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AVIVA-BERLIN.de 10/24/5778 - Beitrag vom 31.05.2004

Pioniere in Celluloid in der Stiftung Neue Synagoge - Centrum Judaicum
Sabine Grunwald

"Juden in der fr├╝hen Filmwelt 1910 bis 1925" hei├čt die multimediale Ausstellung, die vom 2. Februar bis Mai 2004 zu sehen ist.
Verl├Ąngert bis zum 31. Juli 2004!



Im Mittelpunkt von Ausstellung und Begleitband stehen die Produktivit├Ąt und Vielfalt der j├╝dischen Filmschaffenden in Berlin, zwischen 1910 und 1925.

Die Geschichte vom Aufbl├╝hen der Filmstadt Berlin und die Geschichte des deutschen Kinos ist (auch) eine j├╝dische Geschichte. Ob einer Jude war oder nicht, spielte in den Gr├╝nderjahren der Filmbranche keine gro├če Rolle. Wer Unternehmungsgeist, Talent und Ideen mitbrachte, bekam seine Chance an dem Aufschwung eines neuen Mediums teilzuhaben.

J├╝dische Sujets werden als Filmstoffe genauso aufgegriffen, wie andere literarische, volkst├╝mliche oder exotische Vorlagen. Alttestamentarische Stoffe wie "Das Buch Ester" oder die Golem Sage aus dem Prager Ghetto, der "Shylock von Krakau" oder die Possen der Br├╝der Herrnfeld. Deren Theater in dem Kommandantenstra├če ein gemischtes Publikum mit deftigen Scherzen aus dem ostj├╝dischen Zuwanderermilieu unterhielt.

Sie drehten Kriminalfilme, Historienschinken, phantastische Gruselfilme, exotische Abenteuer, Kammerspiele, Gro├čstadtdramen und Kom├Âdien. W├Ąhrend all diese Bilder Woche f├╝r Woche ├╝ber die Leinw├Ąnde der Gro├čst├Ądte flimmerten, entwickelte die Traumfabrik der fr├╝hen Jahre auch ihren ganz eigenen Traum. Er handelt von einem Medium, dass die Schranken von Sprachen, Nationen, Bildung oder Religion im Sturm ├╝berwinden sollte, um Menschen ├╝berall auf der Welt zu unterhalten und zu informieren.
Doch der Konflikt zwischen der bunten Internationalit├Ąt der Filmleute und dem Erstarken rechts-nationaler Tendenzen zieht sich durch die 20er Jahre.

Als Reaktion wurden in Berlin 1919-1923 zahlreiche Spielfilme gedreht, die das Thema Antisemitismus historisch aufgreifen. 1921 inszeniert der Regisseur Carl Dreyer "Die Gezeichneten". 600 russische und j├╝dische Fl├╝chtlinge wurden als StatistInnen eingesetzt und spielten Pogromszenen von beklemmendem Realismus. Ewald A. Dupontidreht 1922 "Das Alte Gesetz" und Ernst Deutsch spielt den Rabbinersohn Baruch, zerrissen zwischen Tradition und Assimilation.

Zu den j├╝dischen Filmpionieren, die den Aufbau der Filmstadt Berlin und die Geschichte eines neuen Mediums entscheidend pr├Ągten, geh├Ârte der Konfektionslehrling Ernst Lubitsch - sp├Ąter ein erfolgreicher Hollywoodregisseur - ebenso wie der Textilkaufmann Paul Davidson. Ab 1908 er├Âffnete er zahlreiche prunkvolle Lichtspielpal├Ąste in Berlin. Zehn Jahre sp├Ąter war er der wichtigste Mann f├╝r Filmproduktionen in der neu gegr├╝ndeten Ufa Der Exodus j├╝discher Filmschaffender begann bereits 1922, der eigentlichen Bl├╝tezeit des Stummfilms, denn die finanziellen Verh├Ąltnisse in Deutschland sind dr├╝ckend und Hollywood lockt mit guten Angeboten. Diejenigen, die 1933 nicht mehr zur├╝ckkehren k├Ânnen, erm├Âglichen vielen ihrer Freunde und Kollegen die Flucht und das ├ťberleben im Exil.
Eine gro├če Anzahl war einst in Osteuropa aufgebrochen, um in Berlin Lebens- und Arbeitsm├Âglichkeiten zu finden. Autoren und Regisseure wie: Karl Grune, Carl Mayer, Robert Wiene, Joe May und E.A. Dupont mussten 1933 aus Deutschland fliehen.


Stiftung Neue Synagoge - Centrum Judaicum
Oranienburger Stra├če. 28-30
10117 Berlin
Tel 030-88028-307
www.cjudaicum.de
├ľffnungszeiten:
Mo und So 10-18 Uhr, Di bis Do, 10-18 Uhr, Fr 10-14 Uhr, Samstags geschlossen
Die Ausstellung wird um zwei Monate bis zum 31.7.2004 verl├Ąngert!
Eintritt: 2,50 Euro, erm. 1,50 Euro

Das Buch zur Ausstellung
Pioniere in Celluloid Juden in der fr├╝hen Filmwelt
Hsg. Irene Stratenwerth/Hermann Simon
Henschel Verlag, Februar 2004
24,90 Euro
ISBN 3-89487-471-6200279440375"

Filmkunsthaus Babylon
Rosa-Luxemburg-Stra├če 30
10178 Berlin
Fon: 030-24 085 419
www.fkh-babylon.de


Jüdisches Leben Beitrag vom 31.05.2004 Sabine Grunwald 





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