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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 16.08.2008


Couscous mit Fisch. La Graine et le mulet
Christiane Krämer

Monsieur Beiji will gegen alle Widerstände in einer kleinen französischen Hafenstadt seinen alten Traum verwirklichen und ein Schiffsrestaurant eröffnen. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit...




Der Film erzählt die Geschichte des Hafenarbeiters Slimani Beiji (Habib Boufares), der als Einwanderer in die kleine südfranzösische Kleinstadt kam, um mit seiner großen Familie das Glück am Meer zu finden.

La "Bonne Chance" hat Monsieur Beiji jedoch verlassen, ebenso wie seine Frau, die Werft schließt und nicht einmal mehr die Enkelkinder wollen sich über den mitgebrachten Fisch freuen. Nur in der anonymen Pension seiner neuen Liebe Latifa (Hatika Karaoui) riecht der frische Fang noch nach Meer.

Ein Traum wird wahr

Ausgeschlossen von den ausschweifenden und amüsanten Familienfesten mit Couscous und Diskussionen über Liebe, Leidenschaft und Windelpreise setzt Monsieur Beiji dem Gefühl des Versagens einen großen Traum entgegen. Zusammen mit der Tochter seiner Freundin Rym (Hafsia Herzi) kauft er einen alten Schifferkahn und baut diesen mit Hilfe der gesamten Familie zu einem Prachtschiff um, um darauf ein Restaurant zu etablieren. Dabei hat Beiji nicht mit der französischen Bürokratie gerechnet, die, feindlich gegen alles Fremde, die Zustimmung verweigert. Jetzt kommt Beiji richtig in Fahrt und lädt die Kleinstadt Bourgeoise zur Eröffnung zu Couscous und Fisch auf sein Boot, um sie so von seinem Familienprojekt zu überzeugen. Der Kampf gegen die Zeit, die ihm hierfür bleibt, wird den ZuschauerInnen durch das Warten auf das Hauptgericht unausweichlich fühlbar- bis die Feier eine unerwartete Wendung nimmt.

Ein Versuch über Leben und Leidenschaft

Der mehrfach preisgekrönte Film bringt nicht nur die Geschichte einer maghrebinischen Großfamilie in Frankreich auf die Kinoleinwand. Vielmehr studiert die Kamera die differenzierten Charaktere der Handlung und ihre kulturellen Deutungs- und Verhaltensweisen in alltäglichen Lebenssituationen.

Der tägliche Kampf der ProtagonistInnen mit den Geschlechterrollen und einem von Frauen und Männern gleichermaßen aufrecht erhaltenen Machismus tritt dabei zu Tage. Aber auch die Doppelmoral der Bourgeoisie, die alles "Fremde" verurteilt und sich gleichsam vom Exotischen angezogen fühlt und der unterschwellige Rassismus der Stadtverwaltung werden thematisiert.

Der Film entzieht sich jedoch eindeutigen Urteilen und streift stattdessen Widersprüche und Grenzüberschreitungen, welche zwischen Hafen und Meer Raum finden. Die poetischen Bilder von verfallenen und von Möwen umkreischten Hafenanlagen und dem in der Ferne glitzernden Meer ziehen die ZuschauerInnen in den Sog der Vergänglichkeit. Eindeutige Grenzen zwischen Leben und Tod, Recht und Unrecht, Erfüllung und Leere verschwimmen und alles menschliche Handeln muss ein Versuch bleiben - ein Versuch jedoch voller Liebe.

AVIVA-Tipp: Die melancholische Bildsprache zieht die ZuschauerInnen von Anbeginn in die Atmosphäre der kleinen Hafenstadt und es bleibt genug Zeit, die zahlreichen Familienmitglieder kennen zu lernen. Dabei findet die Kamera den ruhenden Pol in dem schönen und ernsten Gesicht des Monsieur Beiji, in dem die hochkochenden Gefühle der ProtagonistInnen gespiegelt werden. Die quirlige Rym kontrastiert mit ihrer ungebremsten Art ihren schwermütigen Stiefvater und erweckt ihn aus der Lethargie zu neuem Leben. Eine Geschichte um Couscous und Fisch, die spannender nicht sein könnte.


Couscous mit Fisch
Originaltitel: La Graine et le mulet
Frankreich 2007
Buch und Regie: Abdellatif Kechiche
DarstellerInnen: Habib Boufares, Hafsia Herzi, Faridah Benkhetache u.a.
Verleih: Arsenal
Lauflänge: 151 Min.
Kinostart: 28.08.2008
Der Film im Netz:
http://www.arsenalfilm.de


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Beitrag vom 16.08.2008

AVIVA-Redaktion 






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