Keine Kompromisse! Die Kunst des Boris Lurie - Retrospektive im J√ľdischen Museum Berlin vom 26. Februar bis 31. Juli 2016 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de 11/19/5778 - Beitrag vom 24.02.2016

Keine Kompromisse! Die Kunst des Boris Lurie - Retrospektive im J√ľdischen Museum Berlin vom 26. Februar bis 31. Juli 2016. Ein Portr√§t von Judith Kessler. Fotos von Sharon Adler
Judith Kessler, Sharon Adler

Die Werkschau zeigt in 15 Kapiteln das ebenso obsessive wie polarisierende Schaffen des NO!art-K√ľnstlers. Der Holocaust√ľberlebende war Maler, Schriftsteller, Feminist und politischer Aktivist, protestierte gegen Rassismus, Sexismus und Konsumkultur.



Portr√§t √ľber den No!artisten, kurz vor seinem Tod 2008 geschrieben




"Ich bin hier sitzen geblieben wegen der Kunst", sagt Boris Lurie, 1924 in Leningrad geboren und in Riga aufgewachsen, bis die Deutschen seine Jugend beendeten. Seit √ľber 60 Jahren, l√§nger als an jedem anderen Ort, lebt Lurie in New York. Aber noch immer ist er "Borja", liebt litauisches Brot und "Homemade bacon, polish style" aus russischen Deli-L√§den. Mit seiner Baseballm√ľtze, der Sonnenbrille und den Einkaufst√ľten, die er h√§lt wie John Wayne seine Colts, sieht er aus wie jeder andere Opi auf Manhattans oder Tel Avivs Stra√üen, nicht wie einer, der die amerikanische √Ėffentlichkeit Jahrzehnte mit drastischen NO!art-Aktionen gegen Atomwaffentests, Rassismus oder Frauenunterdr√ľckung geschreckt hat.

"NO!art hei√üt‚Ķ zu versuchen, allein zu denken", sagt er, der einer der Gr√ľnder von NO!art ist, die Ende der 50er Jahre als Gegenbewegung zum etablierten Kunstmarkt und zur Pop-Art entstand, bei der immer "alles wunderbar" war. Sie hingegen wollten "subjektiv und politisch" sein. Dem sauber Gef√§lligen setzte NO!art den Tabubruch entgegen, die Provokation. Damals begann Lurie mit Collagen wie "Massaker von My Lai" und "Lumumba ist tot", das Totalitarismus-Symbole mit Werbefotos verband, ein Hakenkreuz mit Stripperinnen, oder eben die Shoah mit Pin-Ups...

F√ľr heutige Sehgewohnheiten wirken die Bildchen, die bei Lurie wie in den Spindt√ľren von Bauarbeitern h√§ngen, fast harmlos und antiquiert: √ľppige Busen, Strapse, platinblonde Turmfrisuren ‚Äď harmlos, bis sie ein Bild mit ausgemergelten M√§nnern in H√§ftlingskleidung einrahmen ‚Ķ Buchenwald.
Die Allianz der quicklebendigen nackten M√§dchen mit dem Grauen macht die hundertfach gesehenen (oder √ľbersehenen) Bilder auf neue Weise schockierend. Lurie geht weiter ‚Äď die Stripperin, die dem Betrachter in "Railroad Collage" ihren nackten Hintern entgegenstreckt, umrahmt nichts, sie steht mitten drin, hineinmontiert in einen Leichenberg auf einem offenen Eisenbahnwaggon. Darf man so etwas? 1963 war das Bild ein Skandal, und noch immer bleibt einem bei dem Anblick die Luft weg. Aber ging es Lurie um den Skandal? Dass sie um des PR-Effekts willen "das Grauen trivialisieren" und die Opfer l√§cherlich machen w√ľrden ‚Äď das wird auch heute gern geschrieben, wenn K√ľnstler es wagen, mit ihrer Kunst zu behaupten, dass nicht die Nackten obsz√∂n sind, sondern die Gaskammern und die Atombomben oder dass "Auschwitz menschlich ist", von Menschen gemacht und prinzipiell wiederholbar. Darf man den Finger so tief in die Wunde bohren? Darf man die Lagertoten mit den Lustnackten zusammenbringen? Darf man dem Millionentod den eigenen √úberlebenswillen entgegenstellen? Verzeihen wir es Lurie, weil er Jude ist? Oder weil er im KZ war? Adelt ihn das? D√ľrfte ein Nichtjude es also nicht? Wovon h√§ngt das ab? Von Alter, Religion, Nationalit√§t? Immer dieselben Fragen.

"Ich h√§tte gern angenehme Bilder gemacht, aber es hat mich immer etwas gehindert", sagt Boris Lurie. Er hat nur kurz "illustrative Erinnerungen" gemalt ‚Äď Bilder mit Stacheldraht, M√§nner an Galgen. Aber das war "nicht die richtige Kunst", und es war nicht genug, um auszudr√ľcken, was doch niemand verstehen konnte.
Irgendwann war die erste Skizze einer zerst√ľckelten Frau da. Erst sp√§ter sei ihm klar geworden, dass das alles mit der Vergangenheit zu tun hatte‚Ķ und mit Horrorfotos in Hochglanzmagazinen. Im Mai 1945 hatte Amerika zum ersten Mal Fotos aus den KZ zu sehen bekommen ‚Äď zwischen Reklameseiten und Partyberichten. Vorher, als das Morden noch im Gange war, hatte sich die Presse geweigert, zu berichten.
Was geht da in einem wie Lurie vor, der die Familie verloren hat, der mit seinem Vater bereits Riga, Lenta und Stutthof √ľberlebt hatte, bevor sich beide f√ľr ein Au√üenkommando von Buchenwald meldeten, weil Buchenwald so "einen guten Ruf hatte". Vier Jahre H√∂lle. Dann die Befreiung. Dann das Verdr√§ngen.
W√§hrend Vater Lurie Gesch√§fte mit Thyssen macht, f√§ngt Boris als Dolmetscher bei den Amerikanern an. "Ich war mit den Siegern‚Ķ Ich war nicht der √ľberlebende KZ-H√§ftling."

Nur keine Schw√§chen zeigen. "Boris ist stark", sagt da jemand und "Boris ist kein Opfer". In der Tat ist Boris Lurie einer, dem es unter widrigsten Umst√§nden immer wieder gelang, zu √ľberleben und Kunst zu schaffen. Und doch l√§uft noch eine anderer "Film" in diesem Film mit ‚Äď der sich spiegelt in seiner voll gestopften chaotischen Behausung, im zwanghaften Sammeln und Bewahren, in √ľbervollen K√ľhlschr√§nken.
Dieser Boris isst und raucht, und isst und raucht und f√ľllt immer wieder die Vorr√§te auf. "Die Hauptsache ist der Magen", sagt er, als jemand fragt, ob die Leute im Lager an Sex gedacht h√§tten ‚Äď "so einfach ist das".
So einfach ist das. Das, was hinter Statement und Fassade ist, erschlie√üt sich aus seinen eingeblendeten Gedichten und dem, was die Kamera gesehen hat: Boris¬ī Leben und das der Welt h√§ngt in Schichten an den W√§nden: Fotos, Briefe, Zeitungsausrisse, gesuchtes, gefundenes. "Du denkst, mein Freund, was war, das ist nicht l√§nger...". Nichts ist vorbei.

Bilder, die ihm wichtig sind, hat Lurie in durchsichtige Folie verpackt: Fotos vom Vater, den Geschwistern, der h√ľbschen Schulfreundin, Borja als Baby, als Junge ("ich war ungezogen, ein paar mal bin ich von der Schule geflogen"). Ein Stadtplan von Riga und der Weg nach Rumbula, wo seine Mutter, die Gro√ümutter und die kleine Schwester ermordet wurden. Dar√ľber redet er nicht, er nennt Eckdaten. Der Tod steckt in den Pausen. Es ist Beatrice, die franz√∂sische Freundin, die tausende Kilometer entfernt von seinen n√§chtlichen Alptr√§umen spricht.
Die Ermordung der Frauen seiner Familie und seine Jugend, die keine war ‚Äď das sei sein Problem, meint ein Freund, deswegen sei er nicht verheiratet. Wie das mit Boris und den Frauen tats√§chlich war, l√§sst sich nur ahnen ‚Äď ein paar vergilbte Fotos, der junge Boris, mit hoher Stirn und Schnauzbart‚Ķ Nur seine Geliebte von einst, Beatrice, die einem Picasso-Gem√§lde entstiegen scheint, l√§chelt: "Boris ‚Äď das ist die Liebe meiner Jugend". In ihrer eleganten Pariser Wohnung erz√§hlt sie √ľber ihn, den "Gro√üz√ľgigen", den "guten Menschen", den "sch√∂nen Mann". Fotos zeigen die beiden am Strand und sie, die erfolgreiche Werbeagentin, auf ihrer Lambretta und High Heels in New York.

"Das hat mich sehr bedr√ľckt", dass sie Geld verdient hat und ich nicht", sagt indes Boris in seiner Wohnh√∂hle. Aber wer kaufe schon Bilder, "die auf Menschen ersch√ľtternd wirken". Ein Interviewpartner findet die einfache Formel: "Er hat sich mit schwierigen Themen befasst" und "Amerika mag keine schwierigen Sachen". Europa auch nicht.

Boris Lurie ist ein Gro√üer, und ist so doch ein Unbekannter geblieben. Einer, der best√§ndig auf dem Grat wandert, bei dem alles Intellekt und "Bauch" zugleich und in Schichten angelegt ist: Da sind die Pin-Ups ‚Äď von Girlie bis Hardcore ‚Äď die ihn als Mann magisch anziehen, die zwischen all der Ohnmacht Leben bedeuten, und die ihn absto√üen, weil sie K√∂rper zu Waren machen. Da h√§ngt das Foto eines SS-Mannes, der Spa√ü daran hatte, nackte Frauen zu knipsen. "Dazu braucht man keinen Boris Lurie", sagt Boris Lurie ‚Äď es sei derselbe perverse Genuss, den man von den Bildern der Folterer aus irakischen Gef√§ngnissen kenne. Es h√∂rt nicht auf.
Und es ist alles doppelb√∂dig ‚Äď wie die unfreiwillige Symbiose auf Leben und Tod mit dem Vater, dem Gesch√§ftsmann, der von ihm, dem Familienunf√§higen sagt: "Boris is a meschuggener", und von dem er sich erst l√∂sen kann, als der stirbt. Nun macht Boris, der Kommunist, in Immobilien und lebt davon, dass er an der B√∂rse anlegt ‚Äď "mit gutem Erfolg, kann ich sagen, mit sehr gutem Erfolg". Das habe er im KZ gelernt, das "Jagen und Riskieren". Trotzdem kommt der Putz im Studio von der Decke, und weigert er sich, seine Arbeiten in klimatisierten R√§umen zu lagern, "weil es viel kostet". Da ist er wieder, der andere "Film"‚Ķ

Richtig lachen, beinahe gl√ľcklich, sieht man Lurie nur zweimal: als er ein zur√ľckgekauftes Bild auspackt, das er gleich nach der Ankunft in New York gemalt und danach nie wieder gesehen hat. Und als der alte Mann sagt: "Ich habe unl√§ngst erfahren, dass die M√§dchen mich den sch√∂nen Borja nannten". Der "sch√∂ne Borja" ist da schon sehr schwach, sogar das B√§uchlein ist weg. Seit Beginn der Dreharbeiten sind acht Monate vergangen. Inzwischen hat er eine neue Herzklappe. Seine Wohnung wurde renoviert und er bewegt sich zwischen den nun kahlen W√§nden wie ein Fremder. Nur sein K√ľhlschrank, der scheint noch voller.
So ist "Shoa und Pin-Ups" (von Reinhild Dettmer-Finke und Matthias Reichelt) nicht nur ein Film √ľber einen konsequenten K√ľnstler, dessen Werk W√ľrdigung verdient, sondern auch einer √ľber das, was nie vergeht, bis zum Ende, √ľber die Bew√§ltigungsstrategien eines √úberlebenden, der hortet und festh√§lt, der lautlos schreit, weil nur so die entsetzliche Einsamkeit zu ertragen ist. Am Ende tr√§gt Boris wieder seinen Gl√ľcksbringer, die Goldm√ľnze, die er all die Lagerjahre im Mund versteckt hielt. Gebe NO!, dass sie ihm noch einmal Gl√ľck bringt. (juk)

"Keine Kompromisse. Die Kunst des Boris Lurie" - bis 31. Juli. Unbedingt hingehen!


Zur Ausstellung im J√ľdischen Museum Berlin vom26. Februar bis 31. Juli 2016


Das J√ľdische Museum Berlin widmet dem NO!art-K√ľnstler Boris Lurie ab dem 26. Februar 2016 eine gro√üe Retrospektive. Mit der Ausstellung l√§dt das Museum dazu ein, einen kompromisslosen K√ľnstler und sein hochaktuelles, teils erstmals gezeigtes Werk neu zu entdecken. Wie kaum ein anderer hat Boris Lurie die radikale k√ľnstlerische Auseinandersetzung mit dem Holocaust und dem 20. Jahrhundert gesucht. Als Ankl√§ger von Rassismus, Sexismus und Konsumkultur schuf er Werke, die ebenso widerspr√ľchlich wie verst√∂rend sind.



Die umfassende Werkschau präsentiert in 15 Kapiteln das gleichermaßen obsessive wie umstrittene Schaffen Luries. Auf 650 Quadratmetern werden mehr als 200 Collagen, Zeichnungen, Gemälde, Assemblagen und Skulpturen aus allen Perioden seines Schaffens gezeigt.



Lurie, der das Rigaer Ghetto und mehrere Konzentrationslager √ľberlebt hatte, forderte mit seinen w√ľtenden und drastischen Arbeiten eine moralische Auseinandersetzung der Gesellschaft mit dem Menschheitsverbrechen. Als Mitbegr√ľnder und f√ľhrender Vertreter der New Yorker NO!art K√ľnstlergruppe protestierte Boris Lurie ab Ende der 1950er Jahre gegen die zeitgen√∂ssische Kunstwelt und wurde damit zum k√ľnstlerischen und gesellschaftlichen Au√üenseiter abseits des Mainstreams. Seine Collagen, in denen er historische Fotos aus dem Holocaust mit Pin-Up-Motiven aus amerikanischen Zeitschriften kombinierte, provozierten Entsetzen und Faszination. In ihnen verband er den Ekel gegen eine Menschheit, die zu millionenfacher Vertreibung und Massenmord f√§hig war, mit der Abscheu vor einem oberfl√§chlichen und selbstgef√§lligen Kunstbetrieb. Seine Antwort darauf hie√ü: "NO!"



"Ich hätte gern angenehme Bilder gemacht, aber es hat mich immer etwas daran gehindert."
Boris Lurie, der 1924 in einer wohlhabenden Familie im damaligen Leningrad geboren wurde und in Riga aufwuchs, √ľberlebte gemeinsam mit seinem Vater die Konzentrationslager Stutthof und Buchenwald. Seine Mutter, Gro√ümutter, j√ľngere Schwester und seine Jugendliebe wurden 1941 bei einer Massenerschie√üung ermordet. Diese Erfahrungen haben Boris Luries Leben und Kunst nachhaltig gepr√§gt.



1946 emigrierte Lurie mit seinem Vater nach New York. Mit einer Gruppe befreundeter K√ľnstler gr√ľndete er Ende der 1950er Jahre in New York die NO!art-Bewegung und gilt heute als einer ihrer wichtigsten Vertreter. Zahlreiche Reisen f√ľhrten ihn nach Europa, Israel und zur√ľck in die Stadt seiner Jugend, Riga. Boris Lurie starb am 7. Januar 2008 in New York.
Die Boris Lurie Art Foundation widmet sich seit 2010 der Bewahrung und Vermittlung des Werks von Boris Lurie und der No!art-Bewegung.



NO!art
Die 1959 von Boris Lurie, Stanley Fisher und Sam Goodman gegr√ľndete NO!art-Bewegung verstand sich als Gegenbewegung zu popul√§ren Kunststr√∂mungen wie dem Abstrakten Expressionismus, Neo-Dada und Andy Warhols Pop Art. Die Gruppe aus Malern, Schriftstellern, Feministen und politischen Aktivisten protestierte gegen einen zunehmend banalen und kommerziell orientierten Kunstbetrieb. Mit Ausstellungen wie "Vulgar Show", "Involvement Show" und "NO!Show" forderten sie eine kritische Auseinandersetzung mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen anstelle von inhaltsleeren k√ľnstlerischen Moden. W√§hrend Kunstkritik und Kunsthandel ablehnend reagierten, verweigerte sich die Gruppe um Lurie dem Kunstmarkt. Sie stellte ausschlie√ülich in der Gertrude Stein Gallery in der Upper East Side aus. Die NO!art-Bewegung fand 1964 ihr Ende. Lurie schrieb fortan vor allem Gedichte und den Roman "House of Anita".

AVIVA-Tipp: Die Ausstellung dieses au√üergew√∂hnlichen Menschen und K√ľnstlers sollte nicht verpasst werden, unbedingt hingehen!



Keine Kompromisse! Die Kunst des Boris Lurie - Retrospektive im J√ľdischen Museum Berlin
Laufzeit der Ausstellung: 26. Februar bis 31. Juli 2016
Ort: J√ľdisches Museum Berlin
Altbau 1. OG
Lindenstraße 9-14
10969 Berlin
Eintritt: mit dem Museumsticket (8 Euro, erm. 3 Euro)

Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm wie F√ľhrungen und Filmvorf√ľhrungen finden Sie unter:

www.jmberlin.de/lurie und borislurieart.org



Der Begleitband "Keine Kompromisse! Die Kunst des Boris Lurie", herausgegeben von Cilly Kugelmann im Auftrag des J√ľdischen Museums Berlin

Ebenso intensiv wie der Rundgang durch die Ausstellung ist das Betrachten des gleichnamigen Katalogs. Essays von Cilly Kugelmann, Volkhard Knigge, Tal Sterngast, Gertrud Koch, Mirjam Wenzel, Mathias Reichelt und Eiko Grimberg f√ľhren in das Werk des Ausnahmek√ľnstlers ein, wobei jede/r der Autor/innen einen pers√∂nlichen Zugang und eine unmittelbare Verbindung einbringt.
Sie nähern sich in ihren Beiträgen jeweils einem spezifischen Thema an und ermöglichen es den LeserInnen so, tiefer in die Symbolik der Arbeiten von Boris Lurie einzusteigen.

Die Arbeiten Lurie¬īs bilden das Kernst√ľck des Begleitbands. Das gro√üe Thema seines Lebens, das Leben und √úberleben w√§hrend und nach dem Holocaust durchzieht sein Schaffen, ist omnipr√§sent. Das Trauma des Erlebten findet seinen Eingang in seinen Serien "Lager", den "War Series", aber auch "Adieu Amerique" ("A Jew Is Dead") oder den Pin-Ups, die Judith Kessler in ihrem Portr√§t so treffend beschrieben hat. Die Radikalit√§t und Kompromisslosigkeit des begnadeten NO!art-K√ľnstlers entfaltet eine Sogwirkung, die selbst die Buchseiten zu sprengen scheinen.

Die Gestaltung des Begleitbands lag bei den Grafik-Designerinnern Anna Sartorius und Lilla Hinrichs (Betreiberinnen des Berliner B√ľro f√ľr Buchgestaltung und Ausstellungsdesign "e o t ‚Äď essays on typography". Das reduziert-minimalistische Layout und der dunkelblaue Hintergrund geben dem Werk Luries den Raum, den er verdient.
Auf jeweils einer Doppelseite wurden au√üerdem streckenweise ausgew√§hlte Statements und Gedichte von Boris Lurie den Arbeiten gegen√ľbergestellt. Noch sch√∂n(er) w√§re es jedoch gewesen, wenn in der deutschen Ausgabe die Zitate noch zus√§tzlich im englischen Original abgedruckt worden w√§ren.

Wer die Ausstellung nicht besuchen kann, sei der Erwerb des Katalogs empfohlen, und f√ľr die Gl√ľcklichen, die die Ausstellung im J√ľdischen Museum Berlin erleben d√ľrfen, ist der Begleitband (auf deutsch und englisch erh√§ltlich) eine wertvolle Erg√§nzung.

Keine Kompromisse! Die Kunst des Boris Lurie
Kerber Verlag, erschienen Februar 2016
Herausgegeben von Cilly Kugelmann
Texte von Cilly Kugelmann, Volkhard Knigge, Tal Sterngast, Gertrud Koch, Mirjam Wenzel, Mathias Reichelt und Eiko Grimberg
176 Seiten mit 200 durchgehend farbigen Abbildungen, deutsch und englisch
ISBN 978-3-7356-0195-7
21,50 x 28,00 cm
Klappenbroschur, gebunden
Buchhandelspreis: 36 Euro, Museumspreis: 29 Euro
www.kerberverlag.com





Quelle/Copyright Text Judith Kessler
Quelle/Copyright Text Ausstellung und Ausstellungsplakat: J√ľdisches Museum Berlin
Copyright Fotos: Sharon Adler

Jüdisches Leben Beitrag vom 24.02.2016 AVIVA-Redaktion 





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