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AVIVA-BERLIN.de 11/23/5778 - Beitrag vom 04.10.2006

Heimat und Exil
Yvonne de Andr├ęs

Eine unbedingt sehenswerte Ausstellung zu Flucht und erzwungener Emigration deutscher Juden nach 1933 in ├╝ber neunzig L├Ąnder der Erde. Im J├╝dischen Museum Berlin zu sehen bis zum 9.04.2007.



F├╝r Michael Blumenthal, Direktor des J├╝dischen Museums in Berlin, ist diese Ausstellung eine Herzensangelegenheit. Seit der Er├Âffnung des Museums arbeitete er an dem Plan, eine detaillierte Darstellung von Flucht, Vertreibung, Emigration und erzwungenem Exil der deutschen Juden nach 1933 m├Âglich zu machen. Nun ist daraus, in Kooperation mit dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Wirklichkeit geworden. Zum ersten Mal zeigt das J├╝dische Museum Berlin die Geschichte der erzwungenen Emigration von rund 280.000 deutschen Juden in ├╝ber neunzig L├Ąnder der Erde. Es ist eine Geschichte von Verfolgung, Flucht, unterschiedlichen Wegen ins Exil und dem Neuanfang in einer neuen, fremden Welt.

Die Ausstellung erz├Ąhlt die Geschichte am Beispiel ber├╝hmter Pers├Ânlichkeiten - z. B. Walter Benjamin - aber auch ganz gew├Âhnlicher Menschen. So entschloss sich zum Beispiel Judith Bernstein - Jahrgang 1945, in Jerusalem geboren, heute in M├╝nchen lebend - nach dem Tod ihrer Mutter, Unterlagen und Zeugnisse ihrer Eltern und Gro├čeltern dem Museum zur Verf├╝gung zu stellen.
"Ich kenne" sagt sie "keinen anderen Ort, der sich f├╝r das Leben der ganz normalen Menschen interessiert. Meine Familie kam aus dem Harz, aus Bleicherode. Dieser Ort war eine gro├če Ausnahme, denn bis 1933 waren hier ├╝ber vier Prozent der Gesamtbev├Âlkerung Juden. J├╝disches Leben jenseits der gro├čen St├Ądte zu dokumentieren und zug├Ąnglich zu machen, ist mir ein wichtiges Anliegen."

Jetzt findet sie die Dokumente ihrer Gro├čeltern und Verwandten - Heiratsurkunden, Zeugnisse - in der Ausstellung und im Katalog. Auf einem Rundgang durch die Ausstellungsr├Ąume berichtet sie vom Drama hinter den Dokumenten: "F├╝r meine Familie war das sehr schwierig, denn es war eine sehr assimilierte Familie. Die Trag├Âdie war, dass sie aus dem deutschen Leben ausgesto├čen wurde. Meine beiden Gro├čv├Ąter Meyer Strau├č (geboren 1875) und Leopold Stein (geboren 1890) waren Lehrer in Gelnhausen und in Bleicherode. Sie waren deutsche Patrioten. Meine Mutter und meine Tante sind in Bleicherode geboren."

Ihre Mutter ist - nach gr├╝ndlicher Vorbereitung bei AHAWAH und Hachshara - 1934 nach Pal├Ąstina emigriert. Das kahle und sandige Pal├Ąstina blieb ihr jedoch, im Gegensatz zum Harz, immer fremd. Die Schwester der Mutter ging 1939 nach England. F├╝r die Gro├čeltern Stein, die wegen ihrer Kinder geblieben waren, war es 1939 zu sp├Ąt. Sie wurden als letzte Juden 1943 von Erfurt aus nach Auschwitz deportiert. Sie gelten als verschollen. F├╝r sie hat Judith Bernstein diesem Jahr in Bleicherode zwei Stolpersteine verlegt.
Die Ausstellung beginnt fast idyllisch. Fotos erz├Ąhlen von der scheinbar gegl├╝ckten Assimilation an das christliche deutsche B├╝rgertum. Deutsche Kultur und Bildungsideale waren ein wesentlicher Bestandteil der Identit├Ąt deutscher Juden. Die Besucherin dringt dann, von Raum zu Raum und von Dokument zu Dokument immer tiefer in die Geschichte von Verfolgung, Entrechtung und nicht selten auch von Tod ein. Unter dem Druck der Verfolgung fliehen viele deutsche Juden zun├Ąchst in die Nachbarl├Ąnder, doch diese erweisen sich - durch die sp├Ątere Besetzung - als nicht wirklich sicher. Zufluchtsorte m├╝ssen immer weiter entfernt von der Heimat gesucht werden.

Michael Blumenthal, der Flucht und Exil in Shanghai ├╝berlebt hat, erinnert sich bei der Ausstellungser├Âffnung: "Ich erz├Ąhle oft meinen deutschen Bekannten, dass ich in Geographie immer eine Eins hatte, von Anfang an. Bereits als Kind, an einer j├╝dischen Schule in Deutschland, war ich - im Alter von zehn oder elf Jahren - Experte auf der Landkarte, eben weil das Zuhause das st├Ąndige Thema war. Wo kommen wir rein, wo kommen wir hin, was passiert?"

Der erzwungene Weg ins Exil bedeutete den Wechsel in eine neue, h├Ąufig genug auch fremde Existenz. Dokumente, Puppen, Fotos, Briefe und die Stimmen von ZeitzeugInnen nehmen die BesucherInnen auf diese unfreiwilligen Weltreisen mit. So h├Ąlt die Ausstellung die Menschen und ihre Schicksale wenigstens in der Erinnerung wach, die das nationalsozialistische Deutschland gedem├╝tigt, vertrieben und in vielen F├Ąllen auch vernichtet hat. Eine Herzensangelegenheit, nicht nur f├╝r Michael Blumenthal.

AVIVA-Tipp: Die Ausstellung ├╝bernimmt einen wichtigen Beitrag in der aktuellen Debatte um Flucht und Vertreibung, sie korrigiert und setzt neue Akzente. Unbedingt sehenswert.


Heimat und Exil. Emigration der deutschen Juden nach 1933. Eine Ausstellung des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und des J├╝dischen Museums Berlin.
In Berlin zu sehen bis zum 9. April 2007. Danach wandert sie nach Bonn und Leipzig.
Weitere Informationen unter:
www.juedisches-museum-berlin.de


Jüdisches Leben Beitrag vom 04.10.2006 Yvonne de Andr├ęs 





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