Bewachter Alltag. Antisemitische Mentalitäten - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Juedisches Leben Veranstaltungen



AVIVA-BERLIN.de 3/5/5782 - Beitrag vom 20.01.2008


Bewachter Alltag. Antisemitische Mentalitäten
Annegret Oehme

Bis zum 27. Februar 2008 zeigt die Ausstellung in den Räumen der Amadeu Antonio Stiftung Fotos und Untersuchungen zur notwendigen aber traurigen Tatsache der Bewachung jüdischer Einrichtungen.




Ausschnitte einer verschobenen Normalität

"Muss man denn heute wirklich noch jüdische Einrichtungen beschützen? Die wollen doch nur wichtig sein!"
So oder so ähnlich klingt es allzu oft, wenn sich nichtjüdische BürgerInnen über die Tatsache äußern, dass Objekte, in denen jüdisches Leben stattfindet, unter polizeilicher Bewachung stehen oder zumindest durch Sicherheitsvorkehrungen, wie Kameras und hohe Zäunen, optisch eher einem Gefängnis gleichen.

Erst Nachrichten, wie die, dass am Mittwoch, den 16.01.2008, fünf SchülerInnen der jüdischen Oberschule Berlins angegriffen und antisemitisch beschimpft wurden, schrecken auf. Schließlich hetzten die Angreifer sogar noch einen Hund auf die Jugendlichen.

Die Notwendigkeit erhöhter Sicherheitsmaßnahmen ist nicht zu leugnen. Ist dies aber "normal"? Esra Cohen, der frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Düsseldorfs, auf deren Synagoge im Jahr 2000 ein Brandanschlag verübt worden war, äußerte sich folgendermaßen: "Wir haben ja diese Diskussion, dass es im Ungang mit jüdischen Bürgern endlich zur Normalität kommen soll. Aber was ist Normalität? Da der Antisemitismus ja ´normal´ zu sein scheint, müssten wir eher zur Unnormalität kommen, wenn wir darauf verzichten, solche Einrichtungen zu bewachen."

In der aktuellen Ausstellung "Bewachter Alltag - Antisemitische Mentalitäten - Ausschnitte einer verschobenen Normalität" zeigt die Amadeu Antonio Stiftung Statistiken antisemitischer Straftaten und die Verbreitung antisemitischer Einstellungen in Verbindung mit Photographien jüdischer Objekte. Viele jüdische Gemeinden Deutschlands, die als potentielle Fotoobjekte angefragt wurden, lehnten ab, weil sie die traurige Notwendigkeit nicht extra noch thematisieren wollten.

Mit Aufnahmen der Photographin Nele Heitmeyer, die auch für "Die Zeit" arbeitet, Interviews der Journalistin Nora Hertel und der Untersuchung zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit werden die Tatsachen dargestellt und auf gefährliche Tendenzen und diskrepante Wahrnehmungen aufmerksam gemacht.
Dabei werden nicht nur "klassisch"-antisemitische Aussagen untersucht, sondern auch auf den schleichenden Antisemitismus hingewiesen, der sich zum Beispiel in den Forderungen nach einem "Schlussstrich" unter die deutsche Vergangenheit oder Vergleichen der israelischen Palästinenserpolitik mit den nationalsozialistischen Verbrechen zeigt.
Die Ausstellung kann noch bis zum 27. Februar besichtigt werden.

Ausstellungsdauer: 18.Januar bis 27. Februar 2008
Ausstellungsort: Amadeu Antonio Stiftung
Linienstrasse 139, 4. Obergeschoss rechts
10115 Berlin-Mitte
Tel: 030-240 886 10
Fax: 030-240 886 22

Mehr Informationen zur Amadeu Antonio Stiftung: www.amadeu-antonio-stiftung.de

Lesen Sie auch unseren Beitrag "Antisemitismus in Deutschland" anlässlich des Überfalls auf jüdische Schüler am 16.01.2008 in Berlin-Mitte.

Informationen zu Rechtsextremismus und möglichen Gegenstrategien: www.mut-gegen-rechte-gewalt.de


Jüdisches Leben > Veranstaltungen

Beitrag vom 20.01.2008

AVIVA-Redaktion 






AVIVA-News bestellen
  AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter



Das Glück zu leben - The euphoria of being. Ab 30.09.2021 im Kino

. . . . PR . . . .

Das Glück zu leben - The euphoria of being
Dokumentarfilm von Réka Szabó über die Entstehung einer Tanzperformance, in der die 90-jährige Éva Fahidi im getanzten Dialog mit einer jungen Tänzerin über ihr Leben und Schicksal erzählt, als einzige ihrer Familie das KZ Auschwitz überlebt zu haben.
Mehr zum Film und der Trailer unter: www.filmkinotext.de/das-glueck-zu-leben

Esther Dischereit - Mama, darf ich das Deutschlandlied singen. Politische Texte

. . . . PR . . . .

Esther Dischereit - Mama, darf ich das Deutschlandlied singen. Politische Texte
Jüdisch. Solidarisch. Antirassistisch. Der Essayband mit einem Vorwort von Aleida Assmann knüpft an die beiden Aufsatzbände "Übungen jüdisch zu sein" und "Mit Eichmann an der Börse" an.
Mehr zur Autorin, zum Buch, sowie Bestellung unter: www.mandelbaum.at

Ich bin noch nie einem Juden begegnet …

. . . . PR . . . .

Ich bin noch nie einem Juden begegnet
»Das Geschichtenerzählen ist Teil der jüdischen DNA«, meint Peninnah Schram, Literaturprofessorin und eine der Protagonistinnen in Haase-Hindenbergs neuem Buch. In einem außergewöhnlichen literarischen Stil erzählt er von den Lebensgeschichten jüdischer Menschen in Deutschland.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellungen unter: www.edition-koerber.de

Walter Kaufmann – Welch ein Leben! Bundesweiter Kinostart am 30.9.21

. . . . PR . . . .

Walter Kaufmann. Welch ein LebenDie Lebensgeschichte des jüdischen Schriftstellers und Korrespondenten Walter Kaufmann vom Kindertransport nach Großbritannien über die DDR und um die ganze Welt erzählt dieser berührende Film.
Alle Infos, der Trailer und Termine unter: www.walterkaufmannfilm.de

Hila Amit - Hebräisch für Alle. Von der Sprache zur Vielfalt.

. . . . PR . . . .

Hila Amit - Hebräisch für Alle
Das erste queere und feministische Hebräisch-Lehrbuch in Deutschland. Das Arbeitsbuch enthält zahlreiche lebensnahe Beispiele und Übungen, um den Wortschatz direkt anzuwenden und zu verinnerlichen.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.edition-assemblage.de

Rosh HaShana 5782 - Shana tova u-metuka!

AVIVA wishes you a sweet, healthy and happy Rosh HaShana!
AVIVA wünscht ein süßes, glückliches, friedliches und gesundes Neues Jahr 5782!

Online: Die Videoaufzeichnung der Panel-Diskussion "Fragmented Narratives"

Erinnerungspolitiken im Spiegel von Rassismus und Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart.
Mit Dr. Lea Wohl von Haselberg, Veronika Kracher, Dr. Ingrid Strobl, Dr. Michal B Ron. Moderiert von Sharon Adler. Im Rahmen der Ausstellung mit Werken von Elianna Renner und Sharon Paz bei alpha nova & galerie futura

Es war einmal ein Töpfchen

. . . . PR . . . .

Es war einmal ein Töpfchen
Alona Frankels "Sir haSirim" (Hebr., der Topf der Töpfe) gilt als erstes Kleinkinderbuch zum Thema "Töpfchentraining". Der israelische Kinderbuchklassiker aus dem Jahr 1975 ist jetzt auf Deutsch erschienen!
Mehr Infos zu den Büchern und zum Ariella Verlag unter:
www.ariella-verlag.de

Wir leben in Wohnungen mit Vergangenheit


Kooperationen

HentrichHentrich
Jewish Womens Archive
Jüdisches Museum Berlin
Hagalil
JVHS
Bet Debora
Ohel Hachidusch