Nachruf auf Sylva Franke (1922-2012) - Lewaja am 21. November 2012 um 11 Uhr - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Juedisches Leben



AVIVA-BERLIN.de 4/18/5782 - Beitrag vom 19.11.2012


Nachruf auf Sylva Franke (1922-2012) - Lewaja am 21. November 2012 um 11 Uhr
Judith Kessler

Sylva Franke, Gemeindeälteste, Honorarkonsulin von Paraguay, Grande Dame der Berliner Hotelbranche, vor allem aber jüdische Mäzenatin im besten Sinne - sozial, gesellschaftlich und...




... völkerverbindend engagiert - ist am 16. November 2012, fünf Tage vor ihrem 90. Geburtstag, in ihre Welt gegangen. Jehi Sichra Baruch!

Elegante, auffällige Garderobe, direkte gradlinige Art, ungeduldig, spontan, witzig, schlagfertig, mit Berliner Schnauze, einem großem Herzen und einer immer offenen Brieftasche - so kannte man Sylva. Kaum etwas, was sie nicht großzügig gefördert hätte: Sie hat Gebetbücher für die Synagoge Pestalozzistraße finanziert, Israel-Tage bezuschusst, die Fraueninitiative Bet Debora unterstützt, als Präsidiumsmitglied des Keren Hayesod Deutschland den Bau von Hakfar Hayarok, einem der größten Jugenddörfer Israels, mitfinanziert, Spenden für eine israelisch-palästinensische Gemeinschaftsambulanz gesammelt, und und und.

Magen David Adom lag ihr besonders am Herzen. Als Vorsitzende des Berliner Förderkreises trug sie seit dessen Gründung sämtliche Kosten des Vereins, so dass jede Spende in voller Höhe MDA Israel zu gute kam. Jeden Monat, noch im letzten "jüdischen berlin", berichtete sie über Neuigkeiten beim "Roten Davidstern".

Sylva Franke war Berlinerin und sie beschrieb sich als solche, geboren in Friedrichshain, in der Nähe der Jannowitzbrücke. Sie war hier zu Hause, in einer Stadt, die sie viel gelehrt, wach gemacht und wach gehalten hat, im Guten wie im Bösen. Schließlich stand ihre Berliner Jugend unter dem Zeichen der Judenverfolgung. Sie konnte nach der Machergreifung der Nazis mit ihrer Mutter und ihrem späteren Ehemann Kurt nach Südamerika flüchten und lebte in Bolivien, Argentinien und Paraguay. Ihr Vater, ihr Onkel, ihre Tante wurden aus Berlin deportiert und alle ermordet.

1961, kurz nach dem Mauerbau, kehrte Sylva Franke mit ihrem Ehemann Kurt und den beiden in der Emigration geborenen Töchtern zurück nach (West-)Berlin. Die Familie baute unter anderem die Hotelkette "Das blaue Band" auf. Deren erstes Haus war 1979 das "Excelsior" in der Charlottenburger Hardenbergstraße, in dem Sylva Franke bis zu ihrem Tod lebte. Nachdem ihr Mann gestorben war, übernahm sie das Geschäft und expandierte nach dem Mauerfall auch in den Ostteil der Stadt und nach Brandenburg. Im neuen Jahrtausend musste die Kette dann allerdings Insolvenz anmelden und wurde verkauft. Ihrem sozialen Engagement tat dies keinen Abbruch.

Sylva Franke, die sich selbst einmal als Einzelkind beschrieb, das dazu erzogen wurde, Menschen zu helfen und sehr hart zu arbeiten, was sie ihr Leben lang tat, mischte sich nun auch in die Politik ihrer Jüdischen Gemeinde ein. Als Mitglied und zeitweise Vorsitzende der Repräsentantenversammlung appellierte sie (so in ihrem Editorial zu Chanukka 2004) an "Zusammenhalt und Loyalität" und pries Toleranz "als eine Voraussetzung zur Versöhnung". Und Toleranz hat sie vorgelebt.

2003 wurde ihr vom paraguayischen Außenminister der Orden "Nacional de Mérito", das "Bundesverdienstkreuz" Paraguays, dessen Honorarkonsulin sie Jahrzehnte war, überreicht und damit ihr Engagement für Südamerika und die deutsch-paraguayischen Beziehungen gewürdigt. Ebenfalls 2003 ehrte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ihren Einsatz um die Stadt Berlin und verlieh ihr den Verdienstorden des Landes Berlin. Tatsächlich hat sich Franke nicht nur für jüdische Belange eingesetzt, sondern auch für die ihrer Heimatstadt. Sie war Vorsitzende der Förderer des Renaissance-Theaters, Mitinitiatorin der City Stiftung Berlin, Mitglied der Freundesgesellschaft des Deutsche Herzzentrums um Professor Roland Hetzer und Schirmherrin der Berliner Aids-Gala, um nur einiges zu nennen.

Wir alle haben Grund, ihren Namen in Ehren zu halten und werden unsere Gemeindeälteste Sylva Franke nicht vergessen.

Unser Mitgefühl gilt den Töchtern, Enkelkindern und der gesamten Familie.

Aber der Name Franke wird auch aus einem banaleren Grunde nicht vergessen werden: Seit 2010, als der neue Besitzer das "Excelsior" umgestalten ließ, heißt das Restaurant und die Bar des Hotels "FRANKE" – eine weitsichtige Reverenz und Hommage an Sylva Franke.
Wir trinken dort ein Glas auf Dich, Sylva. Le Chaim!


Die Lewaja von Sylva Franke sel.A. findet am

Mittwoch, 21. November 2012 um 11 Uhr
auf dem

Jüdischen Friedhof Heerstraße
Heerstr. 141
14055 Berlin

statt.








Jüdisches Leben

Beitrag vom 19.11.2012

AVIVA-Redaktion 






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