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AVIVA-BERLIN.de 11/18/5778 - Beitrag vom 28.10.2011

Zerstreut in alle Welt - J├╝dische K├╝nstlerinnen zu Gast in der Inselgalerie Berlin vom 28. Oktober bis zum 19. November 2011
AVIVA-Redaktion

25 j├╝dische K├╝nstlerinnen aus Israel, den USA, Frankreich, Uruguay, ├ľsterreich und anderen L├Ąndern stellen ihre Kunst vor. Durch Initiative von Hedwig Brenner zeigen Malerinnen, Grafikerinnen ...



... und Fotografinnen ihre Werke.

Die Kuratorin Hedwig Brenner bringt zusammen, was heute in alle Welt zerstreut ist. Ebenso vielf├Ąltig wie die biographischen Hintergr├╝nde der j├╝dischen K├╝nstlerinnen sind auch die Werke der geladenen Pers├Ânlichkeiten: Von Portraitmalerei bis hin zur abstrakten Kunst, von Skulpturen ├╝ber Comics und Fotografie bis hin zu selbst entwickelten Collagetechniken sind alle nur denkbaren Kunststr├Âmungen vertreten.

Der gemeinsame Fluchtpunkt aller K├╝nstlerinnen ist ein j├╝discher Hintergrund sowie die weibliche Identit├Ąt. Doch auch diese ├ťbereinstimmung erweist sich beim Betrachten der Werke als divergent: W├Ąhrend f├╝r manche Weiblichkeit eine zentrale Rolle spielt, ist sie f├╝r andere kaum ein Thema. Auch von Rabbinert├Âchtern bis hin zu Frauen, die feststellen, der j├╝dische Hintergrund wirke auf sie keinen bedeutenden Einfluss aus, sind alle Standpunkte und Lebensentw├╝rfe vertreten. Diese sind immer gepr├Ągt von der eigenen Geschichte - all das spiegelt sich in den Bildern eindr├╝cklich wider.

Die Ausstellung entstand durch das unerm├╝dliche Engagement der in Haifa lebenden Hedwig Brenner. Durch ihre Energie entstanden bereits Lexika ├╝ber J├╝dische Frauen in der bildenden Kunst. F├╝r diese recherchierte sie in der ganzen Welt, ├╝ber mehrere Jahre hinweg. L├Ąngst gestorbene, in Konzentrationslagern umgekommene sowie noch lebende junge j├╝dische K├╝nstlerinnen unterschiedlicher Generationen aus aller Welt vereinte sie in diesen Werken. Nach dem Tod des Ehemanns begann Hedwig Brenner als damals Achtzigj├Ąhrige mit dem Computer zu arbeiten, die alte Schreibmaschine hatte ausgedient. In f├╝nf Sprachen korrespondiert sie seitdem bei Tag und bei Nacht per E-Mail mit der gesamten Welt und nat├╝rlich auch mit "ihren" K├╝nstlerinnen. Die Dreiundneunzigj├Ąhrige Hedwig Brenner schafft eine gro├čartige Arbeit, die der Zukunft dient: "Ich hoffe, dass diese Ausstellung der Anfang einer weiteren Zusammenarbeit der K├╝nstlerinnen von verschiedenen L├Ąndern und Erdteilen sein wird", so Brenner zur aktuellen Ausstellung.

Ein ├ťberblick ├╝ber die vertretenen K├╝nstlerinnen:

Ruth Adler (Bildhauerin), geboren in Deutschland, aufgewachsen in Israel, lebt und arbeitet heute in Paris. Ihre in der Ausstellung gezeigten Werke stellen Tiere dar, sie suchen k├╝nstlerisch nach dem ganz speziellen Ausdruck des jeweiligen Wesens.
Sharon Adler (Fotografin und Verlegerin) lebt und arbeitet in Berlin. Neben der Leitung von AVIVA-Berlin ist sie als Fotografin t├Ątig. "Frauen bilde ich als stolze Wesen ab und lasse ihnen dabei Raum f├╝r eigene Interpretationen", so Adler.
Elizabeth (Lizzy) Bloom stammt aus den USA und ist Malerin, Grafikerin und Kuratorin. Ihre akribischen Zeichnungen m├Âchten die "Empfindungen" darstellen, mit denen die K├╝nstlerin "auf unser Menschsein" reagiert, so Bloom zu den in der Inselgalerie ausgestellten Werken.
Silvia Dzubas (Malerin), absolvierte vor ihrer Flucht aus der DDR eine Ausbildung zur Bibliothekarin. Im Westteil der Stadt studierte sie Theaterwissenschaften und Slawistik an der Freien Universit├Ąt und ist seit 1978 als Malerin t├Ątig. Die Ausstellung zeigt abstrakte Bilder mit poetischen Titeln, hinter denen das Eindeutige bei genauem Betrachten aber immer durchschimmert.
Sonja Eisenberg (Malerin und Musikerin) gelingt es, durch ihre abstrakte Malerei "Qualen als Chancen" zu betrachten. Seit sie mit ihrer Mutter 1938 in die USA fliehen musste, lebt und arbeitet die in Berlin Geborene dort.
Karen Frostig ist interdisziplin├Ąre K├╝nstlerin aus Boston mit ├Âsterreichischem Hintergrund. Ihre Carnage Series ("Gemetzel-Serie") ist inspiriert von der menschlichen Verletzbarkeit in ihrer sichtbarsten Form: Frostig lie├č sich von Bildern echter Fleischwunden inspirieren. "Jeder Druck ist in die Erinnerungstafeln integriert, was auf den Unterton der Gewalt weist, der alles durchdringt."
Mina Gampel (Malerin, Dozentin) verbrachte ihr Leben in Wei├črussland, Polen, Israel und in Deutschland. Seit 1993 ist sie Dozentin an der Kunstakademie Esslingen. Ihre eigenen Werke besch├Ąftigen sich mit impressionistischen Stil zentral mit der untergegangenen j├╝dischen Welt Osteuropas.
Nancy Goldring (Malerin, Grafikerin) repr├Ąsentiert die New Yorker Seite der weiblich-j├╝dischen Kunst. Ihre modifizierten Fotos schaffen Welten, die derart real wirken, dass sich letztlich ihre Entfernung zur Wirklichkeit vor allem durch die k├╝nstlich geschaffene N├Ąhe zu ihr offenbart.
Ileana Haber (bildende K├╝nstlerin): "Meine Kunst zeigt eine Welt zwischen Realit├Ąt und Tr├Ąumerei, zwischen Gleichgewicht und Schwindel. Ich versuche, Augenblicke von Personen wiederzugeben, die ein wenig seltsam aussehen.", so die in Paris lebende K├╝nstlerin ├╝ber ihre bunten und doch d├╝steren Zeichnungen, die "selbstverst├Ąndlich auch j├╝dische Kunst" sind.
Gilah Yelin Hirsch (Malerin, Fotografin, Videografin, Autorin) wurde 1944 als Tochter j├╝discher Vorfahren in Montreal geboren. Ihre Kunst vermittelt zwischen inneren und ├Ąu├čeren Welten. So sp├╝rt sie Metaphysisches im Tats├Ąchlichen auf - beispielsweise in Abbildern von Pflanzen.
Ellen Holtzblatt (Grafikerin) pr├Ąsentiert in der Ausstellung ihre Serie Bereshit. Die K├╝nstlerin, deren Zeichnungen wie poetische Comics aussehen, untersucht Gebete, Rituale und biblische Erz├Ąhlungen, die mit der j├╝dischen Kultur zusammenh├Ąngen.
Sophie Jungreis (Bildhauerin, Malerin) befasst sich in ihren Skulpturen mit der menschlichen Seele und sieht ihre Arbeit als andauernde Aufarbeitung des Holocaust. Die verwendeten Steine stammen aus Israel, Italien, der T├╝rkei oder aus Portugal und bringen "verlorene Teile der Seele ans Licht."
Liliana Kleiner (Malerin, Filmemacherin) wurde in Buenos Aires geboren, zog 1964 nach Israel und lebt heute auf Galiano sowie in Island und Kanada. In der Ausstellung pr├Ąsentiert sie unter anderem ein handgemachtes Buch aus rein organischen Materialien.
Helen Levin (Malerin, Kuratorin), eine weitere New Yorkerin, betrachtet ihre abstrakte Malerei als meditativen Prozess der eine starke Konzentration erfordert. So entstehen bunte, inspirierende Werke.
Raquel Orzuj (Zeichnerin, Cartoonistin, Malerin) brachte f├╝r die Ausstellung ihre humorvollen, schwarz-wei├čen Cartoonzeichnungen aus Montevideo nach Berlin.
Margo Paran (Grafikerin, Malerin, Dichterin) befasst sich in ihrer Arbeit mit verschiedenen Drucktechniken. Stark von ihren j├╝dischen Wurzeln beeinflusst, versucht sie das Unm├Âgliche, n├Ąmlich "zu verstehen, was unfassbar ist."
Hana Platzer (Bildhauerin) floh als Kind mit ihrem j├╝ngeren Bruder w├Ąhrend des Zweiten Weltkrieges nach Russland. Nach dem Krieg emigrierte sie nach Israel und war dort als Immobilienmaklerin t├Ątig. Seit ihrem Eintritt in den Ruhestand widmet sie sich der Bildhauerei und entwickelte mit der Zeit einen ganz eigenen Stil. Ihre Kunstwerke erz├Ąhlen die Geschichte ihres Lebens - von ihrer Familie, ihrer Verbindung zum j├╝dischen Erbe bis hin zur Leidenschaft f├╝r die Existenz.
Ren├ęe Politzer (Nass) ist Architektin, Malerin und Fotografin. Geboren in Rum├Ąnien, seit 1966 in Deutschland lebend, beschreibt sie sich als "Heimatlose mit Luftwurzeln". Dies spiegelt sich auch in ihren tr├Ąumerischen ├ľlmalereien.
Helene Rocker (Malerin, Grafikerin, Bildhauerin) ├╝berlebte den Holocaust in Frankreich - mit falschen Papieren besuchte sie eine Schule und wurde k├╝nstlerisch gef├Ârdert. Heute lebt sie in Haifa und arbeitet mit einer Montagetechnik, die sie selbst "Collage und Decollage" nennt.
Maddy Rosenberg (Malerin, Buchk├╝nstlerin), wurde als Tochter j├╝discher Vorfahren osteurop├Ąischer Herkunft in New York geboren. Sie reflektiert die Architektur urbaner Welten, von der sie sich auf ihren Reisen beeinflussen l├Ąsst. So entstehen individuelle Kompositionen, die Bestehendes aufgreifen und es modifizieren.
Joann Rothschild (Malerin, Graphikerin) reagiert in ihrer abstrakten Malerei auf selbst zu Papier gebrachte, zuf├Ąllige Zeichen, aus denen heraus sie ganze Gem├Ąlde konstruiert. Ihre Eltern waren j├╝disch, sie f├╝hlt sich aber eher in der deutschen Kultur beheimatet. Rothschild stammt aus Chicago und lebt heute in Boston.
Nira Schwartz (Malerin, Graphikerin) malt auf selbst hergestelltem Papier, auf dem sie filigrane Collagen entwickelt. Ihre Inspiration sind heilige Schriften und ihre j├╝dischen Wurzeln. Sie wurde in Israel geboren und lebt heute in Haifa.
Aur├ęlia Vartanian (Malerin, Fotografin, Szenografin) zeigt in dieser Ausstellung ihr journal aquarelle ("Bildertagebuch"). Seit M├Ąrz 2001 bringt sie jeden Tag ein kunstvoll komponiertes Bild zu Papier. "Die Malereien ergeben zusammen ein Bild der Zeit", so Vartanian, die in Paris und Berlin lebt.
Joyce Ellen Weinstein (Malerin, Zeichnerin, Fotografin) stammt aus New York, ihre Arbeiten drehen sich um den Versuch, das Menschsein zu verstehen. Sie malt abstrakte Portraits und Selbstportraits von und ├╝ber Frauen und bek├Ąmpft auf k├╝nstlerische Weise die Unsichtbarkeit ├Ąlterer Frauen in der Kunstgeschichte.
Nina Werzhbinskaja-Rabinowich (Malerin) siedelte 1977 von Leningrad nach Wien ├╝ber. Dort malt sie Portraits, Kompositionen mit erfundenen Personen und Stilleben. "Die abstrakte Kunst interessiert mich als Malerin nicht", sagt die K├╝nstlerin, sodass ihre Werke von einer feinen Genauigkeit und einem geschulten Blick f├╝r das Reale gepr├Ągt sind.

Die Ausstellung l├Ąuft noch bis zum 19. November 2011
Ort: Inselgalerie Berlin
Torstra├če 207
10115 Berlin
├ľffnungszeiten: Di - Fr 13:30 ÔÇô 18:30 Uhr und Sa 13:00 ÔÇô 17:00 Uhr
www.inselgalerie-berlin.de

Im Rahmen dieser Ausstellung stellt die Kuratorin Hedwig Brenner au├čerdem am 1. November ihre neuen B├Ąnde ├╝ber j├╝dische K├╝nstlerinnen in der bildenden Kunst vor.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Hedwig Brenner - J├╝dische Frauen in der Bildenden Kunst IV

Hedwig Brenner - Mein altes Czernowitz. Erinnerungen aus mehr als neun Jahrzehnten, 1918-2010

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Jüdisches Leben Beitrag vom 28.10.2011 AVIVA-Redaktion 





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