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AVIVA-BERLIN.de 11/21/5778 - Beitrag vom 03.08.2009

Unbekannter ermordet einen Mann und ein M├Ądchen in Schwulenzentrum in Tel Aviv
Margret M├╝ller

Die multikulturelle Bubble Tel Aviv ist f├╝r einen Moment geplatzt, als am 1. August 2009 ein Unbekannter in ein Tel Aviver Schwulenzentrum eindringt und mit einem Gewehr um sich schie├čt.



Bei einem w├Âchentlichen Treffen Jugendlicher im Homosexuellen-Treffpunkt Aguda im Nachtclub "Caf├ę Noir" im Zentrum Tel Avivs drang ein Unbekannter in den Raum ein, erschoss den 26-J├Ąhrigen Nir Katz und die 17-J├Ąhrige Liz Trubischi und verletzte zw├Âlf weitere Jugendliche. Bisher konnte der T├Ąter nicht gefasst werden.

Die so politikferne Blase Tel Aviv platzt f├╝r einen Moment, die Realit├Ąt des Hasses hat zu tief geschossen. Nicht die Gaypride-Parade wurde beschossen, auch keines der vielen Events des vergangenen Gaypride-Monats, sondern ein Treffen von Teenagern, die sich zum Teil noch nicht einmal geoutet haben und samstagabends treffen, um Schach und Karten zu spielen. Die Nachricht des T├Ąters scheint klar: Sich zu outen ist gef├Ąhrlich. Sie wird von Teenagern, die sich ihrer selbst noch unsicher sind, wohl nicht ungeh├Ârt bleiben. Einige der Verletzten wurden von ihren Eltern noch nicht im Krankenhaus besucht. Auch das spricht B├Ąnde.

Die als liberal, weltoffen, multikulturell geltende Stadt Tel Aviv steht unter Schock. Der Umstand, dass Homosexualit├Ąt in Tel Aviv wieder gef├Ąhrlich ist, ist schwer zu verdauen. Schwer senken sich auf die schwei├čtriefende Stadt Fragen und Spekulationen, f├╝r die es noch keine Antworten gibt. Es ist unklar, wer der M├Ârder ist und welche Motivation ihn antreibt. Die starke Hetze Ultraorthodoxer Juden gegen Homosexualit├Ąt ist jeder und jedem im Ohr und f├╝hrt zu vielleicht voreiligen Schl├╝ssen.

Der Schock der Tel Aviver ist ├Âffentlich. Nur Stunden sp├Ąter gehen Hunderte mit Kerzen und Plakaten auf die Stra├čen. Am n├Ąchsten Tag findet eine Demonstration auf der Rothschild Stra├če statt, wieder kommen Hunderte. Laut, bunt, vielf├Ąltig. Viele PolitikerInnen und AktivistInnen sagen gute und richtige Sachen: Sie sprechen von notwendiger liberaler Bildung, einer neuen Epoche und dem weiten Weg im Kampf um Anerkennung, der geplatzten Blase der Liberalit├Ąt in Tel Aviv, dem mehr denn je wichtigen Kampf, Stolz, Hass... und all die vielen richtigen S├Ątze verstecken schwach die Sprach- und Hilflosigkeit.

Das Attentat, welches sich vermutlich nicht von au├čen gegen Israelis richtet, sondern von Innen gegen Teile der Bev├Âlkerung, ist ein weiteres Zeichen f├╝r die Zersplitterung der Gesellschaft. Dov Cheinin von der Partei "Hadash" sprach diese Probleme an: "Ein Staat, der Kinder vertreibt, sollte nicht ├╝berrascht sein, wenn so etwas passiert... Die Leute sollten sich nicht davon t├Ąuschen lassen, dass sie glauben, in einer gesch├╝tzten Blase zu leben" und meinte damit die Pl├Ąne, Gastarbeiter und deren Kinder aus Israel zu deportieren.
Der einzige offen homosexuelle Knesset Abgeordnete (der linksliberalen Meretz-Partei), Nitzan Horowitz, sprach davon, die streng-religi├Âsen wollen die Schwulen "umerziehen". Und der prominente Liedermacher Ivri Lider meint: "Seit heute sind wir auch in Tel Aviv nicht mehr sicher".

Israel erlebt eine Phase der Erstarkung der Extreme. Sowohl religi├Âse als auch politisch extreme Meinungen und Gesetzesentw├╝rfe haben Konjunktur und damit nehmen innergesellschaftliche Diskrepanzen und Feindseligkeiten zu. Ein Beispiel ist die Verhaftung einer orthodoxen Mutter, die vermutlich ihren Sohn aushungern lie├č und die darauf folgenden gewaltt├Ątigen Proteste der orthodoxen Gemeinschaft in Jerusalem. Nicht zu vergessen die verst├Ąndnislose, verbal aggressive Reaktion der liberalen Linken. Ein anderes Beispiel ist die geplante Deportierung von Gastarbeitern, der restriktive, teils grenzwertige Umgang mit Fl├╝chtlingen in Israel und die Proteste dagegen. Dies sind kleine Beispiele von vielen, die die wachsende Verst├Ąndnislosigkeit verschiedener gesellschaftlicher Gruppen innerhalb Israels f├╝reinander. Das Bild des liberalen Tel Aviv hat tiefe Risse bekommen.

Wohl auch daher appellierte Tzipi Livni bei dieser Demonstration an den Zusammenhalt: "Dies ist nicht nur ein Tag gro├čen Schmerzes sondern ein Tag des Schmerzes f├╝r alle von uns".

W├Ąhrend einige (vor allem Mitglieder der "Hadash"-Partei) die Demonstration f├╝r ihre eigenen politischen Schlachtrufe gebrauchen und wohl auch einige die sich auftuende B├╝hne f├╝r ihre Nachrichten erkannten, zeigte sich in den Ausl├Ąufern der Demonstration wieder guter Tel Aviver Charakter: eine Stunde nach Ende der Veranstaltung wirkt die Rothschild Stra├če wie eine gro├če flirtende Outdoor-Pickup-bar.

Am 04.08.09 um 17:00 wird voraussichtlich eine Demonstration gegen Homophobie - Solidarit├Ąt mit den Opfern des Anschlags in Tel Aviv am Breitscheidplatz stattfinden.

Jüdisches Leben Beitrag vom 03.08.2009 AVIVA-Redaktion 





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