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AVIVA-BERLIN.de 11/22/5778 - Beitrag vom 18.04.2005

Legalisierter Raub
Sarah Ross

Vom 12.5. bis 18.9.2005 besch├Ąftigt sich die neue Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin mit dem Fiskus und der Auspl├╝nderung der Juden in Hessen und Berlin zwischen 1933 und 1945.



Die Ausstellung des Hessischen Rundfunks und des Fritz Bauer Instituts besch├Ąftigt sich mit der fiskalischen Auspl├╝nderung j├╝discher B├╝rgerInnen w├Ąhrend der Nazizeit. Die zentrale Rolle des Fiskus in der Geschichte des gesetzlich legalisierten Raubes und seiner Opfer wird anhand zahlreicher Dokumente, Fotografien und Exponaten den BesucherInnen nahe gebracht:

Bereits im Herbst 1998 wurde eine Ausstellung unter der Leitung von
Professor Dr. Wolfgang Dressen im Stadtmuseum D├╝sseldorf unter dem Titel "Betrifft: ┬┤Aktion 3┬┤. Deutsche verwerten j├╝dische Nachbarn" er├Âffnet. Damit r├╝ckte die fiskalische Auspl├╝nderung der Juden unter der NS-Diktatur erstmals in das Blickfeld einer weiteren ├ľffentlichkeit. 1999 finanzierte das Land Hessen dann ein Forschungsprojekt, das vom Fritz Bauer Institut in enger Zusammenarbeit mit dem Hessischen Hauptstaatsarchiv durchgef├╝hrt wurde. In dessen Mittelpunkt standen die Devisenakten, Steuerakten, Verm├Âgenskontrollakten und Handakten j├╝discher Rechtsanw├ĄltInnen. Diese belegen eindr├╝cklich die fiskalische Auspl├╝nderung der j├╝dischen Bev├Âlkerung Hessens im "Dritten Reich", und zeigen, dass die so genannte Arisierung j├╝discher Unternehmen nur die "Spitze des Eisbergs" gewesen ist. Das Forschungsprojekt bildete die Grundlage f├╝r die Ausstellung.

Artur Lauinger war bis 1937 als Journalist bei der "Frankfurter Zeitung" besch├Ąftigt. Danach wurde auch er ein Opfer der Enteignungsma├čnahmen der Nationalsozialisten. Das Foto zeigt ihn als Soldaten w├Ąhrend des 1. Weltkrieges. ┬ę HR/Wolfgang Lauinger

Der geplanten Massenermordung deutscher Juden ging eine ebenso gr├╝ndlich geplante und massenhafte Vernichtung ihrer Existenzen voraus. Beg├╝nstigter dieses schamlosen Raubzuges war das "Deutsche Reich", dass sich mittels hoher Sondersteuern und Zwangsverk├Ąufen von H├Ąusern, Firmen und Kunstgegenst├Ąnden in unerh├Ârtem Ma├če an dem Besitz deutscher Juden "legal" bereicherte. Zur Politik des "legalisierten Raubes" geh├Ârte auch die Entziehung des Eigentums von EmigrantInnen sowie die ├Âffentliche Versteigerung der verbliebenen Habseligkeiten der Deportierten. Unterschiedliche Dienststellen in Finanzbeh├Ârden, Zollfahndung und Devisenstellen zogen gemeinsam mit der Gestapo und anderen Organisationen in gesetzlich legalisierten Aktionen Sparb├╝cher, Devisenguthaben und Wertpapierdepots j├╝discher B├╝rgerinnen und B├╝rger ein. Diese Auspl├╝nderung war ein wichtiger Teil der Vernichtungsmaschinerie und zugleich Bestandteil der NS-Kriegswirtschaft.

Die Ausstellung befasst sich neben den Gesetzen und Verordnungen, entscheidenden Ereignissen ("Reichskristallnacht" etc.) und dem Aufbau der Reichsfinanzverwaltung auch mit den kooperierenden Interessengruppen in Politik und Wirtschaft und dem "deutschen Volksgenossen" als Profiteur. Aber auch der Frage nach der Wiedergutmachung und den Opfern der Auspl├╝nderung wird in dieser Ausstellung nachgegangen.

Die seit 2002 pr├Ąsentierte Wanderausstellung wird sich in den kommenden Monaten schwerpunktm├Ą├čig mit der Geschichte der fiskalischen Auspl├╝nderung der Berliner Juden besch├Ąftigen. So planen die Ausstellungsmacher f├╝r Berlin in Zusammenarbeit mit dem Historischen Forschungsinstitut Facts & Files neue Ausstellungstafeln und Vitrinen, die sich u.a. mit der Geschichte der renommierten Galerie van Diemen und der Versteigerung ihres Bestandes durch Paul Graupe besch├Ąftigen werden.



"Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Auspl├╝nderung der Juden in Hessen und Berlin 1933-1945"

Deutsches Historisches Museums Berlin
12.Mai bis 18. September 2005
├ľffnungszeiten: t├Ąglich 10 bis 18 Uhr
Eintritt: 2 Euro, Jugendliche bis 18 Jahre und montags Eintritt frei
Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm: www.legalisierter-raub.hr-online.de

Lesen Sie dazu auch:

Ad Van Liempt: "Kopfgeld. Bezahlte Denunziation von Juden in den besetzten Niederlanden":


In seinem Buch erg├Ąnzt Ad van Liempt das Bild der Niederlande zur Zeit des Nationalsozialismus um einen verst├Ârenden Aspekt: den bezahlten Verrat von Juden. Eine kleine Gruppe holl├Ąndischer Verwaltungsangestellter, die so genannte Kolonne Heinneicke, machte im Auftrag der Deutschen Jagd auf die Juden. Als Angeh├Ârige der Hausratserfassungsstelle, die f├╝r die Iventarisierung j├╝dischen Besitzes zust├Ąndig war, durchsuchten sie Amsterdam und Umgebung nach
untergetauchten Juden. Ihr Motiv war genauso simpel wie erbarmungslos: ein Kopfgeld, das f├╝r jede ergriffene Person bezahlt wurde. Die Suche war so effektiv und erfolgreich, dass die Kolonne nach nur sechs Monaten bereits aufgel├Âst wurde. Alle Opfer wurden gefunden, ausgeliefert und in die Vernichtungslager deportiert.

Van Liempts Buch basiert auf der Auswertung zahlreicher Akten, Aussagen von T├Ątern, Opfern und ihren Helfern sowie auf Interviews mit wenigen ├ťberlebenden.

AVIVA-Tipp: Der Autor geht in seinem Buch den Fragen nach, wer diese Leute waren, was sie antrieb und wie sie bei der Jagd nach Juden vorgingen. Dabei zeichnet er ein ebenso detailliertes wie beklemmendes Bild der niederl├Ąndischen Kollaboration mit den Nazis nach, eines der dunkelsten und vergessensten Kapitel der Niederlande.

Zum Autor: Ad van Liempt ist Journalist, Buchautor und Chefredakteur der TV-Geschichtsreihe "Andere Tijden" (Andere Zeiten).

Ad van Liempt
Kopfgeld Bezahlte Denunziation von Juden in den besetzten Niederlanden

Siedler Verlag: M├Ąrz 2005
Einband: Leinenr├╝cken, llustrationen: 20 Abb.
Seitenzahl: 334
ISBN 3-88680-801-7
24,00 Euro200488804975"

Lev Raphael: "Das deutsche Geld"

Nicht nur die Frage nach dem pl├Âtzlichen Tod seiner Mutter besch├Ąftigt Paul und seine Geschwister, sondern auch das so genannte "Deutsche Geld", ├╝ber eine Million Dollar, dessen Grundstock einst aus den Entsch├Ądigungszahlungen der Deutschen an die ├ťberlebenden des Holocaust stammte: Paul, der stets vor seiner Mutter, einer Holocaust-├ťberlebenden weglaufen ist, wurde der gr├Â├čte Teil des Erbes zugedacht: Ein gro├čz├╝giges Geschenk, oder sp├Ąte Rache?

AVIVA-Tipp: Lev Raphael schildert in seinem Roman ein eindrucksvolles Portrait einer zerst├Ârten Familie, in der besonders die Kinder auf ihre eigene Art und Weise, schmerzlich unter der Vergangenheit der Mutter leiden. Mit diesem Buch h├Ąlt der Autor nicht nur die Erinnerung daran, dass wir unserer Vergangenheit nicht entgehen k├Ânnen, aufrecht, sondern ber├╝hrt den Leser und die Leserin auch mit einer unersch├╝tterlich aufrichtigen Darstellung von Liebe, Erl├Âsung und Vergeltung.

Zum Autor: Lev Raphael hat bisher 13 B├╝cher ver├Âffentlicht, darunter f├╝nf Kriminalromane. Seinen Durchbruch erlangte er mit "Dancing on Tisha B┬┤Av", worin er die Lebenswege von f├╝nf Kindern von Holocaust-├ťberlebenden nachzeichnet. Ausgezeichnet wurde er mit dem Lambada Literary Award, seine Kurzgeschichten wurden in zahlreichen Anthologien ver├Âffentlicht. Derzeit arbeitet er als Literaturkritiker f├╝r den amerikanischen ├Âffentlich-rechtlichen Rundfunk und als Kolumnist f├╝r die Detroit Free Press.

Lev Raphael
Das deutsche Geld

Roman
Parthas Verlag: M├Ąrz 2005
ISBN 3-86601-650-6
22,00 Euro
Seitenzahl: 224200732221675"

Jüdisches Leben Beitrag vom 18.04.2005 Sarah Ross 





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