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AVIVA-BERLIN.de 11/16/5781 - Beitrag vom 24.02.2006


News From Home. Retrospektive Amos Gitai
Sarah Ross

Im Rahmen des neuen Berlinale-Programms "Forum expanded", das vom 21.02. bis 31.03.2006 stattfindet, bildet der neue Film des israelischen Filmemachers den Auftakt.




Amos Gitai, der 1950 als Sohn russischer Einwanderer in Haifa geboren wurde, gilt als eine der Galionsfiguren des israelischen Kinos. In seinem Werk, das bereits über 40 Filme umfasst, thematisiert Gitai Aspekte der jüdischen Geschichte und Gegenwart. Dabei bedient er sich vielfältigster Genres, wie dem Dokumentarfilm, der Doku-Fiction und des Spielfilms, von denen bereits einige auf internationalen Festivals ausgezeichnet wurden. Mit seinem jüngsten Film News From Home/News From House (2006) schließt der israelische Filmemacher seine House-Trilogie ab. Begonnen hatte diese mit dem Film Bait (House, 1982), dem im Jahr 1998 der zweite Teil mit dem Titel A House In Jerusalem folgte.
News From Home / News From House ist der Auftakt zu einer umfangreichen Gesamtschau, die im Februar im Rahmen des neuen Berlinale-Programms "Forum expanded" beginnt und bis Ende März mit einer Retrospektive im Kino Arsenal fortgesetzt wird.

In seiner House-Trilogie erzählt Amos Gitai anhand eines Westjerusalemer Hauses die Geschichte des Nahostkonflikts. Nach 25 Jahren begibt er sich erneut auf die Spuren seiner BewohnerInnen und reflektiert gleichzeitig über seine historisch gewordene filmische Arbeit. In einer Multi-Kanal-Installation stellt er in dem letzten Film seines Dreiteilers auf 20 Monitoren Verbindungen zwischen Filmbildern der House-Trilogie aus 25 Jahren her. Er nimmt ihren nichtlinearen, konzentrischen Charakter auf und ordnet das Material in Episoden räumlich an.

Dass Amos Gitai seinem Vater Munio Gitai-Weinraub, einem berühmten Bauhaus-Architekten, folgte und in seiner Heimatstadt Mitte der 70er Jahre Architektur studierte, was er 1986 in den USA mit einer Promotion abschloss, kommt in seinen Filmen immer wieder durch. Er ist stets um eine Perspektive in seinen Werken bemüht, die den Aufbau, die Konstruktion, die Balken im Gefüge der Gesellschaft offenbaren. So erzählt also der erste Film seiner Trilogie die wechselvolle Geschichte eines Hauses in West-Jerusalem, das 1948 von seinem Besitzer, einem palästinensischen Arzt, verlassen und von der israelischen Regierung requiriert wird. Acht Jahre später wohnen darin jüdische Einwanderer aus Algerien, bis es Ende der 70er Jahre von einem israelischen Universitätsprofessor gekauft wird, der es mit Hilfe palästinensischer Arbeiter in eine Villa umbauen will. Bait ist "ein Film über die Politik und Geographie des Eigentums". Der Film wurde zensiert.
Achtzehn Jahre später kehrt Gitai zu dem Haus zurück und zeichnet in seinem zweiten Film der House-Trilogie die Veränderungen an dem Gebäude und auch in der Gegend nach. Er trifft den ursprünglichen Besitzer des Hauses wieder, einen palästinensischen Arzt, dessen Familie immer noch unter der Enteignung vor über 50 Jahren leidet. In seinem letzten Film nimmt Gitai schließlich mit ruhigen Kamerabewegungen die Veränderungen wahr, die im Mikrokosmos der zusammenlebenden israelischen und palästinensischen Gemeinschaft und im Umfeld des Hauses geschahen und geschehen.

Was die Arbeit des israelischen Filmemachers, der heute abwechselnd in den USA, Frankreich und Israel lebt, auszeichnet, ist das Gleichgewicht, mit dem er den Konflikt zwischen Israel und Palästina in seinen Filmen darstellt.
Er stellt keine eindimensionale Perspektive dar, sondern versucht, beide Seiten gleichberechtigt in seiner filmischen Erzählung und Argumentation zu berücksichtigen. Der Konsistenz des jüdischen Staates ist er sich voll und ganz bewusst, doch wirft er in seinen Filmen stets einen neuen, kritischen Blick darauf, und bietet alternative Sichtweisen.

In deutschen Kinos waren bisher nur wenige seiner Filme zu sehen.
Mit insgesamt 30 Filmen, darunter auch eine Auswahl seiner frühen Super8-Filme, stellt das Kino Arsenal Eckpunke seines filmischen Schaffens und seinen Werdegang als Regisseur dar. Die Retrospektive im Kino Arsenal beginnt mit der House- und der Wadi-Trilogie.

Zum Forum expanded:
Erstmalig präsentiert das Forum in Zusammenarbeit mit den KW Institute for Contemporary Art (Kunst-Werke) eine aktuelle Auswahl an Film-, Video- und Rauminstallationen sowie eine Video-Musikperformance. Im Blickpunkt stehen kinematografische Arbeiten, die eine Präsentation außerhalb der räumlichen oder zeitlichen Koordinaten des Kinos verlangen. Forum expanded trägt damit den durchlässiger werdenden Grenzen zwischen Bildender Kunst und Kino Rechnung. Das diesjährige Programm ist ein Pilotprojekt, in dem einige Künstler vertreten sind, deren filmische Arbeiten bereits in der Vergangenheit im Forum zu sehen waren und die nun den Kinosaal verlassen. Andere kommen aus der Bildenden Kunst und erforschen Ästhetiken des Filmmaterials, der Montage oder des Dispositivs. Künftig sollen installative und performative Arbeiten, die aus der Beschäftigung mit dem Kino heraus entstanden sind, im Rahmen der Berlinale regelmäßig eine Plattform finden.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.kw-berlin.de, www.fdk-berlin.de und www.berlinale.de.

Amos Gitai
"House"-Trilogie (1980-2006)

Im Kino Arsenal 1 & 2
Potsdamer Straße 2
10785 Berlin

Bait (House)
IL 1980, Dokumentation, OmU 51’
Wann: Di 21.2. 19 Uhr und Mi 22.2.19.30 Uhr.

A House in Jerusalem
IL/FR 1998, Dokumentation, OmU 90’
Wann: Mi 22.2., 21 Uhr und So 26.2., 19.30 Uhr

News From Home/News From House
IL/BE/FR 2006, Dokumentation, OmU 97’
Wann: Do 23.2., 21 Uhr

Beachten Sie auch folgende Publikation:
Amos Gitai – News From Home
Hrsg. Berlinale, KW Institute for Contemporary Art und Verlag der Buchhandlung Walther König
Die erste deutsch/englischsprachige Publikation über den israelischen Filmemacher Amos Gitai, mit Beiträgen von Jean-Michel Frodon, Paul Willemen, Irma Klein, Annette Michelson und Amos Gitai, umfasst sowohl die House-Trilogie als auch seine jüngsten Filme. Der Band schließt eine erste vollständige Filmografie des Filmemachers mit ein.
34,- Euro



Jüdisches Leben

Beitrag vom 24.02.2006

Sarah Ross 






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