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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 21.02.2008


Der lange Weg ans Licht. Ein Film von Douglas Wolfsperger
Anna Opel

Der preisgekrönte Regisseur porträtiert eine außergewöhnliche Hebamme in der sächsischen Provinz. Herausgekommen ist ein Genre-Mix mit gutem Soundtrack von Gerd Baumann, das manchmal vom Weg abkommt




Edeltraut Hertel ist ausgebildete Krankenschwester und Hebamme. Sie stammt aus Meerane, einer verschlafenen Kleinstadt in der Nähe von Chemnitz. Dort führt sie eine Hebammenpraxis und gibt Hochschwangeren die Gelegenheit, in sich hinein zu horchen und ihre Bäuche lustig anzumalen. Edeltraut Hertel hat aber noch einen anderen Wirkungskreis: sie reist immer wieder nach Tansania, wo sie ehrenamtlich als Hebamme arbeitet. Geburt unterliegt dort, das versteht sich von selbst, völlig anderen kulturellen Konventionen als hierzulande.

Edeltraut Hertel hat eine, für DDR-Verhältnisse, außergewöhnliche Arbeitsbiographie vorzuweisen, in der Wolfsperger das Potential für einen Film erkannt hat.
Afrika war schon der Sehnsuchtsort ihrer Kindheit. Um nach Afrika reisen zu dürfen, hat Edeltraut Hertel im mittleren Alter noch die Hebammenausbildung gemacht und danach einige Jahre in Tansania gelebt und gearbeitet. Das letzte Bild des Films zeigt diese etwas spröde Person beim Abschied von ihren afrikanischen FreundInnen. Sie geht nicht mit leeren Händen. Nein, sie hält ein Huhn unter dem Arm. Ein lebendiges. Und wie diese etwas klobige, liebenswerte Mitteleuropäerin mit dem Huhn eine staubige Landstraße in Afrika entlang wandert, das ist schon ein skurriles Bild.

Zwischen Meerane und Tansania hat sich Wolfsperger dem Thema Entbindung angenähert und eine lockere Dramaturgie gebaut, die der Suche nach Bildern und Situationen untergeordnet ist. Vor allem in der Kleinstadt wird er fündig. Wenn er die BewohnerInnen nach ihren Erfahrungen und Meinungen zum Thema Geburt und Geburtenrückgang befragt, geht er vor wie ein Ethnologe. Und man wird den Eindruck nicht los, dass Tansania aus Wolfspergers Sicht nicht unbedingt ferner und merkwürdiger aussieht, als Meerane.

Diese distanzierte Sicht ermöglicht so manchen Witz im Film. Wolfsperger bewegt sich damit aber oft am Rande dessen, was im Umgang mit LaiendarstellerInnen noch vertretbar ist. Mehr als einmal beschleicht die Zuschauerin das Gefühl, dass die netten MeeranerInnen vorgeführt werden, natürlich, ohne es zu merken. Etwa, wenn Wolfsperger im ortsansässigen Fotostudio dem Fotografen über die Schulter schaut, während dieser die Schwangeren mit den zukünftigen Kindsvätern porträtiert, mit Weichzeichner und in den üblichen zärtlichen Posen, in denen nicht jede/r gut aussieht. Ist das noch ein liebevoller Blick, oder macht sie hier jemand auf Kosten stilistisch weniger versierter ZeitgenossInnen lustig? Auch das Chefarztduo der Geburtsklinik macht neben der ins Bild gestellten Quietsche-Ente auf der Entbindungsbadewanne nicht unbedingt eine gute Figur.

Der ansprechende Soundtrack von Gerd Baumann, der auch die Musik für den Kinoerfolg "Wer früher stirbt ist länger tot" geschrieben hatte, stellt die Verbindungen her zwischen den einzelnen, stilistisch heterogenen Strängen: da steht im Zentrum der Lebensweg von Edeltraut Hertel, die Meeraner GeburtsspezialistInnen kommen zu Wort. Dann ist da noch das ferne Tansania, wo die Frauen unter der Geburt keinen Laut von sich geben dürfen, denn sonst ist die Familienehre beschmutzt.

AVIVA-Fazit: Etwas mehr Tiefgang im Umgang mit dem Thema Geburt und weniger Force in den recht kruden Portraits aller Mitwirkenden hätte dem Film sicher gut getan. Immerhin können Unerfahrene einiges über Geburtsvorbereitung und unterschiedliche Möglichkeiten zu entbinden erfahren. Auch manches schwierige Thema wird angeschnitten, etwa die Pränataldiagnostik und die Zumutungen, die daraus für die Schwangeren erwachsen. Vom Konkurrenzkampf zwischen Kliniken und alternativen Entbindungshäusern erfährt man nicht wirklich etwas. Beide Seiten erhalten aber ausreichend Gelegenheit, sich darzustellen. Das ist auch schon etwas wert.

Der lange Weg ans Licht
Von Douglas Wolfsperger
Mit Edeltraut Hertel u.a.
Musik von Gerd Baumann
100 Minuten
Deutschland 2007
DVD-Infos:
farbfilm home entertainment
EAN: 5050582588743
Best.Nr.: 24826347
VÖ: 23.10.2008
Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Englisch
Regionalcode: 2
Bildformat: 1:2, 35/16:9
Gesamtlaufzeit: 100 Min.
Bonusmaterial:
Entfallene Szenen, Kinotrailer
Weitere Infos unter: www.der-lange-weg.de


Kunst + Kultur

Beitrag vom 21.02.2008

AVIVA-Redaktion 






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