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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 15.04.2014


Ayọ - Ticket To The World
Philippa Schindler

Riots in London und Bleiberechts-Kämpfe von Refugees: Auf ihrem vierten Studioalbum erhebt die Soulmusikerin ihre Stimme und rappt gegen die rassistischen Ausgrenzungspolitiken europäischer Staaten




Politisch war Soul eigentlich schon immer, vor allem in seiner Blütezeit, den 1960er Jahren. Damals forderten MusikerInnen wie Aretha Franklin in ihren Songs "Respect" und James Brown sang laut: "I`m black and I´m proud". Doch heute, ein halbes Jahrhundert später, hat der ursprünglich widerständige Musikstil viel von seinem subversiven Charakter eingebüßt. Im Pop-Mainstream angekommen ist er dafür umso mehr.

Singer/Songwriterin Ayọ ist dennoch überzeugt, dass sich mit Musik nicht nur unterhalten lässt - sie kann auch als "Waffe gegen Ungerechtigkeit" eingesetzt werden. Auf ihrem im März 2014 erschienenen Longplayer "Ticket to the World" zeigt sie sich solidarisch mit der Wut vieler Menschen, die unter prekären Bedingungen leben müssen.

"Who needs a visa, if the place of birth is Universe?"

Ein Crossover von Soul, R&B, Raggae und Hip Hop - damit ist der Stil von Ayọs Platte, Nummer vier in ihrer Diskographie, wohl am besten beschrieben. Entstanden sind die fünfzehn Songs auf den unzähligen Reisen der seit jeher von Fernweh getriebenen Musikerin.
Doch ganz so eindeutig, wie manche nun glauben mögen, ist der Albumtitel "Ticket to the World" nicht gemeint. Denn die Metapher – wörtlich übersetzt als "Eintrittskarte" – steht in dem gleichnamigen Lied auch für die Einreisegenehmigung in ein fremdes Land. Ayọ verarbeitet darin die Geschichte ihrer kürzlich verstorbenen Tante aus Nigeria: Vergeblich hatte die Künstlerin versucht, sie für eine Operation nach Frankreich zu holen, aber kein Visum bekommen.

"The city`s on fire, the town is burning down."

Ähnlich scharfzüngig wie die Kritik am europäischen Asylrecht kommt auch der wütende Protestsong "Fire" daher. Er wurde, kurz nach seiner Veröffentlichung als Single, von dem kongolesisch-französischen Rapper Youssoupha geremixt. Mit kraftvollen Vocals wendet sich Ayọ gegen die selbstgefällige Ignoranz vieler PolitikerInnen, gegen Polizeigewalt und die Ghettoisierung ärmerer Bevölkerungsteile in heruntergekommenen Randbezirken. Die Ausschreitungen in London Ende 2011 gaben ihr den Anlass zu diesem aufgewühlten Liedtext. Hunderte Jugendliche randalierten damals in der Stadt, nachdem ein junger Mann bei seiner Festnahme von der Polizei erschossen wurde.

"Put yourself in their shoes, listen to their blues."

Es sind gerade diese sozialkritischen Lieder, mit denen die Singer/Songwriterin das Politische im Soul wiederentdeckt und klar macht: Die Verhältnisse müssen sich ändern. Die ganze Energie dieses Statements wird vor allem von Ayọs herausragender Gesangsstimme transportiert – im März 2014 wurde die Künstlerin mit deutschen, nigerianischen und rumänischen Wurzeln in Frankreich als Beste Sängerin mit dem Globes de Cristal Award ausgezeichnet. Treibend sind aber auch die Rap-Interludes, die den entschlossenen Rhythmus von "Ticket to the World" mit groovigen Beatschleifen verstärken.

Heart and Soul

Doch Ayọ wäre nicht eine so vielfältige Künstlerin, würde ihr auf "Ticket to the World" nicht auch der Spagat hin zu gefühlvollen und leichtherzigen Songs gelingen. Dafür stehen besonders ihre beiden Cover von Bobby Hebbs Klassiker "Sunny" – produziert für den Fernsehsender Arte und deren Summer of Soul 2013 - und dem Song "I Wonder" des verkannten Folk-Genies Sixto Rodriguez. "Ticket to the World" wird mit eingängig arrangierten Hooklines und Neo Soul-lastigen Parts so zu einem Werk, das zeigt: Ayọ lässt sich trotz ihres großen Musikerfolges nicht von der Popindustrie verbiegen.

AVIVA-Tipp: Soulsister Ayọ führt mit dem musikalischen Crossover ihres vierten Studioalbums "Ticket to the World" durch die ganze Welt, durch Europa, USA, Afrika und ganz besonders die Karibik. Dabei macht sie auch vor globalen Missständen keinen Halt und protestiert offen gegen existentielle Nöte und Ungerechtigkeiten.

Ayọ
Ticket To The World

16 Tracks
Label: Universal / Vertigo. VÖ: 14.03.2014

Ayọ im Netz
www.ayomusic.com und auf www.facebook.com/AyoMusicOfficial

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Beitrag vom 15.04.2014

Philippa Schindler 






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