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AVIVA-BERLIN.de 1/27/5782 - Beitrag vom 24.02.2006


Trauer um den grausam ermordeten Pariser Juden Ilan Halimi
Sarah Ross

Nach dem Foltermord an dem jüdischen Verkäufer in Paris wurden sieben Tatverdächtige inhaftiert und der mutmaßliche Haupttäter, Youssouf Fofana, konnte an der Elfenbeinküste gefasst werden.




NEWSDie Jerusalem Post berichtet am 24. Februar 2006, dass die Pariser Vorstadtbande, die Ilan Halimi entführte, mit der Hamas in Verbindung stehen soll.
Den Artikel aus der Jerusalem Post finden Sie hier.

Am 21. Januar 2006 wurde der 23-jährige, jüdische Verkäufer Ilan Halimi von einer jungen Frau in eine Falle gelockt und von einer Pariser Vorstadt-Bande, die sich selbst "die Barbaren" nennt, drei Wochen lang gefoltert.
Am 13 Februar fand man Halimi schließlich mit Brand- und Folterwunden sterbend bei einem Bahnhof in der Nähe von Paris. Derweil haben die Pariser Behörden, die das Motiv der antisemitischen Gewalt in die Ermittlungen miteinbezogen, sieben Tatverdächtige verhaftet. Auch der Kopf der Bande, Youssouf Fofana, der sich in die Elfenbeinküste absetzten konnte, wurde nun bei einer Straßensperre in Abidjan gefasst.

Laut dem belgischen TV- und Hörfunksender BRF finden heute in den Hauptsynagogen in Paris und Brüssel Gedenkfeiern für den ermordeten Ilan Halimi statt. Neben Staatspräsident Chirac und Premierminister Dominique de Villepin planen auch Führer der muslimischen Gemeinde, an der Zeremonie teilzunehmen. In der französischen Hauptstadt sei zudem für den kommenden Sonntag eine große Demonstration gegen Antisemitismus und Rassismus geplant.

Ilan Halimi starb nicht nur aus Habgier, sondern auch wegen eines Jahrhunderte alten, antisemitischen Weltbildes, das immer noch in den Köpfen von Menschen im 21. Jahrhundert herumschwirrt. Die Jugendbande aus dem Pariser Einwanderermilieu beabsichtigte durch die Entführung ein Lösegeld von 450.000 Euro zu erpressen. Warum gerade der jüdische Verkäufer dieser Bande zum Opfer fiel ist genauso simpel wie erschreckend: Sie hatten Ilan Halimi ausgesucht, weil er Jude war! Und ein Jude, so deren Schlussfolgerung, hat Geld.
Allein dieses judenfeindliche Stereotyp, das Juden mit Reichtum gleichsetzt, sorgte in Frankreich für großes Entsetzen.

Zwar legte der 25-jährige Haupttäter Youssouf Fofana, der sich selbst als das "Hirn der Barbaren" bezeichnet, nach Polizeiangaben ein Teilgeständnis ab, doch leugnet er bisher jegliche antisemitische Hintergründe der grausamen Tat. Unter den insgesamt 13 Verdächtigen, die Halimi in einer Sozialwohnung in Bagneux gefangen gehalten haben, sind auch drei Frauen, gegen die nun ein Verfahren eingeleitet wurde. Die Mitglieder der Bande sind unterschiedlicher Hautfarben und Herkunft: Unter ihnen sind Weiße, arabischstämmige Franzosen und Schwarze – fast alle arbeitslos und zwischen 17 und 32 Jahre alt.
Es heißt, dass die Erpresserband zudem noch in sechs weitere Entführungen verwickelt sein soll.

Was bei diesem Verbrechen ins Auge fällt ist, dass aufgrund der schweren Verletzungen des Opfers die ausgeübte Gewalt nicht unmittelbar an den Zweck der Erpressung gebunden war. So wurden auch die Angehörigen von Ilan Halimi nicht mittels Fotos von seinen Verletzungen unter Druck gesetzt. Ob nun wirklich nur die finanzielle Habgier der Täter das Hauptmotiv für den Foltermord an dem Pariser Juden war, erscheint vor diesem Hintergrund doch sehr fraglich. Und ob der Mord an Ilan Halimi nun auf die Karte der unkontrollierten Jugendkriminalität in den Vorstädten, oder auf die des moslemischen Judenhasses in Frankreich geht, sei den ErmittlerInnen überlassen.

Fest steht jedoch, dass ein nicht unerheblicher Teil von den 600.000 in Frankreich lebenden Juden und Jüdinnen (viele von ihnen stammen aus den Exkolonien in Nordafrika) inmitten der moslemischen MigrantInnen-Familien wohnen. Sie sind bereits mehrmals Opfer des Hasses geworden und ihre Besorgnis nimmt mit diesem Verbrechen weiterhin zu. Dass Ilan Halimi der Sohn einer allein erziehenden Mutter von drei Kindern war und nur ein kleines Angestelltengehalt besaß, interessierte niemanden der EntführerInnen!

Weitere Hintergrundinformationen finden Sie unter:
www.hagalil.com, www.swr.de, www.swissinfo.org und www.brf.be



Jüdisches Leben

Beitrag vom 24.02.2006

Sarah Ross 






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