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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 23.07.2008


Der Mond und andere Liebhaber
Constanze Geißler

Der allein erziehenden Hanna bleibt nichts erspart. Einen Schicksalsschlag nach dem anderen muss sie in Kauf nehmen. Wie lebenswert kann das Leben in solch einer Situation sein?




Guter Mond, du gehst so stille

Seinen neuen Film "Der Mond und andere Liebhaber" hat Bernd Böhlich in einer ausgesprochen märchenhaft anmutenden Szenerie inszeniert. Die Sterne funkeln übermäßig groß am abendlichen Himmel, wo auch der honiggelbe Mond seine Bahn zieht. Währenddessen sitzen Hanna (Katharina Thalbach) und Dani (Fritzi Haberlandt) zu Hause am Computer und kundschaften potentielle Traummänner im Internet aus. Wohlige Wärme entfaltet sich und die Zuversicht entsteht, dass es das Schicksal mit den beiden Frauen sicherlich gut meinen wird.

Aufgrund betrieblicher Umstrukturierungen haben Hanna und Dani ihren Arbeitsplatz in einem Kosmetikbetrieb verloren und teilen sich nun gemeinsam die Arbeit in einer Tankstelle. Die eine Freundin übernimmt die Früh -, die andere die Spätschicht. Es ist nicht der Traumjob, den die beiden Frauen an Land gezogen haben. Wenigstens privat wollen sie das große Glück finden. Doch weit gefehlt mit der Gunst des Schicksals. Hanna erlebt gleich mehrere Katastrophen.

So eine kleine Frau

Die allein erziehende Mutter Hanna möchte nicht in Tristesse versinken. Sie ist eine Frau, die das Leben gern bunt sieht und dem Regen im Urlaub in der Türkei mit einem Lächeln auf dem Liegestuhl entgegenblickt. Doch leider ist sie kein Glückskind! Nicht nur, dass sie eine wundervoll romantische, aber nur einmalige Nacht mit dem Textilhändler Gansar (Birol Ünel) verbringt. Nein - zudem stirbt ihre Tochter bei einem Autounfall und gesundheitlich geht es mit Hanna bergab.
Dabei lässt Bernd Böhlich seine Protagonistin als eine Frau sprechen, die sich in ihrer bedingungslosen Leidenschaft gegen jegliche Zweckorientierung sträubt. Das macht Hanna so liebenswert und gibt ihr zugleich diese Tragik. Und immer schafft es der Regisseur, die Gegenwart einer weit entfernten DDR in seinen Figuren zu verankern. Das verleiht dem Film die subtile Stimmung einer einstigen Nachwendezeit.
Auf einem Live - Konzert der neu zusammengeführten, ostdeutschen Erfolgsband "Silly" - einst mit Frontfrau Tamara Danz, die 1996 an Brustkrebs verstarb, und jetzt mit Anna Loos als Frontsängerin - zeigt die lebensfrohe Hanna, wie viel Power in ihr steckt.

Doch teilweise erscheinen die Schicksalsschläge, die der gestandenen Frau widerfahren, als lose Aneinanderreihungen und fügen dem ansonsten so wunderbar inszenierten Film wenige Neuigkeiten hinzu. In dieser Konsequenz jedoch zeigt "Der Mond und andere Liebhaber" die Untiefen eines Lebens auf, das gelebt sein will - und zwar nicht ausschließlich auf der Sonnenseite!

AVIVA-Tipp: Ein großartiges SchauspielerInnen-Ensemble hat Bernd Böhlich zusammengeführt. Katharina Thalbach, die schon in dessen Vorgängerfilm "Du bist nicht allein" brillierte, verleiht ihrer Rolle eine unnachahmliche Authentizität. Gemeinsam mit Fritzi Haberlandt zeigen beide Frauen, was Tatkraft bedeutet. Auch darf Gansar, gespielt von Birol Ünel, nicht als abenteuerlicher Liebhaber fehlen. Mit seinem undurchdringbaren Charme rundet er den Kinofilm perfekt ab.

Der Mond und andere Liebhaber
Deutschland 2008
Buch/Regie: Bernd Böhlich
Darstellerinnen: Katharina Thalbach, Birol Ünel, Fritzi Haberlandt, Steffen Scheumann, Andreas Schmidt, u.a.
Länge: 101 Minuten
FSK: 12 Jahre
Kinostart: 24.07.2008
Den Soundtrack zum Film können Sie bei Neue Visionen Filmverleih bestellen.


Kunst + Kultur

Beitrag vom 23.07.2008

AVIVA-Redaktion 






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