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AVIVA-BERLIN.de 11/25/5778 - Beitrag vom 19.09.2006

AVIVA-Berlin w├╝nscht ein gl├╝ckliches 5767
Sarah Ross

Wenn am 29. Elul 5766 (22.09.06) die Sonne untergeht, beginnt das j├╝dische Neujahrsfest Rosh HaShanah. Es ist der Beginn von 10 Tagen des Nachdenkens ├╝bers vergangene Jahr und der Bu├če. Shana Tova!



Rosh HaShanah bedeutet w├Ârtlich ├╝bersetzt die "Spitze des Jahres". Es ist einer der h├Âchsten j├╝dischen Feiertage und ist weitestgehend als das j├╝dische Neujahrsfest bekannt, das am 1. und 2. Tischri (in diesem Jahr am 23. und. 24. September 2006) gefeiert wird. Doch der erste Tischri ist nicht etwa der erste Tag des nun kommenden j├╝dischen Jahres 5767, sondern der Tag, an dem die Juden die Erschaffung der Welt feiern.

Die rabbinische Literatur sowie die j├╝dische Liturgie beschreiben Rosh HaShanah vor allem als Yom HaÔÇÖDin, den Tag des Gerichts, an dem alles Vergangene gerichtet wird, man um Vergebung bittet und sich auf die spirituelle Erneuerung durch das Gebet und eine tiefgehende pers├Ânliche Reflektion besinnt. Es hei├čt, dass an Rosh HaShanah drei B├╝cher ge├Âffnet w├╝rden: eines f├╝r die vollkommen Gerechten, die in dasselbe sofort eingeschrieben werden, ein weiteres f├╝r die vollkommen B├Âsen, die ebenfalls sogleich verzeichnet werden, sowie ein drittes Buch f├╝r die Durchschnittlichen, denen Zeit bis Yom Kippur gegeben wird, dem Bu├čtag, der zehn Tage nach Rosh HaShanah gefeiert wird. Daher w├╝nscht man sich zum j├╝dischen Neujahrsfest: "Le-shanah tovah tikkatevu" ("Zu einem guten Jahr m├Âget ihr eingeschrieben werden").
Das grundlegendste Element von Rosh HaShanah ist jedoch das Blasen des Shofars, des traditionellen Widderhorns. In der Torah wird dieser Tag demnach auch als Yom Teruah bezeichnet - der Tag, an dem das Shofar als Ausdruck der Huldigung von GÔÇÖttes K├Ânigtum erklingt -, aber auch als Yom Hazikaron, als einen Tag der Erinnerung. Weltweit blicken J├╝dinnen und Juden auf die Geschichte ihres Volkes zur├╝ck und beten f├╝r Israel.

In der Synagoge feiert man Rosh HaShanah mit besonderen Gebeten, die GÔÇÖttes K├Ânigtum (Malchujot), GÔÇÖttes Gedenken an Israel zum Guten (Sichronot) und das Blasen des Shofars (Shofarot) zum Inhalt haben. W├Ąhrend des GÔÇÖttesdienstes in der Synagoge werden gute W├╝nsche, wie Shanah Tovah (ein gutes Jahr), f├╝r das kommende Jahr ausgesprochen, bevor die Gemeinde zur famili├Ąren Feier nach Hause geht. Innerhalb der Familie, aber auch unter FreundInnen und Bekannten, werden E-Cards und Gru├čkarten ausgetauscht. Zwischen Rosh HaShanah und Yom Kippur ist es Brauch, folgenden Gru├č in die Karte zu schreiben: "Le-shanah tovah tikkateivu ve-tehateimu" ("Zu einem guten Jahr m├Âget ihr eingeschrieben und versiegelt werden").

Am j├╝dischen Neujahrsfest isst man traditionell s├╝├če Speisen wie in Honig getauchte Apfelst├╝cke, um die S├╝├če des bevorstehenden Jahres sicherzustellen. Weitere s├╝├če und symboltr├Ąchtige Speisen werden beim Festessen im Kreise der Familien angeboten. Die Verkn├╝pfung von Vergangenheit und Zukunft, sowie der Rhythmus eines Jahres als Kreislauf, werden durch die Challah, dem traditionellen j├╝dischen Brot, die ringf├Ârmig gebacken wird, symbolisiert.

Weitere Informationen und Rezepte zu Rosh HaShanah finden Sie beispielsweise unter: www.ritualwell.org, www.holidays.net/highholydays und www.cyber-kitchen.com/rfcj/category.cgi?category=ROSH_HASHANAH

Taschlich ist eine weitere Symbolhandlung an Rosh HaShanah. Rabbiner Dr. Walter Homolka beschreibt es so: Was ist: Taschlich?

In der Taschlich-Zeremonie (hebr.: taschlich = "du sollst werfen") werden die eigenen S├╝nden symbolisch fortgeworfen, indem man dreimal seine Taschen aussch├╝ttelt und Staub oder auch Brotkrumen in ein flie├čendes Gew├Ąsser streut (Micha 7,19, Schabbat 153a).

Nach einer zus├Ątzlichen Interpretation dieser Symbolhandlung erinnere dies daran, dass das Schicksal der Menschen so unsicher ist wie das der Fische, die sich im Netz verfangen (R. Jeschajahu Horowitz, Schnei Luchot Habrit), oder dass Gottes achtsame F├╝rsorge, die Haschgacha, stets gegenw├Ąrtig sei, so wie auch Fische nie ihre Augen schlie├čen... Das Ritual wird traditionell am 2. Tag von Rosh HaShanah nach Mincha durchgef├╝hrt, in denjenigen liberalen Gemeinden, die nur einen Tag Rosch ha-Schana halten, am Nachmittag. Auch wenn dies bei uns keine weit verbreitete Sitte ist, lohnt es sich, darauf einzugehen.
Der Maharil, R. Jakow M├Âlln (1365-1427), ist der Erste, der diesen Brauch der aschkenasischen Juden beschreibt und in eine biblische Tradition stellt. Allerdings ist wahrscheinlich, dass dieser orthodoxe Minhag von der nichtj├╝dischen Umgebung ├╝bernommen worden ist. So beschreibt der italienische Humanist Francesco Petrarca (1304-1374) anl├Ąsslich eines Besuches in K├Âln, dass die christlichen M├Ądchen an den Rhein gehen und Blumen und Brot ins Wasser werfen, um damit Krankheit und ├ťbel zu bannen. F├╝r uns heute dr├╝ckt das Taschlich-Machen, z.B. unter Lesen des 130. Psalms, aber den Gedanken der Teschuwa aus, der die Yamim NoraÔÇÖim bestimmt. Zu den Feiertagen schafft es dar├╝ber hinaus eine zus├Ątzliche Verbundenheit mit der Natur..."

Das Team von AVIVA-Berlin w├╝nscht allen LeserInnen alles Gute, Gl├╝ck und Frieden f├╝r das Jahr 5767!rn

Shana Tova ve Chag Sameach!


Jüdisches Leben Beitrag vom 19.09.2006 Sarah Ross 





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