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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 27.05.2008


Cassandras Traum – der neue Woody Allen ab 5. Juni 2008 im Kino
Anna Opel

Für zwei Brüder aus der Working-Class London entpuppt sich der Traum vom besseren Leben zum tödlichen Alptraum – Kriminaldrama mit tragischer Dimension




Der Film beginnt mit dem melancholischen Blick auf eine wunderschöne alte Segelyacht. Die Blaine-Brüder kaufen das Boot zunächst auf Pump und nennen es nach dem Hund, dessen Sieg bei einem Rennen Terry das Geld für den Kauf einbrachte: "Cassandras Traum".

Träume von einem besseren Leben

Terry (Colin Farrell) ist Automechaniker. Er liebt das Spiel und macht Schulden beim Hunderennen. Ansonsten ist er ein gutmütiger Knabe und möchte mit seiner knuddeligen Freundin Kate (Sally Hawkins) demnächst ein Häuschen kaufen. Sein Bruder Ian (Ewan McGregor) hat nach einem Herzinfarkt des Vaters die Geschäftsführung des familieneigenen Restaurants übernommen, träumt aber von Immobiliengeschäften in Kalifornien.

Beim sonntäglichen Mittagessen preist die Mutter regelmäßig die Wohltaten des reichen Onkel Howard, der sein Geld mit Privatkliniken auf der ganzen Welt gemacht hat und die Familie seit jeher großzügig unterstützt. Terry steht nach einer durchzechten Spielnacht mit einem beträchtlichen Betrag bei Kredithaien in der Kreide, und die verstehen bekanntlich keinen Spaß. Der smarte Ian hat derweil eine anspruchsvolle Frau kennen gelernt – die schöne und ehrgeizige Schauspielerin Angela (Hayley Atwell) passt perfekt in seine Vision vom glamourösen Leben auf großem Fuß. Mit schicken Autos, die er in Terrys Werkstatt ausleiht, spielt er den Mann von Welt und verausgabt sich in jeder Hinsicht. Das schöne Leben, das er sich erträumt, ist mit Angela in greifbare Nähe gerückt. Doch sie ist noch skeptisch, ob ihr smarter Freund halten kann, was er verspricht.

Alptraum ohne Erwachen

Onkel Howard (Tom Wilkinson) erscheint in dem Moment auf der Bildfläche, als beide Brüder dringend Geld brauchen. Bei einem Spaziergang im Park tragen sie Howard ihre Nöte vor. Dieser ist bereit zu helfen, fordert aber eine Gegenleistung: Ian und Terry sollen einen ehemaligen Geschäftspartner und Mitwisser seiner unsauberen Machenschaften aus dem Weg räumen. Den Brüdern gefriert das Blut in den Adern. Plötzlich sehen sie ihren untadeligen Onkel mit anderen Augen und weisen den Auftrag zunächst weit von sich. Nach kurzer Bedenkzeit beginnt Ian jedoch, seinen Bruder zu bearbeiten. Die Lösung all ihrer Probleme, ein schönes und sorgloses Leben, all das scheint so nah. Die einmalige und vielleicht einzige Chance ihres Lebens dürfen sie nicht verstreichen lassen.
Aus seiner Not heraus lässt Terry sich zwar überreden, doch mit all seinen Zweifeln und seiner Nervosität, und auch mit seinem Hang zu Alkohol und Pillen stellt er den Risikofaktor des Vorhabens dar. Dann lernt er zu allem Überfluss das zukünftige Opfer bei einer Party kennen. Für Terry hat ein Alptraum begonnen, aus dem es kein Erwachen gibt.

Leiche im Keller

Kann man Glück kaufen? Träume vom gesellschaftlichen Aufstieg und Alpträume, wie sie die Last eines Verbrechens gebiert, werden im neuen "Woody Allen" gegenübergestellt. Vor und nach der Tat, immer und immer wieder diskutieren die Brüder, die so unterschiedlich gewichtete Schuldfrage. Und während der bauchgesteuerte, zögerliche Terry am Anfang als spießiger Trottel dasteht, sickert die entschiedene Überlegenheit seiner Instinkte ins Bewusstsein der Zuschauerin ein. Dagegen steht mit der Figur des Ian die amoralische Dominanz von Geld und Erfolg, die auch durch die Coolness ihrer glamourösen Oberfläche immer im Recht zu sein scheint. Schockierend vielleicht, dass sich ohne Terrys unermüdliches Gewissen womöglich der perfekte Mord einfach durchgesetzt hätte. Dass Ian sich vielleicht ein gutes Leben hätte erkaufen können. Doch es kommt anders. Weil Terry die sündhafte Dimension des Mordes anerkannt und nicht anders kann, als sich seiner Schuld in all ihrer zerstörerischen Kraft hinzugeben. Beim letzten gemeinsamen Segeltörn der Brüder erreicht die Tragödie ihren letzten Höhepunkt.

AVIVA-Tipp: Ein nachdenklicher Film über das tragische Potential der Gegenwart. Altmeister Woody Allen erzählt seine Geschichte in gewohnt souveräner und subtiler Weise und präsentiert exzellente HauptdarstellerInnen.


Cassandras Traum
Cassandra’s dream

USA/GB 2007
Regie und Buch: Woody Allen
DarstellerInnen: Ewan McGregor, Colin Farrell, Tom Wilkinson, Sally Hawkins, Hayley Atwell
Dauer: 108 Minuten
Kinostart: 05. Juni 2008
www.cassandrastraum.film.de


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Beitrag vom 27.05.2008

AVIVA-Redaktion 






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