Dem Deutschen Volke, Sonderausstellung im Jüdischen Museum - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Juedisches Leben



AVIVA-BERLIN.de 10/20/5781 - Beitrag vom 26.03.2003


Dem Deutschen Volke, Sonderausstellung im Jüdischen Museum
Natasa Konopitzky

Die Geschichte der Berliner Bronzegießerfamilie Loevy in Verbindung mit der Inschrift am Reichstagsgebäude




Die ifa-Galerie in Berlin wählte künstlerische Positionen aus, die - wie Leila Danziger (Brasilien) und Esther Shalev-Gerz (Israel/Frankreich) - Einzelschicksale in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten stellen, oder die - wie Simcha Shirman (Israel) und Wojciech Prazmowski (Polen) - das eigene Erleben und Empfinden thematisieren.

Die Brasilianerin Leila Danziger (geb. 1962) zeigt eine Installation mit dem Titel "Greifswalder Straße 138". Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist ein Zeitungsartikel aus dem Tagesspiegel von 1994, der sich auf die Spurensuche eines jüdischen Kindermädchens begibt.
Das hauptsächliche Arbeitsmaterial der Künstlerin sind Tageszeitungen: Informationen, die am Ende des Tages in den Papierkorb wandern. Die Vorderseite wird ausgeblichen und mit Stempeln bedruckt, deren Wortlaut aus Briefen des jüdischen Kindermädchens stammt. Die Blattrückseite beleibt intakt, sodass Tagesinformationen und das Geschehen des Holocausts miteinander in Berührung kommen und Vergangenheit mit der Gegenwart verschmilzt.

Aus der 8-teiligen Serie
"Auschwitz.Appell" 2003
von Wojciech Prazmowski

Esther Shalev-Gerz (geb. 1948) hat sich wiederholt mit der Frage des Erinnerns und Gedenkens des Holocausts auseinandergesetzt. Die ifa-Galerie zeigt die Video-Installation "Geht dein Bild mich an?", die bereits 2002 im Sprengel-Museum Hannover gezeigt wurde und in die ständige Sammlung des Museums einging.
Die BesucherInnen betreten einen abgetrennten Raum. Zwei karge weiße Bänke stehen an der Seite. Großprojektionen füllen die Wände. Sie dokumentieren die Schilderungen von zwei Frauen, die den Zweiten Weltkrieg auf sehr unterschiedliche Art und Weise erlebt haben. Die eine, Charlotte Fuchs, war Schauspielerin in Hannover, die andere, Isabelle Choko, Häftling im KZ Bergen-Belsen.
Die beiden Frauen haben sich nie getroffen, und doch besteht nun durch Esther Shalev Gerz´ Arbeit eine Verbindung zwischen ihnen: Zunächst filmte die Künstlerin beide Frauen separat. Dann ging sie einen Schritt weiter und zeigte der KZ-Überlebenden die Schilderungen der Schauspielerin, umgekehrt konfrontierte sie die Schauspielerin mit der Video-Aufzeichnung der ehemals inhaftierten Frau. Während sie ihnen die Aufnahmen zeigte, hielt die Künstlerin Reaktionen und Emotionen der beiden Frauen filmisch fest.
In der Video-Installation steht die Projektion der Erzählenden der Projektion der Zuhörenden gegenüber, sodass eine Art künstliches Gespräch entsteht.

Der israelische Künstler Simcha Shirman (geb. 1947) setzt sich als Kind von Überlebenden in allen seinen Werken mit dem Holocaust auseinander.
Ausgangspunkt seiner Arbeit ist das Foto einer jungen Frau, Krystyna, das er in der Ausstellung des Konzentrationslagers Auschwitz entdeckt hat und das ihn seitdem begleitet. "Die Briefe an Krystyna ermöglichen es mir, den Umgang mit Fragen der Erinnerung (persönlicher und geschichtlicher), des ausgelöschten Gedächtnisses, von Wahrheit und Fiktion, Fragen nach dem Objekt, dem Porträt, der Wahrnehmung, dem Verlangen nach Furcht und Angst zu erhellen und zu klären".

Wojciech Prazmowski (geb. 1949) ist einer der wichtigsten polnischen Fotografen seiner Generation. In seiner künstlerischen Arbeit befasst er sich mit dem Gelebten und Gelittenen und schließt es in das Abgebildete ein. Technisch setzt er diese Idee durch die Überblendung und Schichtung mehrerer Bilder um. So auch in seiner ausgestellten Arbeit "Auschwitz.Appell", die schemenhaft Baracken und Zaunanlagen des Konzentrationslagers zeigt. Wie aus dem Nebel treten Relikte menschlicher Existenz hervor, Tallith (Gebetstücher) stellen sich wie Vorhänge dar, im Hintergrund ist schattenhaft der Ort des Grauens zu erkennen.



Bilder des Erinnerns und des Verschwindens
ifa-Galerie Berlin

Linienstraße 139/140
10 115 Berlin
Fon: 030. 22 67 96 16
www.ifa.de
Ausstellungsdauer: 21. März bis 25. Mai 2003
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 14 bis 19 Uhr


Jüdisches Leben

Beitrag vom 26.03.2003

AVIVA-Redaktion 






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