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AVIVA-BERLIN.de 11/19/5778 - Beitrag vom 03.09.2007

Wiedereinweihung Synagoge Rykestra├če und Er├Âffnung 21. J├╝dische Kulturtage 2007
Sharon Adler

Die gr├Â├čte Synagoge Deutschlands wurde nach dreij├Ąhriger Bauzeit am 31. August 2007 feierlich wieder er├Âffnet. Ein Ort der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft f├╝r 1.200 Menschen



Der Innenraum der 1904 gebauten Synagoge Rykestra├če wurde f├╝r f├╝nf Millionen Euro weitgehend originalgetreu wieder hergestellt. Gro├če farbige Glasfenster und prachtvolle Verzierungen pr├Ągen den im neoromanischen Stil entworfenen Raum, in dem bei Gebeten und Konzerten j├╝discher K├╝nstlerInnen 1.200 Menschen Platz finden.

Im Baualbum der 1904 gebauten Synagoge Rykestra├če hei├čt es: "Der Chorbau ist so gro├č angelegt, da├č neben dem Platz f├╝r die Chors├Ąnger auch noch Raum f├╝r eine eventuell aufzustellende Orgel bleibt". Vorerst wurde jedoch keine Orgel eingebaut. Die Synagoge Rykestra├če stellte eine Besonderheit in der Berliner Synagogenlandschaft dar: Der Gottesdienst fand nach altem Ritus statt. Neben orthodoxen amtierten auch liberale Rabbiner. Neben Jugendgottesdiensten gab es auch Bat Mizwa Feiern. Im Jahr 1925 wurden 22 M├Ądchen durch Rabbiner Dr. Weyl, der auch ein Mentor der weltweit ersten Rabbinerin Regina Jonas war, Bat Mizwa.

1934 wurde eine neue Liturgie am Freitagabend eingef├╝hrt und zwei Jahre sp├Ąter auch f├╝r Samstagvormittag. Diese trug den ver├Ąnderten Bed├╝rfnissen nach traditionelleren Formen Rechnung. In dieser Zeit gewannen Vortr├Ąge, Sprachkurse und Konzerte an Bedeutung, da die j├╝dische Bev├Âlkerung aus dem ├Âffentlichen Leben ausgegrenzt wurde. Die im Vorderhaus befindliche j├╝dische Grundschule mu├čte deshalb erweitert werden. Sie war im Vorderhaus des Geb├Ąudes 1904 f├╝r 500 Kinder er├Âffnet worden und wurde nun von 700 Kindern besucht. Baracken wurden im Hof aufgestellt und ein zus├Ątzlicher Standort in der Choriner Stra├če er├Âffnet.

W├Ąhrend der Reichspogromnacht wurde das Geb├Ąude nur deshalb nicht niedergebrannt, da die umliegenden "arischen" H├Ąuser nicht gef├Ąhrdet werden sollten. Der Synagogenraum wurde demoliert; Torahrollen wurden gesch├Ąndet, Rabbiner und Gemeindemitglieder verhaftet und in das nahegelegene KZ Sachsenhausen deportiert. Nach Reparaturarbeiten konnte die Synagoge an Pessach wieder ge├Âffnet werden.
Der letzte Gottesdienst fand im April 1940 statt.

1944 wurde die Gemeinde gezwungen, dem Bezirk Prenzlauer Berg f├╝r eine l├Ąppische "Kaufsumme" das Grundst├╝ck samt Synagoge und Vorderhaus zu ├╝berlassen. Das Geb├Ąude wurde f├╝r die Heeresstandortverwaltung beschlagnahmt und enteignet und die Heeresverwaltung stellte hier Pferde unter, zweckentfremdete das Geb├Ąude als M├Âbel- und Textillager.

Nach der Befreiung im Mai 1945 durch die Rote Armee waren im Vorderhaus zeitweise ├╝berlebende DPs (displaced persons, d.h. ├╝berlebende Juden aus Osteuropa) untergebracht. Von den 173.000 Juden, die 1925 noch in Berlin gelebt hatten, waren nach dem Krieg noch 6.500 ├╝brig. 55.000 lebten nicht mehr, ihre Namen fanden sich unter dem Datum ihrer Deportation oder dem Todestag mit der Ortsangabe eines Ghettos oder Auschwitz, die anderen waren geflohen oder vertrieben worden.
Am 29. Juli 1945 traute Rabbiner Martin Riesenburger das erste Paar in einem Nebenraum. Er weihte auch die Synagoge am 30. August 1953 nach einer gr├Â├čeren Renovierung, die vom Magistrat der Stadt Berlin unterst├╝tzt worden war, wieder ein. Im selben Jahr wurde die j├╝dische Gemeinde geteilt. Die Synagoge Rykestra├če wurde zum Zentrum der Ostberliner Gemeinde.

Nach gro├čen Sturmsch├Ąden musste das Geb├Ąude zwischen 1967 und 1978 in mehreren Etappen renoviert werden. Erst 1988 wurde die Grundbucheintragung von 1944 wieder r├╝ckg├Ąngig gemacht.
Die Wiedereinweihung des gro├čen und kleinen Betraumes stie├čen auf gro├čes ├Âffentliches Interesse. Da die kleine Gemeinde - sie z├Ąhlte 1990 etwas ├╝ber zweihundert Mitglieder - sich keinen Rabbiner leisten konnte, amtierten zu den hohen Feiertagen Rabbiner und Kantoren aus dem Ausland. Das j├Ąhrliche Synagogenkonzert mit dem Westberliner Kantor Estrongo Nachama und dem Leipziger Synagogenchor stie├č regelm├Ą├čig auf gro├če Resonanz.
Im Jahre 2004 musste die Synagoge aus bautechnischen Gr├╝nden komplett geschlossen werden.

Nach dreij├Ąhriger Bauzeit konnte diese einzigartige Synagoge zur Er├Âffnung der 21. J├╝dischen Kulturtage am 31. August 2007 feierlich wieder er├Âffnet werden. Zur Er├Âffnungszeremonie geh├Ârte das Anbringen der Mesusot, das Einheben der Thorarollen in den Thoraschrein und Ansprachen und Gru├čworte durch Dr. Gideon Joffe, Dr. Ehrhart K├Ârting, Dr. Hermann Simon, Rabbiner Prof. Dr. Leo Trepp, Peter Sauerbaum, Rabbiner Ernst M. Stein und Charlotte Knobloch.
Einige der j├╝dischen Ehreng├Ąste, ├ťberlebende des Holocaust, waren seit siebzig Jahren nicht mehr hier und wollten Deutschland niemals mehr betreten. Chaim Rozwaski, der liberale Rabbiner der Berliner J├╝dischen Gemeinde, hat als Kind die Shoah ├╝berlebt und dabei seine ganze Familie verloren. "Die Ermordeten sind hier mit uns", sagte er in seiner Predigt, "sie nehmen teil an dieser Feier, genau wie j├╝dische Menschen aus allen vier Ecken der Welt. Dass wir heute in Berlin sind, ist ein Wunder, ein Wunder von historischer Dimension."

Inzwischen gibt es in der Hauptstadt mit mehr als 12.000 Mitgliedern wieder die gr├Â├čte J├╝dische Gemeinde Deutschlands.

Die Wiederer├Âffnung der Synagoge war zugleich der Auftakt der J├╝dischen Kulturtage, bei denen bis zum 9. September 2007 unter anderem der israelische Popstar David Broza, der Violinist Daniel Hope sowie Hannelore Elsner, Joy Denalane und Stefanie Klo├č (Silbermond) auftreten. An vergangenen Samstag lud die J├╝dische Gemeinde zur Langen Nacht der Synagoge ein.
Weitere Infos unter:
www.juedische-kulturtage.org
www.synagoge-rykestrasse.de

Jüdisches Leben Beitrag vom 03.09.2007 Sharon Adler 





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