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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 30.05.2007


Golden Door – Soundtrack von A. Castrignano mit Songs von Nina Simone
Tatjana Zilg

Emanuele Crialese spürt in seinem dritten Spielfilm italienischen MigrantInnen nach, die zu Anfang des 20. Jh. nach Amerika ausreisen. Eine Fabel über Hoffnung, Sehnsucht und Enttäuschungen, ...




... visuell sehr beeindruckend umgesetzt.

Eine Bauernfamilie in Sizilien bestellt seit Generationen das karge Land der Insel. Gerüchte von Kartoffeln, so groß wie Kutschen, und Karotten, so lang wie Kanus, die im fernen Amerika gedeihen sollen, lassen die Hoffnung auf ein besseres Leben aufkommen. Salvatore (Vincenzo Amato), Vater von zwei Söhnen, sieht in Tagträumen riesenhafte Gemüseernten vor sich. Der tatkräftige Mann fasst den Entschluss, das Wagnis einzugehen und die beschwerliche Reise nach Amerika auf sich zu nehmen. Er überzeugt seine Söhne und seine Mutter, ihn zu begleiten.
In der Hafenstadt begegnet er bei der Anmeldung zur vierwöchigen Seereise ins Land der Träume der reizvollen, zugleich geheimnisvollen Lucy (Charlotte Gainsbourg). Zu dieser Zeit war es gesellschaftlich ungern gesehen, wenn Frauen alleine reisten. Deshalb schließt Lucy sich der Kleinfamilie an. Sie ist Engländerin und wirkt recht vornehm. Es ist allen ein Rätsel, warum sie mit einem Migrantenschiff von Italien nach Amerika auswandern möchte.
Während der Schiffsreise ist die Stimmung gedrückt. Die Erleichterung, sich für den mutigen Schritt entschlossen zu haben, steht im Widerstreit zu den Ängsten vor dem, was die MigrantInnen im unbekannten Land erwarten wird. Lucy muss sich einem speziellen Problem stellen: Frauen dürfen nur in Begleitung eines Verlobten oder Ehemanns einreisen oder wenn jemand in Amerika auf sie wartet. Deswegen schleicht ein Heiratsvermittler um sie herum, der ein lukratives Geschäft wittert.

Kurz vor New York hält das Schiff an der berüchtigten Insel Ellis Island. Dort ist die Einreisebehörde. Die MigrantInnen müssen eine Aufnahmeprozedur durchlaufen, die in ihrer Strenge und menschenverachtenden Tendenz dem heutigen Asylverfahren in nichts nachsteht. Der Unterschied ist, dass der alleinige Fokus auf der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und der körperlichen wie seelischen Gesundheit liegt. Es wird angenommen, dass nahezu alle Eigenschaften vererbbar seien.

In ausdrucksstarken Bildkompositionen erzählt Regisseur Emanuele Crialese, der mit den beiden Vorgänger-Filmen "Once we were strangers" und "Lampedusa" zu einem der wichtigsten italienischen Filmemachern der Gegenwart wurde, die Geschichte von einer Reise ins Ungewisse, die für alle Beteiligten zur Konfrontation mit inneren Sehnsüchten und Ängsten wird. Während in Sizilien noch eine entschlossene Aufbruchsstimmung vorherrscht und auch die Strapazen der Schifffahrt mit Durchhaltewillen und der Aussicht auf ein Leben in Fülle überwunden werden, sind die Tage auf Ellis Island von Desillusionierung gekennzeichnet. Die neue Welt heißt sie nicht mit Wärme und Verständnis willkommen, sondern ist an den Einreisewilligen nur interessiert, wenn sie allen Anforderungen im hohen Maße gerecht werden. Die MigrantInnen beweisen Mut und Widerstandsfähigkeit. Anstatt willenlos alles über sich ergehen zu lassen, finden sie einen Weg, die Zwänge und Auflagen zu hinterfragen, ohne ihre Existenz zu riskieren.

"Golden Door" wurde bereits mit dem UNICEF-, dem SIGNIS-Award und dem Silbernen Löwen als Beste Neuentdeckung bei den Filmfestspielen in Venedig 2006 ausgezeichnet.Zudem war der Film für den Europäischen Filmpreis 2006 in der Kategorie "Beste Regie" nominiert. Für das Silberne Band, den "Nastri d`Argento 2007", ist Crialeses archaischer Traum insgesamt viermal nominiert.

AVIVA-Tipp: DarstellerInnen wie visuelle Umsetzung bestechen gleichermaßen durch Gestik, Ausdrucksstärke und elegante Inszenierungen. Surreale Bilder, die sich durch einen ganz besonderen Charme und Witz auszeichnen, werden gekonnt in die Handlung eingestreut.



Auch der Soundtrack ist sehr hörenswert. Die Gefühlswelt aus Sehnsucht und hoffnungsvollem Optimismus, ein klein wenig von Weltfremdheit geprägt, steht im spannungsvollen Kontrast zu der späteren Konfrontation mit der Realität. Sie spiegelt sich hervorragend in den Kompositionen, die von Antonio Castrignano nach sizilianischen Traditionals arrangiert und mit vielen Klassik-Essenzen bereichert wurden. Als ganz besonderen musikalischen Leckerbissen gibt es dazu zwei Songs der Soul-Ikone Nina Simone, die erst vor kurzem den Abspann von David Lynch´s "Inland Empire" mit "Sinnerman" bereicherte und so dem Film eine letzte überraschende Wendung gab. Zufall oder nicht, genau derselbe Song schmückt auch den Abspann von "Golden Door", der ebenfalls mit einem surreal-ironischen, wundervoll inszenierten Bild die ZuschauerInnen mit einem leicht beschwingten Gefühl im Herzen in den eigenen Alltag entlässt. "Feeling Good" ist der zweite Nina Simone Song, der auf dem Soundtrack aufgenommen wurde, und überträgt auf etwas melancholischere Weise den rebellisch angehauchten Zukunftsoptimismus. AVIVA-Berlin verlost 3 CDs. Bitte schicken Sie uns bis zum 20.06.2007 eine eMail an: gewinnspiele@aviva-berlin.de.

Golden Door
Orginaltitel: Nuovomondo
Italien/Frankreich 2006, 118 Minuten
Regie und Buch: Emanuele Crialese
DarstellerInnen: Charlotte Gainsbourg, Vincenzo Amato, Aurora Quattrocchi, Francesco Casisa, Filippo Puccillo, Vinvent Schiavelli
Filmstart: 31. Mai 2007
Verleih: Prokino

Nuovomondo
Orginal-Soundtrack von Antonio Castrignano
und mit Nina Simone
Label: Vietato Il Noleggio, Sony
ISBN: 8869701052

Der Film im Web: www.goldendoor-derfilm.de/



Kunst + Kultur

Beitrag vom 30.05.2007

AVIVA-Redaktion 






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