Zur jüdischen Religion übertreten - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Juedisches Leben



AVIVA-BERLIN.de 11/16/5781 - Beitrag vom 30.05.2006


Zur jüdischen Religion übertreten
Elisa Klapheck

Konversionen aus theologischen Gründen? Judentum ist nicht nur eine Religion, sondern auch eine Kultur und vor allem eine Schicksalsgemeinschaft. Ein Beitrag von Rabbinerin Elisa Klapheck




Stimmt es, dass man nicht zum Judentum übertreten kann, oder es einem zumindest sehr schwer gemacht wird?

Die Antwort ist klar. Natürlich kann man zur jüdischen Religion übertreten. Man kann hierfür den orthodoxen oder den liberalen Weg einschlagen. Aber es ist nicht ganz einfach. Ein so genanntes Glaubensbekenntnis - eine Formel oder eine Zeremonie - reicht nicht aus. Man muss mitunter mehrere Jahre bei einem Rabbiner oder einer Rabbinerin die Grundlagen des Judentums gelernt haben, bevor man übertreten kann.

Doch ganz ehrlich: Ich habe Vorbehalte gegenüber Konversionen aus rein theologischen Gründen.

Judentum ist eben nicht nur eine Religion, sondern auch eine Kultur und vor allem eine Schicksalsgemeinschaft. Ich begrüße Übertritte von Menschen, die einen jüdischen Hintergrund haben - sprich jüdische Vorfahren, aber eben nicht die erforderliche jüdische Mutter, die einen automatisch zum Juden macht. Von denen gibt es mittlerweile Tausende - Menschen z.B. aus der Sowjetunion, die sich nicht um die jüdischen Gesetze scherte und sie automatisch zu Juden erklärte, wenn der Vater Jude war. Aber auch hierzulande geborene Menschen, deren Großeltern sich vom Judentum gelöst hatten, Ehen mit Nichtjuden eingingen, und deren Enkel sich nun 60 Jahre nach der Schoa immer noch mit den anderen Juden verbunden fühlen.

Aber eine Konversion aus rein theologischen Gründen?

Es könne doch vorkommen, dass man vom christlichen Glauben nicht überzeugt sei, dafür aber ganz vom jüdischen - wurde mir unlängst entgegnet.

Mein Einwand hierzu: Allein schon die Betonung des "Glaubens" ist typisch für eine christliche Religionsauffassung. Oft bleiben die christlichen Denkstrukturen auch nach der Konversion erhalten. Lieber wäre es mir daher, wenn Christen und Muslime, das, was ihnen fehlt und sie im Judentum vermuten, in ihrer jeweils eigenen Religion einbringen würden, damit diese nicht erstarrt, sondern lebendig den Herausforderungen der Gegenwart begegnet. Auch Juden müssen heute ihre Tradition neu auslegen und auf die Gegenwart beziehen. Dabei können Konvertiten, die meinen, im wahren Glauben angekommen zu sein und diesen strenger als die meisten Juden praktizieren, die Auseinandersetzung eher hemmen als fördern.

Deshalb wünschen sich Juden wie ich aufgeschlossene Christen und Muslime, die ihre eigene Religion in Bewegung bringen - statt die Seite zu wechseln. Denn es gibt keine besseren oder schlechteren Religionen, nicht die eine Wahrheit, verkörpert in der einen "richtigen" Religion. Gerade heute sollten wir uns konstruktiv-kritisch unserer jeweils eigenen Religion zuwenden - auch um das Feld nicht den Falschen zu überlassen.

Mehr zu Rabbinerin Elisa Klapheck im Interview mit AVIVA-Berlin von 2004.

Lesen Sie auch mehr über Elisa Klaphecks Buch So bin ich Rabbinerin geworden.

Ein Hinweis in eigener Sache: die Rubrik "Religion" wurde ermöglicht durch Mittel der Stiftung Zurückgeben zur Förderung Jüdischer Frauen in Kunst und Wissenschaft.


Jüdisches Leben

Beitrag vom 30.05.2006

AVIVA-Redaktion 






AVIVA-News bestellen
  AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter



Hila Amit - Hebräisch für Alle. Von der Sprache zur Vielfalt.

. . . . PR . . . .

Hila Amit - Hebräisch für Alle
Das erste queere und feministische Hebräisch-Lehrbuch in Deutschland. Das Arbeitsbuch enthält zahlreiche lebensnahe Beispiele und Übungen, um den Wortschatz direkt anzuwenden und zu verinnerlichen.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.edition-assemblage.de

Esther Dischereit - Mama, darf ich das Deutschlandlied singen. Politische Texte

. . . . PR . . . .

Esther Dischereit - Mama, darf ich das Deutschlandlied singen. Politische Texte
Jüdisch. Solidarisch. Antirassistisch. Der Essayband mit einem Vorwort von Aleida Assmann knüpft an die beiden Aufsatzbände "Übungen jüdisch zu sein" und "Mit Eichmann an der Börse" an.
Mehr zur Autorin, zum Buch, sowie Bestellung unter: www.mandelbaum.at

Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Mit Dr. Lea Wohl von Haselberg, Veronika Kracher, Dr. Ingrid Strobl, Dr. Michal B Ron. Moderiert von Sharon Adler. Im Rahmen der Ausstellung mit Werken von Elianna Renner und Sharon Paz bei alpha nova & galerie futura

Es war einmal ein Töpfchen

. . . . PR . . . .

Es war einmal ein Töpfchen
Alona Frankels "Sir haSirim" (Hebr., der Topf der Töpfe) gilt als erstes Kleinkinderbuch zum Thema "Töpfchentraining". Der israelische Kinderbuchklassiker aus dem Jahr 1975 ist jetzt auf Deutsch erschienen!
Mehr Infos zu den Büchern und zum Ariella Verlag unter:
www.ariella-verlag.de

Rosh HaShana 5781 - Shana tova u-metuka!

AVIVA wishes you a sweet, healthy and happy Rosh HaShana!
AVIVA wünscht ein süßes, glückliches, friedliches und gesundes Neues Jahr 5781!

Wir leben in Wohnungen mit Vergangenheit


Kooperationen

HentrichHentrich
Jewish Womens Archive
Jüdisches Museum Berlin
JVHS
Bet Debora
Hagalil
Ohel Hachidusch