Dr. Alice Brauner, 2. Teil - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Interviews
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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 01.10.2002

Dr. Alice Brauner, 2. Teil
Sharon Adler

Die Journalistin interviewte Holocaust-├╝berlebende f├╝r die Spielberg-Stiftung "Survivors of the Shoah Visual History Foundation"



AVIVA-BERLIN: Israel, die Araber und Afghanistan. Wie sieht Ihre Meinung dazu aus?
Dr. Alice Brauner: Vor kurzem habe ich J├╝rgen M├Âllemann (FDP), der auch Vorsitzender irgendeiner deutsch-arabischen Wirtschaftsvereinigung ist, bei Sabine "Christiansen" gesehen und habe mich sehr ├╝ber seine ├äu├čerungen aufgeregt. Er hat sinngem├Ą├č folgenden Satz gesagt: "Solange Israel nicht mit der Besetzungspolitik aufh├Ârt, werden wir hierzulande nicht sicher vor Terrorismus sein." Das ist ein Skandal!
Er ist nicht dort, er lebt nicht die Angst, mit der dort t├Ąglich Freunde und Verwandte leben. Er hat keine Ahnung, wie es ist, ein Kind morgens zur Schule oder zum Kindergarten zu bringen mit der Angst, Opfer eines Anschlages zu werden. Israel ist nicht willk├╝rlich entstanden, sondern weil es Hitler gab.
Die Existenzberechtigung Israels wurde in einer Abstimmung der Vereinten Nationen beschlossen. Es ist skandal├Âs, die terroristischen Anschl├Ąge unmittelbar mit Israel zu verkn├╝pfen, das nat├╝rlich auch ein Teil einer Ursache ist, aber es gibt so viele andere Ursachen, zum Beispiel:
Dass der Islam bis zum Mittelalter an der Weltspitze war, in der Kultur, in der Wissenschaft, in der Wirtschaft. Heute spielt er in der modernen Welt ├╝berhaupt keine Rolle mehr.
Dass Amerika Saudi-Arabien w├Ąhrend des Golfkrieges hilft, einmarschiert, aber nicht wieder herausgeht, nachdem der Krieg beendet ist.
Dass es schon etwas mit amerikanischer Politik zu tun hat, die ich ├╝brigens sehr positiv bewerte, obwohl ich nat├╝rlich auch komplett gegen zivile Opfer im Afghanistan-Krieg bin wie jeder andere Mensch auch.

Glauben Sie, einer von uns j├╝dischen Menschen hier freut sich ├╝ber die Politik, die Israel fahren muss? Bin ich gl├╝cklich, wenn pal├Ąstinensische Kinder auf der Stra├če umgebracht werden? Die tun so, als w├╝rden wir das toll und riesig finden. Die tun so, als w├╝rden wir uns freuen, wenn die USA in Afghanistan einmarschiert und Bomben wirft und die Zivilbev├Âlkerung getroffen wird.
Das ersch├╝ttert alle. Man versucht zwar, nur milit├Ąrische Ziele zu treffen, aber das geht scheinbar nicht. Man muss auch leider Gottes diese Opfer mit einkalkulieren. Das ist schrecklich - auch in Israel.
Aber Israel hat ein anderes Problem: Die ganze Welt, auch die arabischen Staaten, muss endlich die Existenzberechtigung Israels anerkennen, und dann wird auch Israel bereit sein, Zugest├Ąndnisse zu machen, die ├╝brigens Barak sehr weitgehend gemacht hat. Weiter als Barak konnte man ja gar nicht mehr gehen.
Israel war schon wirklich dabei, alles zu geben, und dann hat sich Arafat wieder irgendeiner Wortklauberei bedient, und so den Friedensproze├č zunichte gemacht. Die Konsequenz war: Die Israelis hatten die Nase voll und w├Ąhlten den rechtsgerichteten Sharon.

AVIVA-BERLIN: Was halten Sie von der Berichterstattung zu dieser Thematik?
Ich pers├Ânlich halte die Berichterstattung in den meisten Medien f├╝r einseitig anti-israelisch.

Dr. Alice Brauner: Das ist nicht immer so. Es gibt Medien, die objektiv berichten. Es gibt Korrespondenten, die sind hervorragend und auch wirklich neutral. Sie schildern das, was passiert. Aber ansonsten berichtet der gr├Â├čte Teil, da stimme ich zu, anti-israelisch.
Ich erkl├Ąre mir das einfach so: Sie sehen nur das, was passiert, nur die Tat in einer Momentaufnahme. Aber sie k├Ânnen sich ├╝berhaupt nicht in das Land hinein versetzen und die Zust├Ąnde dort verstehen, sie waren nie, oder nie f├╝r l├Ąngere Zeit, da. Sie haben keine Ahnung, was es bedeutet, Angst vor Bombenattentaten, vor Krieg und vor Kanonendr├Âhnen zu haben. Sie sitzen hier, das sage ich noch einmal, saturiert, haben alles, was sie brauchen, und haben keine Ahnung, was die Leute dort empfinden. Und so kann man keine Berichterstattung machen.
Deshalb sehen die Korrespondentenberichte anders aus als die Kommentare von Journalisten, Moderatoren und Nachrichtensprechern, die nicht vor Ort sind. Sie sehen immer nur die Vorst├Â├če Israels, aber nicht, was alles dahinter steckt. Sie verstehen nicht die pal├Ąstinensische Mentalit├Ąt, die Kinder, die, daf├╝r k├Ânnen sie nichts, mit einem Riesenhass aufwachsen. Das k├Ânnen viele nicht wissen, aber sie sollten es auf jeden Fall einmal lernen, bevor sie ├╝ber den Nahostkonflikt berichten.
Alle sehen immer nur den Aggressor Israel. Das ist eine einseitige, f├╝r mich unangemessene Berichterstattung, denn sie entspricht nicht der journalistischen Sorgfaltspflicht, die man haben m├╝sste, um dem Problem auch nur halbwegs gerecht zu werden.

AVIVA-BERLIN: Zu den Anschl├Ągen vom 11. September . Die Gr├╝nde daf├╝r wurden auch in der amerikanischen Politik mit Israel genannt.
Dr. Alice Brauner: Bin Laden hat doch nicht nur etwas gegen Israel. Er m├Âchte die ganze Welt beherrschen, und zwar nach seinem islamistischen Prinzip, nicht nach den Grundwerten des Islam. Das ist das Problem. Er ist nicht nur eine Bedrohung f├╝r die westliche Welt, sondern f├╝r die ganze Welt.

AVIVA-BERLIN: Sie sind J├╝din. Die Feiertage stehen vor der T├╝r. Wird es einen Weihnachtsbaum bei Ihnen geben? Feiern Sie Weihnachten und/oder Channukah mit Ihren Kindern?
Dr. Alice Brauner: Mit meinen Kindern feiere ich ganz traditionell Channukah, mit kleinen Geschenken und mit dem Geb├Ąck, das man zu Channukah traditionell isst. Ich erz├Ąhle ihnen die Channukah-Geschichte und versuche, ihnen zu erkl├Ąren, warum wir kein Weihnachten feiern. Ich habe dazu eine Geschichte geschrieben "Mama, warum feiern wir kein Weihnachten?", die in einem Gespr├Ąch mit meinen Kindern entstanden ist. Sie ist zu lesen in einem Kinderbuch mit dem Titel: "Pfeif der Angst ein Liedchen", erschienen bei Edition Riesenrad.

AVIVA-BERLIN: Was lesen Sie gerade?
Dr. Alice Brauner: Ich muss nat├╝rlich B├╝cher zur Sendung lesen, und ich lese im Moment etwas, was mich ├╝ber alle Ma├čen ersch├╝ttert hat. "Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen" von Siba Shakib, die zu mir in die Sendung kommen wird.
Das Schicksal, das die Menschen dort erleiden, ist unvorstellbar. Selbst auf der Flucht werden Frauen vergewaltigt, Schwangeren wird der Bauch aufgeschlitzt, die F├Âten werden herausgenommen und auf die Stra├če geschmissen. Das ist doch totaler Wahnsinn.
Gleichzeitig lese ich f├╝r die Sendung ein Buch ├╝ber den Maler Horst Janssen von Joachim Fest, "Horst Janssen. Selbstbildnis von fremder Hand".

AVIVA-BERLIN: Ihr Vater ist der Filmproduzent Artur Brauner. Nervt es Sie, wenn Sie immer wieder darauf angesprochen werden? Hatten Sie jemals Probleme, weil Ihr Vater so bekannt ist?
Dr. Alice Brauner: Die klassische Frage. Nein, ich bin stolz auf meine Eltern. Das, was sie mir mitgegeben haben, ist das beste, was sie mir h├Ątten mitgegeben k├Ânnen.
Vielleicht h├Ątte ich auch ganz gerne Film gemacht, weil es eben total spannend ist, aber dann h├Ątte man mich immer mit meinem Vater verglichen. Und sein Talent ist au├čerdem in dieser Hinsicht um L├Ąngen gr├Â├čer.

AVIVA-BERLIN: Was bedeutet Familie f├╝r Sie?
Dr. Alice Brauner: Meine Familie ist alles f├╝r mich. F├╝r meinen Mann, meine Kinder, meine Geschwister, meine Eltern gebe ich alles und aus Ihnen sch├Âpfe ich all meine Kraft.

Neue InfoSeit knapp zwei Jahren stellt Dr. Alice Brauner in ihrer Sendung "Seite 17" wichtige B├╝cher und deren AutorInnen vor. F├╝r XXP haben Alice Brauner und die "Seite 17"-Redaktion die besten Interviews und B├╝cher nach Schwerpunkten neu zusammengestellt und moderiert. XXP - das Informationsprogramm strahlt "Seite 17" jeden zweiten Samstag gegen 22 Uhr aus.

Interviews Beitrag vom 01.10.2002 Sharon Adler 





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