Exil in Shanghai - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Juedisches Leben



AVIVA-BERLIN.de 11/16/5781 - Beitrag vom 27.10.2005


Exil in Shanghai
Katrin Brummund

"Geschichte durch Geschichten erzählen" - so könnte das Motto des Rafael Roth Learning Centers lauten. Eine multimediale Erzähleinheit informiert über das Leben jüdischer Flüchtlinge in Shanghai.




Eine zusammengewürfelte Gesellschaft an Deck eines italienischen Luxusliners, eine bunte Kinderschar an Bord der Transsibirischen Eisenbahn: Touristen auf der Reise in den sonnigen Süden? - Könnte man meinen.
Doch die vermeintlichen UrlauberInnen, die hier sonnengeblendet in die Kamera blinzeln, sind jüdische Flüchtlinge auf dem Weg ins Exil, einen Ort, den viele später als "die Hölle" bezeichnen werden.

Nach dem Novemberpogrom von 1938 stiegen die Auswanderungszahlen für die noch in Deutschland lebenden Juden und Jüdinnen rapide an. Für begehrte Exilländer wie die Vereinigten Staaten, Großbritannien oder Palästina galten längst Einreisebeschränkungen. Der einzige Ort der Welt, der 1938 noch ohne Auflagen zu erreichen war, war die chinesische Millionenstadt Shanghai, das "Exil der kleinen Leute".

Knapp 20 000 Menschen gelang bis 1941 die Emigration. Nach der wochenlangen Anreise sahen die Flüchtlinge in Shanghai einer ungewissen Zukunft entgegen. Die meisten der jüdischen ExilantInnen waren mittellos, hatten ihre letzten Ersparnisse für den Schiffstransfer ausgegeben. Hunger, Arbeitslosigkeit und kalte Winter erwartete sie in der Hafenstadt.

© Jüdisches Museum BerlinW. Michael Blumenthal, Direktor des Jüdischen Museums Berlin und selbst "Shanghait" erinnert sich: "Shanghai war eine Insel, um die herum der Chinesisch-Japanische Krieg tobte, es gab dort kaum Gesetze und noch weniger Arbeit, das Klima war ungesund, es herrschte Willkürjustiz, Verbrechen und unvorstellbare Armut [...] Kurzum, Shanghai war das Exil letzter Wahl."

Das armselige Leben überstanden viele ExilantInnen nur mit der hoffnungvollen Aussicht auf ein Leben nach dem Krieg. Diese "Zwischenstationsmentalität" führte nach der Kapitulation Japans im August 1945 zu einer rasch einsetzenden Weiterwanderung der Flüchtlinge: Auf der Suche nach Angehörigen zog es die meisten "Shanghailänder" in die USA oder nach Palästina, nur ein geringer Teil kehrte in die Heimat nach Deutschland bzw. Österreich zurück.

Anhand von Fotos, Videos und Audios können sich die BesucherInnen des Rafael Roth Learning Centers die Geschichte von W. Michael Blumenthal und vieler anderer Shanghai-Exilanten vergegenwärtigen. Auf 500 Quadratmetern stehen 20 Computer-Stationen bereit, die mittels dieser und anderer "multimedialer Geschichten" über deutsch-jüdische Geschichte und Kultur informieren.



Exil in Shanghai
Eine multimediale Geschichte im Rafael Roth Learning Center
Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9-14
10969 Berlin
Tel.: 030 - 25 99 33 00
Fax: 030 - 25 99 34 09
www.jmberlin.de




Jüdisches Leben

Beitrag vom 27.10.2005

Katrin Brummund 






AVIVA-News bestellen
  AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter



Hila Amit - Hebräisch für Alle. Von der Sprache zur Vielfalt.

. . . . PR . . . .

Hila Amit - Hebräisch für Alle
Das erste queere und feministische Hebräisch-Lehrbuch in Deutschland. Das Arbeitsbuch enthält zahlreiche lebensnahe Beispiele und Übungen, um den Wortschatz direkt anzuwenden und zu verinnerlichen.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.edition-assemblage.de

Esther Dischereit - Mama, darf ich das Deutschlandlied singen. Politische Texte

. . . . PR . . . .

Esther Dischereit - Mama, darf ich das Deutschlandlied singen. Politische Texte
Jüdisch. Solidarisch. Antirassistisch. Der Essayband mit einem Vorwort von Aleida Assmann knüpft an die beiden Aufsatzbände "Übungen jüdisch zu sein" und "Mit Eichmann an der Börse" an.
Mehr zur Autorin, zum Buch, sowie Bestellung unter: www.mandelbaum.at

Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Mit Dr. Lea Wohl von Haselberg, Veronika Kracher, Dr. Ingrid Strobl, Dr. Michal B Ron. Moderiert von Sharon Adler. Im Rahmen der Ausstellung mit Werken von Elianna Renner und Sharon Paz bei alpha nova & galerie futura

Es war einmal ein Töpfchen

. . . . PR . . . .

Es war einmal ein Töpfchen
Alona Frankels "Sir haSirim" (Hebr., der Topf der Töpfe) gilt als erstes Kleinkinderbuch zum Thema "Töpfchentraining". Der israelische Kinderbuchklassiker aus dem Jahr 1975 ist jetzt auf Deutsch erschienen!
Mehr Infos zu den Büchern und zum Ariella Verlag unter:
www.ariella-verlag.de

Rosh HaShana 5781 - Shana tova u-metuka!

AVIVA wishes you a sweet, healthy and happy Rosh HaShana!
AVIVA wünscht ein süßes, glückliches, friedliches und gesundes Neues Jahr 5781!

Wir leben in Wohnungen mit Vergangenheit


Kooperationen

HentrichHentrich
Jewish Womens Archive
Jüdisches Museum Berlin
Bet Debora
Hagalil
JVHS
Ohel Hachidusch