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AVIVA-BERLIN.de 12/26/5780 - Beitrag vom 26.04.2020


AVIVA-Interview- + Fotoprojekt JETZT ERST RECHT: Rebecca
Sharon Adler, Rebecca Rogowski

"Du Jude", Hassmails, Rechte Hetze im Rap oder faschistoide Verschwörungsideologien in der Corona-Krise. Das Attentat in Halle. Erfahrungen, Perspektiven und Forderungen jüdischer Menschen zu Antisemitismus in Deutschland. Um die Gedanken und Erfahrungen von jüdischen Menschen sichtbar zu machen und ihnen abseits der Statistiken ein Gesicht und eine Stimme zu geben, hat die jüdische Fotografin und Journalistin, Herausgeberin von AVIVA-Berlin, Sharon Adler ihr neues Projekt JETZT ERST RECHT! initiiert, das von der Amadeu Antonio Stiftung gefördert wird. Eine der Teilnehmer*innen ist Rebecca Rogowski. Ihr Slogan lautet: JETZT ERST RECHT! - "Müssen auf leere Solidaritätsbekundungen Taten folgen"



AVIVA:Thema Antisemitismus in Deutschland heute: Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS Berlin) hat 2018 insgesamt 1.083 antisemitische Vorfälle in Berlin erfasst. Im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 14 %. Die Zahlen des BKA belegen aktuell fünf Angriffe auf Jüdinnen/Juden pro Tag. Am 9. Oktober 2019, zu Yom Kippur, dem höchsten Feiertag im jüdischen Kalender, hat ein rechtsextremistischer, antisemitischer 27-jähriger Attentäter einen Mordanschlag auf die Synagoge in Halle verübt. Synagogen, Schulen und weitere jüdische Einrichtungen in Deutschland stehen unter Polizeischutz.
Kannst du in dem aktuellen Kontext bitte einmal genauer erläutern was du mit deinem Statement "JETZT ERST RECHT - Müssen auf leere Solidaritätsbekundungen Taten folgen" auf unserem Demo-Plakat meinst?



Rebecca Rogowski: Es gibt dieses schöne Lied von den Ärzten mit dem Namen "Deine Schuld".
In einer Strophe heißt es: "Lass uns diskutieren denn in unserm schönen Land,
Sind zumindest theoretisch alle furchtbar tolerant
Worte wollen nichts bewegen Worte tun niemandem weh
Darum lass uns drüber reden, Diskussionen sind ok".
Für mich beschreibt diese Strophe sehr schön die momentane Situation, bezüglich des Problems der Auseinandersetzung mit Antisemitismus. Nicht nur im Hinblick auf Antisemitismus, sondern eigentlich im Hinblick auf jegliche Debatten zur Diskriminierung oder eben bezüglich des sogenannten "Rechtsrucks". Es ist ja richtig und wichtig, Missstände in der Gesellschaft anzusprechen, aber gerade dann müssen auch konkrete Pläne, zum Beispiel im Hinblick auf die Neukonzipierung von Antisemitismus-Aufklärung und Bekämpfung, vorgelegt werden. Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte dies schon viel früher geschehen müssen. Es ist bezeichnend, dass es erst ein Ereignis wie den Terroranschlag in Halle braucht um diese Thematik in das Bewusstsein einer großen Öffentlichkeit zu bringen. Mir ist bewusst, dass es einige sehr lobenswerte Projekte und Organisationen gibt, welche schon lange versuchen Antisemitismus durch neue, effiziente, pädagogische Ansätze zu begegnen. Es braucht aber gerade eine Neukonzipierung der Lehrpläne in Fächern wie Geschichte, Politik oder Ethik. Dazu zählt vor allem, dass Menschen sich ihrem eigenen Antisemitismus bewusst werden und diesem begegnen.

AVIVA: Unter Kindern und Jugendlichen wird das Wort "Jude" auf Schulhöfen oder in Sozialen Netzwerken ganz offen als Schimpfwort benutzt. Zudem kommt es unter Schüler*innen immer wieder zur Gewaltbereitschaft mit antisemitischem Hintergrund, wie unter anderem aktuell ein Fall in Graz zeigt, wo ein Schüler wegen seines Davidsterns tätlich angegriffen wurde.
Hast du selbst eine solche Stimmung oder Vorfall schon einmal, zum Beispiel in deiner Schulzeit, oder im öffentlichen Raum, miterleben müssen?

Rebecca Rogowski: Um ehrlich zu sein weiß ich gar nicht, welchen der vielen Vorfälle ich hier schildern soll. Egal ob in der Schule, auf der Straße, in der Uni oder auf der Arbeit, ich musste schon einige Beschimpfungen oder unangenehme Situation aufgrund meines Jüdisch-Seins über mich ergehen lassen. In meiner Schulzeit waren diese antisemitischen Vorfälle oft eher aggressive verbale Angriffe wie z.B. die Bezeichnung "Judenschlampe", welche nicht nur antisemitisch, sondern zusätzlich auch noch misogyn ist. Ab und an kam es auch vor, dass es meinen Mitschüler*Innen scheinbar "große Freude" bereitete, in meiner Anwesenheit den "Hitlergruß" zu vollführen. Durch meinen jüngeren Bruder weiß ich, dass dies immer noch die Realität auf deutschen Schulhöfen ist. Neulich hat ihm ein Klassenkamerad erklärt, er wünschte sich, es gebe noch KZs, damit Juden wie mein Bruder dort vergast werden könnten. Tatsächlich bin ich der Meinung, dass einigen der Kinder und Jugendlichen nicht bewusst ist, welche Auswirkungen das von ihnen Gesagte bei ihrem Gegenüber auslösen kann. Oft kommt es mir vor, als wollten sie sich durch einen Tabubruch beweisen und ihr Umfeld schockieren. Andererseits denke ich auch, dass solche zu tief antisemitischen Aussagen ein Indikator dafür sind, wie stark antisemitische Stereotype immer noch in der deutschen Gesellschaft tradiert und geglaubt werden.
Hierbei ist zu bemerken, dass Antisemitismus sich nicht immer nur auf eine solche grobe Art und Weise äußert, sondern unter Anderem unterschwelligere Formen annehmen kann. So werde ich oft als stellvertretend für alle in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden gesehen und dann oft dazu genötigt, auf alle möglichen Fragen zum Judentum oder gar zu Israel zu antworten. Hinter dem scheinbar aufrichtigen Interesse steht leider allzu oft lediglich die Intention, etablierte Klischees zu festigen. Fragen zur israelischen Politik zeigen außerdem, dass es eine beängstigend große Mehrheit in Deutschland gibt, welche nicht in der Lage ist, zwischen der Angehörigkeit zum Judentum und dem israelischen Staat zu unterscheiden. In meinem Unialltag äußern sich die antisemitischen Tendenzen meiner Kommilitonen oft in sogenannter "Israelkritik", bei der klassische antisemitische Ressentiments sich bei oberflächlicher Betrachtung zunächst nur auf den israelischen Staat beziehen und angeblich nicht auf Juden im Allgemeinen. Oft erschreckt es mich, wie wenig sich die Menschen ihres eigenen Antisemitismus bewusst sind. Im letzten Semester äußerte eine meiner Kommilitonin zum Beispiel ihre Verwunderung darüber, dass ich jüdisch bin, indem sie ganz verblüfft und offen fragte: "Du bist Jüdin?" und auf meine Bejahung der Frage feststellte: "Sieht man gar nicht".

AVIVA: Warum, denkst du, kommt es sogar schon unter Kindern und Jugendlichen zu antisemitischen Denken und Gewaltbereitschaft?

Rebecca Rogowski: Wie vorhin schon bemerkt denke ich, dass dies ein Indikator dafür ist, welche zu tiefste antisemitischen Stereotype immer noch tief im Denken vieler Nicht-Juden etabliert sind und nie wirklich kritisch hinterfragt wurden. Zuerst möchte ich aber eins klarstellen: Es gibt kein Alter, in dem man sich entscheidet, Antisemit*in zu sein, es ist ein kultureller Code, der gesellschaftliches Handeln prägt. Mir ist auch nicht ganz klar, wieso man sich in der öffentlichen Debatte insbesondere über antisemitisches Denken und Gewaltbereitschaft bei Kindern und Jugendlichen so echauffiert, wenn dies doch auch unter Erwachsenen ein Problem ist. Kinder und Jugendliche werden erzogen und von ihrem Umfeld geprägt, wie können wir von der jüngeren Generation also mehr erwarten als von erwachsenen mündigen Menschen?
Es hilft natürlich auch nicht, dass in der Beschäftigung mit der Shoa Jüdinnen und Juden allzu oft erstens als "die Anderen" und dadurch auch als "die Fremden" und darüber hinaus "die Opfer" dargestellt werden. Hinzu kommt auch, dass den Kindern und Jugendlichen oft suggeriert wird, sie sollten sich schuldig fühlen anstatt ihnen zu erklären, bzw. sie zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und durch Courage und Engagement dafür zu sorgen, dass Deutschland eine pluralistische und demokratische Gesellschaft bleibt. Aus einem aufgezwungenen Schuldgefühl kann nichts Produktives entstehen, es hemmt die ehrliche Auseinandersetzung und behindert Lernprozesse.
Ich spreche hier auch keinesfalls nur von der Bekämpfung von Antisemitismus, sondern von der Bekämpfung von Diskriminierung jeglicher marginalisierter Gruppen. In Bezug auf Antisemitismus ist es auch nicht förderlich, sich lediglich auf tote Juden zu fokussieren, denn wie makaber sich dies jetzt anhören mag - mit Toten lässt sich kein Gespräch führen. Wie Gerschom Scholem schon in seinem offenen Brief an Manfred Schlösser "Wider dem Mythos vom deutsch-jüdischen Gesprächs" von 1964 schrieb: "Zu einem Gespräch gehören zwei, die auf- einander hören, die bereit sind, den anderen in dem, was er ist und darstellt, wahrzunehmen und ihm zu erwidern." Um ein solches Gespräch aber zustande kommen zu lassen, müsste in großen Teilen der Bevölkerung erst einmal das Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass es in Deutschland immer noch ein lebendiges, sich veränderndes und pluralistisches Judentum gibt, und sich dieses eben nicht nur über die Shoa und Antisemitismus definiert. Wie oft habe ich schon Formulierungen wie "Du bist meine erste Jüdin" gehört. Sätze wie diese zeigen ganz klar, dass ein Großteil der Bevölkerungen Juden nur aus Geschichtsbüchern oder eben aus den in den Medien geführten Debatten über Antisemitismus kennt, weswegen ich behaupten würde, dass für viele Menschen in diesem Land ein Jude kein Individuum sondern primär Teil einer fremden Gruppe oder ein historisches Subjekt ist. Wenn man sein Gegenüber nicht als richtigen Menschen begreift, sondern viel mehr als Repräsentanten einer ganzen abstrakten Gruppe kann dies auch dazu führen, dass die eigene Hemmschwelle mitunter sehr niedrig ist.
Aber um ehrlich zu sein kann ich hier viele Theorien aufstellen und über den Grund für antisemitische Hasstaten nachsinnen; da ich selber keine Antisemitin bin werde ich wohl die Gründe nie nachvollziehen können. Mich hat es schon früh sehr befremdet dass Antisemitismus scheinbar als "jüdisches Thema" bzw. als Thema für Juden gesehen wird. Dies ist meiner Meinung nach nicht der Fall, denn wenn es so wäre suggeriere dies, dass Jüdinnen und Juden einen aktiven Teil zu antisemitischen Denken oder Handeln beitragen würden.

AVIVA: Antisemitismus hat eine lange "Tradition", nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Darunter sind immer wieder antijüdische Verschwörungstheorien, wie aktuell in der Corona-Krise. Auf YouTube und sozialen Netzwerken wird offen gegen Jüdinnen und Juden gehetzt. Unter anderen warnte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung Felix Klein gegenüber dem Berliner "Tagesspiegel", die Pandemie würde ein Klima allgemeiner Verunsicherung schaffen, was einzelnen Personengruppen einen idealen Nährboden für Rechte Hetze liefern würde: "Es überrascht leider nicht, dass Juden und Israel Hauptziele sind."
Wie denkst du darüber?

Rebecca Rogowski: Ich selber bin im privaten Raum ja schon ganz überrascht, wenn mein Gegenüber auf mein Jüdisch-Sein nicht mit latentem Antisemitismus oder eben "Israelkritik" reagiert. Da schockiert es mich auch nicht, wenn gerade auf You Tube und in anderen sozialen Netzwerken viele Menschen sich trauen, ihre Rechte Hetze zu verbreiten. Wobei man auch bedenken muss, wie viele Verschwörungstheorien aus allen nur erdenklichen politischen Lagern momentan in Bezug auf die Corona-Krise kurieren. Durch die vermeintliche Anonymität scheint jegliches Tabu komplett aufgehoben zu sein. Bei einem historischen Rückblick lässt sich nun auch nicht leugnen, dass Antisemitismus, oder, falls man diese Unterscheidung vornehmen möchte, Antijudaismus aus der Geschichte nicht wegzureden ist. Antijudaismus durchzog die Kirchengeschichten seit ihren Anfängen. Da Juden nicht an Jesus von Nazaret als den Messias und Sohn Gottes glauben, stellten sie das kirchliche "Wahrheitsmonopol" schon durch ihr Dasein in Frage. Durch den Sozialdarwinismus des 19. Jahrhunderts kamen zu diesen primär theologisch motivierten Vorurteilen rassistische, pseudowissenschaftliche "Erkenntnisse" hinzu. Dieser rassistisch motivierte Antisemitismus wurde weiterhin vom religiös motivierten Antijudaismus unterstützt.
Was ich mit diesem kurzen Ausflug in die Geschichte versucht habe deutlich zu machen ist, dass ich nicht verstehe, wie eine Gesellschaft in der Lage ist, ihren so eminenten Antisemitismus zu negieren. Und sich dann als ganz überrascht zeigt, wenn dieses Gedankengut sich in terroristischen Anschlägen wie in Halle entlädt oder aber eben in Sozialen Netzwerken.
Dennoch, oder gerade weil dieses judenfeindliche Gedankengut unsere gesamte Geschichte durchzieht ist es umso wichtiger, dass die gesamte Gesellschaft sich dagegen positioniert. Hierbei zählt jeder Einzelne! Im babylonischen Talmud steht nicht ohne Grund der Appell: "Jeder einzelne soll sich sagen: Für mich ist die Welt erschaffen worden, daher bin ich mit verantwortlich." (Talmud Bavli Sanhedrin 7). In diesem Sinne möchte ich einen Jeden und eine Jede zur Zivilcourage auffordern, egal ob im echten Leben oder online.

AVIVA: Felix Klein forderte auch härtere Strafen für antisemitische Taten und eine neue Strategie gegen Judenfeindlichkeit.
Was denkst du darüber? Was sind deine Strategien gegen Antisemitismus, was wären deine Empfehlungen an Politik und Zivilgesellschaft?

Rebecca Rogowski: Ich denke es ist Zeit sich von dem Topos "der Wiedergutmachung" zu verabschieden.
Man hat sich in Deutschland lange Zeit darauf ausgeruht, mit "Wiedergutmachung" (alleine das Wort ist schon verdächtig!) und Gedenken seinen Teil zum "Nie wieder" beigetragen zu haben. In der Schule beschränkt Antisemitismus sich auf Auschwitz, der Weg dorthin oder gar moderne Formen sind nicht Teil des Schulunterrichts.
Es hat noch nie gereicht darüber zu reden, welch Gräueltat gegen die Menschheit die Shoa darstellt. Gedenken ist wichtig und richtig, aber einerseits sollte man überlegen und neu denken in welchen Formen dies geschieht. Und zum Andern reicht es nicht, den Toten zu gedenken. Viele Juden und Jüdinnen in Deutschland erfahren regelmäßig Antisemitismus, und das nicht in der Vergangenheit, sondern genau jetzt. Wenn die deutsche Gesellschaft in der Tat eine pluralistische und demokratische Gesellschaft sein will, muss zunächst einmal anerkannt werden, dass ein jeder Mensch Vorurteile verinnerlicht hat. Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, aber um dieses zu überwinden bedarf es nicht nur Jüdinnen und Juden die mahnend den Finger heben und auf diesen Missstand aufmerksam machen. Nein, um aktiv gegen Antisemitismus vorzugehen braucht es vor allem das Bewusstsein von nicht-jüdischen Menschen, dass auch sie eventuell das ein oder andere Vorurteil verinnerlicht haben. Erst wenn man das Kind bei Namen nennt, kann man auch effektiv und nachhaltig dagegen vorgehen.
Ich denke, es ist nicht damit getan, antisemitische Taten härter zu bestrafen, da dies auf rechtlicher Ebene oft daran scheitert, dass zunächst einmal lang und breit ausdiskutiert wird, ob eine Tat denn tatsächlich antisemitisch sei. Ich denke hierbei zum Beispiel an das Urteil bezüglich des sogenannten "Judensau"-Reliefs an der Außenfassade der Wittenberger Stadtkirche. Es ist für mich äußerst befremdlich wenn nichtjüdischen Menschen die Deutungshoheit über Antisemitismus übertragen wird und diese dann darüber entscheiden was und was nicht antisemitisch ist. Sollte nicht eher die marginalisierte Gruppe darüber entscheiden und eben nicht die Gruppe der Aggressoren?


Rebecca Dora Rogowski wurde am 16. Juni 1996 in Berlin geboren. In ihrer Kindheit wurde sie stark von ihrem Großvater mütterlicherseits geprägt. Dieser war mit seinen Eltern 1938 aus Berlin ins damalige Palästina geflohen und kam Ende der 1950er Jahre dorthin zurück. Gerade seine pluralistischen Ansichten, besonders in Bezug auf den Israel-Palästina-Konflikt, prägen sie bis heute. Trotz des größtenteils säkularen Selbstverständnisses ihrer Familie besuchte sie die Heinz-Galinski-Schule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Nach der sechsten Klasse wechselte sie an eine staatliche Gesamtschule. Der Besuch dieser Schule machte ihr zum ersten Mal bewusst, dass sie einer Minderheit in Deutschland angehörte und zeigte ihr auf, mit welchen Schwierigkeiten dies verbunden sein kann. Dies brachte sie in die Lage, sowohl ihre jüdische Identität als auch ihre familiäre Verbindung zu Israel kritischer zu beleuchten und zu hinterfragen. Nach ihrem Abitur absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr. Seit 2018 studiert Rebecca nach einem Studien-Fachwechsel an der Freien Universität Berlin Judaistik und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften. Im Rahmen ihres Studiums absolvierte sie ein Praktikum in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Botschaft des Staates Israels. Aktuell arbeitet sie als studentische Hilfskraft für Professorin Tal Ilan, eine Expertin für Genderaspekte in rabbinischer Literatur. In ihrer Bachelorarbeit untersucht sie exemplarisch die Stellung und Entwicklung von Maskulinität in rabbinischer Literatur. Rebecca wird durch das Ernst-Ludwig-Ehrlich Studienwerk gefördert, dort engagiert sie sich an dem Jüdisch-Muslimischen-Thinkthank "Karov-Qareeb".

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Um die Erfahrungen, Perspektiven und Forderungen von jüdischen Menschen in Deutschland sichtbar zu machen und ihnen abseits der Statistiken ein Gesicht und eine Stimme zu geben, hat die jüdische Fotografin und Journalistin, Herausgeberin von AVIVA-Berlin Sharon Adler ihr neues Projekt JETZT ERST RECHT! initiiert.



Mitmachen

Wenn Du auch Interesse hast, an dem Interview- + Fotoprojekt JETZT ERST RECHT! teilzunehmen, kannst Du Dich per eMail mit Sharon Adler unter sharon@aviva-berlin.de in Verbindung setzen. Bitte sende in dieser eMail Deine Motivation und einige biographische Informationen.



Gefördert wurde das Interview- + Fotoprojekt von der Amadeu Antonio Stiftung



Copyright: Gestaltet wurde das Signet JETZT ERST RECHT! von der israelischen Künstlerin Shlomit Lehavi. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich nach vorheriger schriftlicher Anfrage und Genehmigung durch AVIVA-Berlin.


Copyright Foto von Rebecca Rogowski: Rosa Linnekugel



Jüdisches Leben > JETZT ERST RECHT! Beitrag vom 26.04.2020 AVIVA-Redaktion 





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