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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 28.06.2007


Abbey Lincoln – Abbey sings Abbey
Silvy Pommerenke

Wow - was die Dame, die mittlerweile näher an der achtzig als an der siebzig dran ist, da so musikalisch bietet, ist schlichtweg der Oberhammer! Selten ist ein Synkretismus aus Jazz, Blues und...




...Country so easy, lazy und leichtfüßig präsentiert worden, wie auf dem neuen Album der amerikanischen Sängerin.

Geboren 1930 als Anna Marie Wooldridge, nannte sie sich seit den späten fünfziger Jahren schlicht Abbey Lincoln. In ihrer mehr als fünfzigjährigen Musikkarriere hat sie über zwanzig Alben eingespielt und dabei versucht, ihrem Vorbild Billie Holiday treu zu bleiben. Dies erkennt man nicht nur anhand der drei Tribute Alben, sondern auch in der Art und Weise, wie sie ihre Songs repräsentiert. Eine etwas moderne Variante von Holiday bietet sie, die einerseits sehr traditionell, andererseits überaus modern wirkt. Es ist genau dieser Spagat zwischen alt und neu, den sie mit Bravour meistert, und der sie zu einem Unikat macht.

Die Wirkung des neuen Albums ist hypnotisch, und kommt sowohl theatralisch – im besten Sinne des Wortes – als auch pathetisch daher. Jazzsongs, die die Emanzipation der Afro-AmerikanerInnen widerspiegeln und gleichzeitig die amerikanische Kultur zeitgemäß weitertransportieren. Seit den sechziger Jahren vertrat Lincoln mit ihrem damaligen Mann Max Roach eindringlich die Forderung: "We Insist! Freedom Now." Die Vergangenheit des Sklaventums drang durch jeden Song, und man hört es noch heute in ihren Liedern. Mehr als bedauerlich, dass solche Statements öffentlich gefordert werden müssen. Andererseits bieten sie den Raum für solch großartige Songs. Aus Qualen Perlen!

Besonders selbstbewusst und cool ist denn auch die Covergestaltung. Abbey Lincoln, im unwiderstehlichen Gepardenhut und großformatiger Brille, die total relaxt an der Straße steht, als würde die Welt ausschließlich auf sie warten. Mit Sicherheit tut sie dies. Auch die afro-deutsche Sängerin Ayo. hält große Stücke von ihr, denn als sie der Musikerin das erste Mal in einem New Yorker Studio begegnete, war es ihr, als würde sie vom Licht geblendet werden ("I was blinded by the light"). Das kann man nur voll und ganz unterschreiben.

Anspieltipps: "Throw it away" bekommt durch den Einsatz von Akkordeon und Gitarre fast etwas leichtfüßig Französisches. Was bleibt, ist auch hier die Eindringlichkeit, mit der dieses Lied, das fast etwas chansonhaftes an sich hat, sich in die Hörmuscheln einbrennt: vergessen wir das, was wir verloren haben und leben unser Leben! "Bird alone", dieser Song ist wunderbar schwermütig und extrem basslastig von Miss Lincoln gesungen. Lebenserfahrung plus gereifter Stimme bieten hier den Raum für ein Lied, dass das Außenseitertum der Einzelnen zur Ode werden lassen. "Love has gone away" ist hingegen einer dieser wunderbaren Songs, die ganz in der Manier von Billie Holiday wiedergegeben werden. Zum Hinknien schön!

Weiterhören: Cassandra Wilson und Térez Montcalm

Abbey Lincoln im Netz: www.vervemusicgroup.com

AVIVA-Tipp: Mit Sicherheit ist dies ein Album der Kategorie "must have"! Jede, die im CD-Regal eine Abteilung mit ungewöhnlichen Jazzstimmen hat, kommt an Abbey Lincoln nicht vorbei. Das Album bietet genau die Ausgewogenheit von Schwermut, Leichtigkeit und Tiefsinn, die es für die Ewigkeit bestimmt. Unbedingt kaufen!

Abbey Lincoln
Abbey sings Abbey

Label: Universal / Verve, VÖ: Juni 2007
EAN: 0602498470305


Kunst + Kultur

Beitrag vom 28.06.2007

Silvy Pommerenke 






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