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AVIVA-BERLIN.de 4/7/5782 - Beitrag vom 01.09.2005


Jetzt oder nie - Die Comedian Harmonists, Teil 2
Sarah Ross

Rund um die Evergreens des Gesangsensembles wird erzählt, wie die ersten 6 Gruppenmitglieder versuchen, in der Kriegs- und Nachkriegszeit Nachfolgegruppen auf die Bühne zu stellen.




Wir alle erinnern uns noch zu gut an den Kinofilm "Veronika der Lenz ist da - die Comedian Harmonists", der seit seiner Premiere 1997 große Erfolge feierte. Angefangen hatte alles mit einer kleinen Anzeige, die der soeben erst volljährig gewordene Harry Frommermann am 18.12.1927 im Berliner Lokalanzeiger aufgab.

Unter den Bewerbern blieb nur der Bassist Robert Biberti übrig, mit dessen Hilfe es bald darauf gelang, weitere Sänger zu finden, so dass bereits am 16. Januar 1928 die "Melodymakers" zu ihrer ersten Probe in Harrys Wohnung zusammenkamen.
Nach harten Proben, Entbehrungen und Enttäuschungen konnte das Ensemble im September 1928 unter dem neuen Namen "Comedian Harmonists" ein erfolgreiches Debüt in Berlin, und zwei Jahre später seinen großen Durchbruch in Leipzig feiern. Dem Ensemble, das derweil zu einem unverwechselbaren Stil, bestehend aus Schlagern, Volksliedern, Klassik und Jazz in ungewöhnlichen Arrangements und einer vollendeten Harmonie der Stimmen fand, war ein kometenhafter Aufstieg besonnen. Doch im Rausch des Erfolges nahmen sie die bedrohlichen Ereignisse in der deutschen Politik nicht ernst, obwohl drei von ihnen Juden waren. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Gruppe im Februar 1935 verboten.

Während der erste Teil eine Erfolgsstory erzählt, die in der Weimarer Republik beginnt und mit dem Jahr 1935 endet, spannt der zweite Teil "Jetzt oder nie - die Comedian Harmonists" einen zeitlichen Bogen von 1935 bis 1975. Es ist ein Stück über Berliner Schicksale zwischen den 20er Jahren, Nazideutschland, Zweitem Weltkrieg und Kaltem Krieg. Dem Autor Gottfried Greifenhagen geht es jedoch "...nicht um die historisch genaue Wiedergabe von Biografien, sondern um das Finden und Erfinden von Bildern und Situationen, die für die Bühne, die Trennung und das Weiterwirken der Comedian Harmonists in einer für Deutschland so entscheidenden Zeit lebendig werden lassen".

Nachdem die Comedian Harmonists von den Nazis verboten wurden, trennte sich die Gruppe. Der arische Teil, bestehend aus Erwin Bootz (Jörg Daniel Heinzmann), Robert Biberti (Johannes Schwärsky) und Ari Leschnikoff (Thorsten Hennig) bleibt in Deutschland. Sie finden drei neue Sänger und nennen sich fortan "Meistersextett". Die jüdischen Mitglieder des früheren Ensembles, Harry Frommermann (Samuel Streiff), Roman Cycowski (Alexander Franzen) und Erich A. Collin (Paul Hörmann) suchen - wie viele andere von den Nationalsozialisten vertriebene KünstlerInnen - Zuflucht in Wien. Hier gründet Frommermann eine Nachfolgetruppe, die unter dem Namen "Comedy Harmonists" auftritt. Auch das neue Gesangsensemble feiert weltweit Erfolge.
Als die Truppe beginnt, sich in Wien heimisch zu fühlen, muss sie erneut vor den Nazis fliehen. Es geht nach Zürich, von dort nach London und schließlich über den großen Teich. Das daheim gebliebene Meistersextett hat hingegen nicht nur damit zu kämpfen, das Niveau der früheren "Comedian Harmonists" zu erreichen: Da die Reichsmusikkammer die Aufführung von Stücken jüdischer KomponistInnen und TexterInnen verbietet, wird die Repertoire-Gestaltung zu einem großen Problem. Ein großer Teil der alten Erfolgstitel war für das "Meistersextett" tabu, und so stimmt es derweil in Deutschland "forsch und lustig" deutsches Liedgut an.
Beide Nachfolgegruppen lösten sich 1941 endgültig auf und ihre Musik sowie ihre Schicksale gerieten in Vergessenheit.

Im Zentrum des Theaterstücks steht natürlich auch die Musik der "Comedian Harmonists", neben den bekannten Evergreens stehen auch musikalisch einmalige Entdeckungen auf dem Programm.


"Jetzt oder nie - Die Comedian Harmonists, Teil 2"
bis 9. Oktober 2005 im Theater am Kurfürstendamm
Karten & Info: unter Tel. 030/88 59 11 88
Kartenpreise: So bis Do 33/22/11 Euro (ab 1. Oktober 35/24/12 Euro) und Fr/Sa 38/27/16 Euro (ab 1. Oktober 39/28/17 Euro). Premiere 45/34/23 Euro (ab 1. Oktober 47/36/24 Euro).
Ab 1. Oktober 2005: Preise inklusive Programmheft, Voraufführungen 19 Euro auf allen Plätzen
KOMÖDIE um VIER 19 Euro (nur mittwochs) auf allen Plätzen
Karten 030/88 59 11 88 und
unter www.komoedie-berlin.de


Jüdisches Leben

Beitrag vom 01.09.2005

Sarah Ross 






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