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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2020 - Beitrag vom 07.04.2014


SCHNEE VON GESTERN. Ein Film von Yael Reuveny. Kinostart: 10. April 2014
Sharon Adler

Ihr Film "Kleine Miriam´L" wurde auf dem 12. Jüdischen Filmfestival gezeigt, nun begibt sich die in Berlin lebende israelische Filmemacherin und Stipendiatin der Stiftung Zurückgeben in dieser ...




... Dokumentation auf eine Reise an die Orte ihrer Familienvergangenheit in Israel, Deutschland und Polen.

Sieben Jahre lang hat Yael Reuveny an diesem Film gearbeitet, doch die Geschichte, die sie erzählt, begleitet sie schon viel länger. Seit ihrer frühesten Kindheit weiß sie von ihrer Großmutter mütterlicherseits um den Verlust, der deren Leben bestimmte.

Nicht nur das Wissen um die Auslöschung der Familie ist es, das die Großmutter Michla bis an ihr Lebensende traumatisiert, es ist vielmehr ein dreifaches Trauma, das in ihrem Leben den größten Raum einnimmt: Ihr Bruder Feiv´ke, totgeglaubt, beinahe wiedergefunden und dann erneut und für immer verloren.

Schritt für Schritt, Gespräch für Gespräch nähert sich die Enkelin dieser tieftraurigen Geschichte filmisch an, nicht ohne dabei ihr eigenes Leben selbstbestimmt weiterzuleben.

Die Geschwister Michla und Feiv´ke Schwarz glauben, sie seien die einzigen Überlebenden in ihrer Familie aus Wilna. Doch von einem Bekannten hört Michla, er habe ihren Bruder gesehen und sie solle am nächsten Morgen zum Bahnhof im polnischen Lodsch (Lodz) kommen. Michla wartet voller Hoffnung und Vorfreude, aber Feiv´ke kommt nicht, und sie erfährt, dass ein Feuer ein Lager für überlebende jüdische Menschen zerstört hat...
Sie weiß nicht, dass Feiv´ke noch am Leben ist und geht nach Palästina, um dort später ihre eigene Familie zu gründen, während er nach Deutschland ausgerechnet an den Ort zurückkehrt, wo er im KZ war. Er ändert seinen Namen zu Peter, heiratet eine deutsche Frau und gründet eine deutsche Familie.

Ihren Kindern und Enkeln aber lässt das nicht geglückte Treffen keine Ruhe, sie begeben sich unabhängig voneinander auf eine Recherchereise, die ihrem Leben eine neue Geschichte hinzufügt und die Erinnerung von zwei Familien und drei Generationen neu schreibt.

Dazu Yael Reuveny:

"Als Kind war ich fasziniert von dem einen Moment unserer Familiengeschichte. Ein Tag im Nachkriegs-Lodz, als meine Großmutter für einen kurzen Augenblick glaubte, dass die brutale Klaue der Geschichte ihr etwas zurückgeben würde. Später examinierte meine Großmutter diesen Moment wie ein archäologisches Artefakt, versuchte ihn zu entschlüsseln und zu rekonstruieren, immer wieder - bis er zum Rückgrat unserer Familie wurde. Was für eine Familie wären wir geworden, wenn die Welt ihr dieses kleine Wunder erlaubt hätte? Wenn Feiv´ke zum Treffen gekommen wäre?

Mit dieser Frage begann mein Arbeiten an diesem Film, vor sieben Jahren. Über die wunderbare Kraft des Kinos wollte ich Feiv´ke wieder auferstehen lassen. Doch bald fand ich heraus, dass es nicht reichen würde, einen Film über Feiv´ke und meine Großmutter zu machen. Wir kennen bereits die vielen Geschichten dieses Krieges – auf beiden Seiten, Opfer und Täter. Und dennoch helfen sie nicht zu verstehen, was damals passiert ist. Es bleibt ein unantastbarer Kern, der sich nicht begreifen lässt.
Und deswegen musste Schnee von gestern ein Film über uns werden, über ihre Kinder und Enkelkinder. Ich musste darüber erzählen, was dieser Krieg mit uns gemacht hat, sehr persönlich und intim.

Jeder Krieg ist wie ein Urknall. Ein Moment, wo die Familien zu zählen beginnen:
erste Generation, zweite Generation... Das Geschichtenerzählen dient ihnen als Überlebensinstrument. Die Geschichten erklären ihnen, wie sie zu dem geworden sind, was sie sind. Sie helfen ihnen, sich im großen Fluss der Geschichte zu positionieren und wieder Ordnung in die Katastrophe zu bringen. Wir zergliedern sie und setzen sie neu zusammen, wir belügen uns selbst, bis wir sie unser eigen nennen – damit wir damit klar kommen, was wir geerbt bekommen haben.
Das ist, was ich in diesem Film tat."


Yael Reuveny wurde in Israel geboren und absolvierte die ´Academy of Film and Television Sam Spiegel´ in Jerusalem. Sie lebt in Tel Aviv und Berlin.
Im Jahr 2009 war Yael Reuveny mit diesem Filmprojekt eine der Preisträgerinnen der Stiftung Zurückgeben, die Projektzuschüsse an jüdische Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen vergibt.

SCHNEE VON GESTERN begeisterte auf zahlreichen Festivals und erhielt folgende Auszeichnungen:

HAIFA International Film Festival 2013: Bester Dokumentarfilm
Dok Leipzig 2013: DEFA Preis für Besten Dokumentarfilm
FilmFestival Cottbus 2013: Dialogpreis

Von der Filmbewertungsstelle wurde der Film mit dem Prädikat "besonders wertvoll" ausgezeichnet

Yael Reuveny erhält für diesen Film den Gershon-Klein-Filmpreis für den besten deutschen Dokumentarfilm mit jüdischer Thematik des Jüdischen Films Berlin & Potsdam 2014.

AVIVA-Tipp: Die Dokumentation "SCHNEE VON GESTERN" macht noch einmal mehr erfahrbar wie sehr das Trauma der Shoah von der ersten bis in die Generation heute weitergegeben wurde, wie sehr sie bis heute hineinwirkt.
Die Intention der Filmemacherin Yael Reuveny, "... die Vergangenheit in ihrer ganzen Komplexität in das gegenwärtige Leben zu integrieren" ist ihr gelungen. "SCHNEE VON GESTERN" ist ein Film, der lange nachwirkt.

"SCHNEE VON GESTERN" wurde im Rahmen des 20. Jüdischen Filmfestivals Berlin & Potsdam gezeigt. Mehr Infos und der Trailer unter: www.jffb.de

SCHNEE VON GESTERN
D / Israel 2013
Ein Film von Yael Reuveny
Dokumentarfilm, 96 min.
hebr./dt./engl. dUT OmU
Kinostart: 10. April 2014
Im Verleih von Film Kino Text




(Quelle. Film Kino Text, AVIVA-Berlin, Stiftung Zurückgeben)


Kunst + Kultur

Beitrag vom 07.04.2014

Sharon Adler 






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