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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 22.11.2007


Across The Universe
Tatjana Zilg

33 Beatles-Songs wählte das Filmteam um Regisseurin Julie Taymor aus, um mit ihnen die Geschichte von drei jungen Erwachsenen zu erzählen, die sich im Greenwich Village der 60er Jahre ...




... in die revolutionäre Aufbruchsstimmung dieser Zeit stürzen.

Ein ungewöhnlicher Anfang für einen Film: Ein junger Mann sitzt am Strand und singt mit hoher Intensität einen melodramatischen Beatles-Song. Zugleich schwimmt eine junge Frau im Meer. Die Bilder verschmelzen, fließen ineinander.
Die Zuschauerin freut sich auf einen künstlerisch inszenierten, anspruchsvoll Effekte einsetzenden Film.
Doch dann wird überblendet zu einer Demonstrationsszene. In recht nüchterner Weise wird von einem jungen Mann berichtet, der seinen Vater nie kennen gelernt hat und diesen nun in New York aufsucht. Die Begegnung verläuft eher enttäuschend, wie es wohl meistens in der Realität ist.

Jude (Jim Sturgess) weiß nicht so recht, was er nun mit sich anfangen soll, als er Max (Joe Anderson), einen Studenten aus verwöhnten Elternhaus, kennen lernt. Dieser entschließt sich, den Erwartungen seiner Eltern zu trotzen, schmeißt sein Studium hin und zieht zusammen mit Jude nach New York City. Nach einigem Hin und Her finden die neuen Freunde dort ein Zimmer in einer chaotischen Künstler-WG und, wem der Beginn des Filmes bisher am besten gefallen hat, kann erleichtert aufatmen. Erneut performen die HeldInnen Beatles-Songs. Am Einsatz von Effekten und Tanzchoreographien wird nicht mehr gespart. Psychedelische Farbverschmelzungen- und -aufspaltungen, Einsatz von 3-D-Animationen, innovative Kameraführung werden eingesetzt, um die besondere Stimmung der turbulenten sechziger Jahre und die Emotionen der ProtagonistInnen wiederzugeben.

Nach kurzer Zeit schließt sich den Freunden Lucy (Evan Rachel Wood), die jüngere Schwester von Max, an. Jude verliebt sich im ersten Augenblick in sie, aber es fällt ihm schwer, seine Gefühle zu offenbaren. Sehr vorsichtig, ganz entgegen der freien Liebe, die sich um sie herum in Greenwich Village entfaltet, nähern sich die Beiden aneinander an bis sie ein Paar werden, das tief zueinander hält bis die ersten größeren Missverständnisse entstehen. Beide sind mit viel Elan in der Protest-Bewegung dabei, aber werfen sich gegenseitig mangelndes Engagement vor. Die Wege trennen sich. Max wird für den Vietnamkrieg eingezogen. Doch die emotionale Verbundenheit und der freie Geist der sechziger Jahre, der ständig in der Luft liegt, lässt sie auch diese Hindernisse überwinden.
Die ZuschauerInnen können sich auf ein Happy End freuen, das den farbenprächtigen Musikfilm gelungen abrundet und mit einem glücklichen Lächeln und Beatles-Melodien im Ohr aus dem Kino entlässt.

Schon 2002 meisterte die Regisseurin Julie Taymor mit der Verfilmung der Biographie von Frida Kahlo die Gratwanderung zwischen Unterhaltungs- und Kunstfilm mit Bravour. In "Across The Universe" verbindet sie ästhetische Bilder und eindrucksvolle Effekte mit einer Erzählweise, die genug Raum für die lineare Entwicklung der Charaktere lässt und die Ereignisse selbst nicht zugunsten der visuellen Inszenierung vernachlässigt.

Der Soundtrack:
16 Titel aus dem Film wurden für die Audio-CD ausgewählt und ermöglichen einen neuen Zugang zu den Beatles-Songs, die viele MusikhörerInnen schon seit der Kindheit begleiten. Durch die sorgsame Einbindung in die Story wurden sie nicht einfach nur nachgesungen, sondern intensiv nachempfunden und bekamen teils einen veränderten Charakter, der sie umso hörenswerter macht. Mancher Song ist dadurch etwas rockiger geworden als man es vom Sound der Beat Sixties erwarten würde. Da wäre das balladeske "I Want To Hold Your Hand", gesungen von T.V. Caprio, die in der Rolle der Prudence zu sehen ist, eine WG-Mitbewohnerin von Max und Jude. Auch Evan Rachel Wood entwickelt in ihren Songs "It Won´t Be Long Here" und "Blackbird" Rockröhren-Potential. Aber nicht nur singende SchauspielerInnen bietet der Score, sondern auch Weltstars aus dem Music-Business, die im Film Nebenrollen übernommen haben. Joe Cocker singt mit unglaublicher Stimmgewalt "Come Together" und Berufs-Rebell Bono Vox interpretiert "I Am The Walrus" und "Lucy In The Sky With Diamonds".

AVIVA-Tipp: Eine ganz neue Art von Musikfilm, der durch die virulente Mischung von Musik, Handlung, Effekten, Farben und Tanz tief in das Geschehen hineinzieht und die Emotionen nachhaltig aufwirbelt.

Across The Universe
USA 2007, 132 Minuten
Regie: Julie Taymor
Drehbuch: Dick Clement, Ian La Frenais
DarstellerInnen: Evan Rachel Wood, Joe Anderson, Jim Sturgess, Dana Fuchs, Martin Luther, T.V. Carpio, Heather Janneck
Verleih: Sony Pictures
Verleih: Sony
Kinostart: 22.11.2007

Der Film im Web: www.acrosstheuniverse.com

Across The Universe
Music From The Motion Picture

Label: Sony, VÖ November 2007



Kunst + Kultur

Beitrag vom 22.11.2007

AVIVA-Redaktion 






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