Online gegen den zunehmenden Antisemitismus: Die Bildungsplattform Shoah Stories - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Juedisches Leben



AVIVA-BERLIN.de 5/20/5786 - Beitrag vom 22.01.2026


Online gegen den zunehmenden Antisemitismus: Die Bildungsplattform Shoah Stories
AVIVA-Redaktion

Anne Frank Zentrum startet internationale Kurzvideo-Bildungsplattform zum Holocaust. Die Onlineplattform Shoah Stories unterstützt Lehrkräfte bei der Vermittlung der Geschichte des Holocaust an Jugendliche ab 14 Jahren. Auf Shoah Stories werden Kurzvideos von mehr als 20 Gedenkstätten, Museen, Bildungseinrichtungen und Zeitzeug*innen vorgestellt und mit pädagogisch aufbereiteten Lernmaterialien ergänzt.




Kurzvideos als Bildungsformate sollen Lernen über den Holocaust fördern und Antisemitismus und Geschichtsverfälschung entgegenwirken

Seit dem 21. Januar 2026 ist die internationale Bildungsplattform Shoah Stories mit innovativen Angeboten für Schüler*innen und Lehrkräfte online. Sie unterstützt Lehrer*innen mithilfe von Kurzvideos dabei, die Geschichte des Holocaust fundiert und jugendgerecht zu vermitteln. Die digitale Plattform wurde vom Anne Frank Zentrum mit Förderung der Alfred Landecker Foundation veröffentlicht und bei einer Veranstaltung in Berlin einem Fachpublikum präsentiert.

Auf Shoah Stories werden Kurzvideos von mehr als 20 Gedenkstätten, Museen, Bildungseinrichtungen und Zeitzeug*innen weltweit vorgestellt und mit pädagogisch aufbereiteten Lernmaterialien ergänzt. Die auf der Plattform eingestellten Inhalte sollen dem Anstieg von Antisemitismus und der zunehmenden Geschichtsverzerrung im Internet und auf Social Media entgegenwirken. Unter www.shoahstories.video sind die Kurzvideos und Lernmaterialien kostenlos zugänglich.

Zu den auf Shoah Stories vertretenen Organisationen zählen beispielsweise das Anne Frank Haus (Niederlande), die Gedenkstätte Buchenwald (Deutschland), das Warschauer Ghetto Museum (Polen) und das Holocaust Museum Los Angeles (USA). Die ausgewählten Kurzvideos wurden von den Organisationen zuvor auf den Social-Media-Kanälen TikTok und Instagram veröffentlicht. Zeitzeug*innen wie Tova Friedman, die in diesem Jahr auch bei dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag sprechen wird, sind ebenfalls mit Kurzvideos vertreten. Shoah Stories steht zum Start auf Deutsch und Englisch zur Verfügung. Weitere Sprachen wie Polnisch und Französisch sollen folgen.

Die Kurzvideos auf der Bildungsplattform thematisieren die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden, die Verfolgung durch die Nazis, jüdische Geschichte und Antisemitismus. Anhand von Zeitzeug*innenberichten, historischen Quellen, Orten und Objekten vermitteln sie verschiedene Themen und Perspektiven im Zusammenhang mit dem Holocaust auf anschauliche Weise.

Shoah Stories reagiert auf die veränderten Mediennutzungsgewohnheiten junger Menschen. Laut der JIM-Studie 2025 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest verwendet mehr als die Hälfte der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren in Deutschland TikTok oder Instagram täglich oder mehrmals pro Woche. Shoah Stories nutzt das Format der Kurzvideos daher gezielt, um Wissen über die Shoah, Erinnerungskultur und die Bedeutung von demokratischen Werten zu vermitteln. Über die informativen Kurzvideos erhalten junge Menschen sowie Lehrende auf Shoah Stories einen faktenbasierten, digitalen Zugang zur Geschichte des Holocaust. Damit stärkt die Plattform historisches Lernen im digitalen Raum. Lehrkräfte erhalten eine zusätzliche Möglichkeit, die Shoah jugendgerecht im Unterricht zu behandeln und zugleich die Schüler*innen für einen reflektierten und kritischen Umgang mit Informationen auf Social Media zu sensibilisieren. Das Material ist für die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen ab 14 Jahren gedacht und steht auf der Website zur Verfügung. Für die Benutzung werden keine Social-Media-Konten benötigt.

Karin Prien, die Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hebt hervor: »Mit der neuen Bildungsplattform Shoah Stories wird ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungsarbeit im digitalen Raum geleistet. Fake News and Fake Accounts machen es für Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene immer schwerer zu erkennen, was faktenbasiert ist und was nicht. Historische Ereignisse werden relativiert und geschichtliche Zusammenhänge in ein falsches Licht gerückt. Die auf Shoah Stories gebündelten und frei zugänglichen Materialsammlungen tragen zur Aufklärung bei und bieten einen jugendgerechten niedrigschwelligen Zugang zur Auseinandersetzung mit der Geschichte der Shoah.

Als Bundesbildungsministerin ist es mir besonders wichtig, die Erinnerung an die Shoah aufrecht zu erhalten und einen fundierten Wissenserwerb zu unterstützen. Diese gut zugänglichen Videos sind eine wichtige Ergänzung an seriösen digitalen Instrumenten der Wissensvermittlung.«

Armin Schwarz, der Hessische Minister für Kultus, Bildung und Chancen, betont in seinem Grußwort: »Die Erinnerung an die Shoah ist und bleibt eine zentrale Aufgabe schulischer Bildung. Als Länder tragen wir gemeinsam Verantwortung dafür, dass historisches Lernen junge Menschen auch heute erreicht. Shoah Stories zeigt, wie zeitgemäße digitale Formate verantwortungsvoll, faktenbasiert und pädagogisch fundiert eingesetzt werden können. Die Plattform unterstützt Lehrkräfte dabei, an die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler anzuknüpfen und zugleich klar Haltung gegen Antisemitismus und Geschichtsverfälschung zu zeigen.«

Michaela Küchler, Generalsekretärin der Internationalen Allianz zum Holocaust-Gedenken (IHRA) stellt fest: »Für junge Menschen gehört der digitale Raum heute selbstverständlich zum Alltag. Dort können sie jederzeit auf Wissen aus der ganzen Welt zugreifen. Aber sie begegnen dort auch Desinformation, etwa wenn der Holocaust verzerrt oder relativiert wird. Diese Plattform stärkt die gemeinsamen Bemühungen gegen solche Verzerrungen: Sie liefert genau dort verlässliche und fundierte Informationen, wo sie besonders dringend gebraucht werden.«

Lena Altman, Co-CEO der Alfred Landecker Foundation sagt: »Viele Lehrkräfte stehen vor der Herausforderung, verlässliche Inhalte für die digitale Lebenswelt ihrer Schülerinnen und Schüler zu finden. Shoah Stories bündelt erstmals geprüfte Kurzvideos von Gedenkorten weltweit und macht sie gemeinsam mit praxiserprobten Unterrichtsmaterialien sofort einsetzbar. So verbinden wir authentische historische Quellen mit einem Medienformat, das Jugendliche tatsächlich erreicht – und stärken zugleich ihre Fähigkeit, Desinformation und antisemitischen Narrativen im Netz etwas entgegenzusetzen.«

Die Bildungsplattform Shoah Stories mit Kurzvideos und kostenlosen Lernmaterialien sind zugänglich unter: www.shoahstories.video

Weitere Informationen unter:

www.annefrank.de


Das Projekt Shoah Stories wird von der Alfred Landecker Foundation gefördert und vom Anne Frank Zentrum durchgeführt. Das Anne Frank Zentrum kooperierte mit Partners Partners & Company bei der Entwicklung und Umsetzung der Kurzvideoplattform, mit Scholz & Friends bei der technischen Entwicklung der Plattform und der Hebräischen Universität Jerusalem für die begleitende Evaluierung und dem Partner vom National Research Council Italien.

Das Projekt wurde initiiert von Partners Partners & Company und baut auf der internationalen TikTok Shoah Gedenk- und Bildungsinitiative auf, die seit 2021 weltweit über 50 Gedenkstätten, Museen und Organisationen dabei unterstützt hat, eigene TikTok-Kanäle aufzubauen.


Pressemeldung, Anne Frank Zentrum e.V. Berlin, 21. Januar 2026
Copyright Anne Frank Zentrum e.V.


Jüdisches Leben

Beitrag vom 22.01.2026

AVIVA-Redaktion