg: Ich finde einfach, dass die Musik da gut reinpasst. Sicherlich wird es auch noch eine Hallentour geben, aber ich bin da eigentlich nicht so richtig dafür, denn die Songs passen eigentlich nicht in so eine Stadthalle. Das ist keine Musik dafür, es ist Musik, die sehr gute Grooves hat und in eine Atmosphäre gehört, wo die Menschen sich näher sind, auch den Leuten auf der Bühne näher sind und umgekehrt. Wo man sich nicht hinter irgendwelchen Rollen oder Ikonen versteckt, sondern einfach da ist und Musik macht, mit den Leuten für die Leute.
Die Leute spüren mich intensiver – du musst dann dein Baby einfach dadurch bringen.
Früher, so als ich 14 war, hat man mir erzählt "stell dir vor, das sind alles Kohlköpfe" – wie wenig die Leute mit Kohlköpfen zu tun haben, merkst du, wenn du in solchen Atmosphären arbeitest. Da spüren die Leute ganz genau, ob das was mit dir zu tun hat, oder ob das nur aufgesetzt ist. Leute, die sich das nicht vorstellen können, werden in dieser unmittelbaren Performance erfahren, dass die Musik einfach nochmal näher zu der Frau, die ich heute bin, gerückt ist. Sie werden merken, dass da nichts klafft, dass ich niemanden verschaukeln muss und keine Schubladen brauche.

AVIVA-Berlin: Vom Genre des Jazz und Chanson bist du jetzt wieder zurück zum Deutsch-Pop gegangen. Auf welches Genre hättest du denn nochmal Lust, was würdest du gerne nochmal ausprobieren, so als Zukunftsplan für Irgendwann?
Marianne Rosenberg: Naja also ich denke schon, dass ich auf jeden Fall nochmal meine Chansons aufnehmen werden, also diese Berlinerischen, die ich begonnen habe mit dem Jazz zusammen und ja vielleicht auch nochmal was ganz Spartanisches mache, vielleicht mit nur einem Musiker.

AVIVA-Berlin: Vielen Dank für das Interview und viel Spaß bei deiner Tour!

Weitere Infos zu Marianne Rosenberg finden Sie unter: www.rosenberg.de

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Interviews Beitrag vom 15.03.2011 Lisa Erdmann 





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