Annie Leibovitz - Women: New Portraits. Vom 14. Oktober bis 6. November 2016 im KVFM - Kunstverein Familie Montez e.V. - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 27.10.2016


Annie Leibovitz - Women: New Portraits. Vom 14. Oktober bis 6. November 2016 im KVFM - Kunstverein Familie Montez e.V.
Yvonne de Andrés

Women, Women, Women. Die New Yorker Fotografin Annie Leibovitz dokumentiert mit ihren über 400 Aufnahmen viele starke Frauen. Diese Frauen sind in die Öffentlichkeit getreten, um sichtbar zu werden und um zu bleiben.




"Diese Frauen haben alle etwas Herausragendes erreicht. Und mich interessiert nicht, wie sie aussehen, sondern was sie machen und bewirken", erklärt Leibovitz.

In den Ausstellungsräumen eines Brückengewölbes im Frankfurter Ostend zeigt Annie Leibovitz 39 neue Arbeiten von Frauen, die sich als Künstlerinnen, Musikerinnen, CEOs, Politikerinnen, Autorinnen oder Wissenschaftlerinnen durchgesetzt haben. Die Fotografin hat viele Prominente vor ihre Linse bekommen. Nicht wenige dieser Portraits sind bereits fotografische Ikonen.

An der Frontwand, ähnlich wie beim Sammeln von Schmetterlingen, sind die Fotos zwischen schmalen Spannstreifen aneinander gereiht, mit Nadeln festgesteckt. Die Fotos sind dabei unterschiedlich komponiert. Die Primatologin Jane Goodall z. B. sieht uns direkt an.

Die Schwestern und Tennisspielerinnen Serena und Venus Williams haben den Frauentennis radikal verändert. Auf dem Schwarz-Weiß-Foto sind die beiden athletischen Frauen in einer innigen Umarmung zu sehen. Sie wirken dabei sehr zärtlich, weiblich, fragil.

Das Foto von Patti Smith vermittelt die Poesie des Rock´n´Roll. Aung San Suu Kyi, die heutige Außenministerin von Myanmar und Friedensnobelpreisträgerin strahlt eine verlässliche Souveränität aus. Sehr stark wirkt das Foto der 66jährigen Caitlyn Jenner, die sich 2015 operieren ließ. Sie vollzog ihre Geschlechtsumwandlung in aller Öffentlichkeit und versuchte herauszufinden, was das Frausein bedeutet. Wie kaum jemand anderes, verkörpert sie eine Transgender-Identität.

Die Form der Präsentation unterstreicht den Arbeitscharakter der Ausstellung. Der Eindruck eines work-in-progress wird noch durch anscheinend zufällig am Rande angebrachte Notiz-Zettel. Darauf sind zum Beispiel die Namen Joanne K. Rowling und Angela Merkel notiert. Annie Leibovitz möchte beide gerne noch in ihre Sammlung aufnehmen.




Im Raum befinden sich zusätzlich zwei riesengroße Bildschirme. Auf ihnen werden 400 Frauenportraits in slow motion gezeigt. Es handelt sich um unveröffentlichte Bilder, gemischt mit "Bild-Ikonen", die wir von den Covern der "Vogue" oder "Vanity Fair" kennen. Gegenüber befindet sich, majestätisch im Raum thronend, ein überdimensionierter Bildschirm. Er hat ein festes Standbild. Wie auf einem alten barocken Ölbild leuchtet das Portrait von Queen Elisabeth II.

"Women: New Portraits" ist die Fortsetzung der Fotoserie "Women" von Annie Leibovitz. "Die Frauen heute haben ein starkes Selbstvertrauen, was so 1999 nicht vorhanden war. Dieses Selbstvertrauen der Frauen und die Art, wie sie sich selbst präsentieren, das ist für mich neu. Das möchte ich zeigen", sagt Leibovitz. Das Projekt "Women", das sie gemeinsam mit ihrer Lebenspartnerin, der Philosophin Susan Sontag, vor über 16 Jahren begann wird somit fortgesetzt.

In ihrem Aufsatz zur Ausstellung schreibt Gloria Steinem: "Annie Leibovitz fängt uns Frauen in all unseren menschlichen Facetten ein, sie zeigt uns in unserer Vielfalt und in unseren Eigenheiten, mit unserer Schlichtheit und Künstlichkeit, unserer Tapferkeit und Angst und mit unserer geistigen und körperlichen Kreativität – mit anderen Worten: in all unserem Menschsein. Ein beschränktes Konzept wie Gender vermag all die Wahrheiten dieser Ausstellungen nicht zu erklären."

Annie Leibovitz (1949) eigentlich Anna-Lou Leibovitz gehört zu den bekanntesten jüdisch-amerikanischen Fotografinnen. Sie dokumentiert und inszeniert mit ihren Fotos viele US-Prominente aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Ab 1967 studierte sie Malerei und Fotografie am San Francisco Art Institute. Sie wurde 1973 Cheffotografin des "Rolling Stone Magazine´s", später arbeitete sie für "Vanity Fair" und danach für "Vogue". Annie Leibovitz ist Herausgeberin mehrerer Fotobände. 2016 gestaltete die Starfotografin Annie Leibovitz den Pirelli Kalender. Diesmal wurden die Frauen unterschiedlichen Alters (angezogen!) in Szene gesetzt und schufen damit ein Statement: Es geht auch anders!
Annie Leibovitz hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten: 2012 den "Award to Distinguished Women in the Arts" des "Los Angeles Museum of Contemporary Art" und den "Wexner Prize". 2013 bekam sie den "Prinz-von-Asturien-Preis" für Kommunikation und Humanwissenschaften. Von der "Library of Congress" wurde sie als "Living Legend" gewürdigt.

AVIVA-Tipp: Annie Leibovitz (1949) dokumentiert mit ihren starken Fotos den Ernst, das Selbstbewusstsein, die Sensibilität und Schönheit der Frauen. Gloria Steinem hält fest: "Das liegt an ihrem ganz eigenem Blick, der über Gender, Stereotypen und Masken hinausgeht: Sie zeigt uns, dass alles Lebendige universal und zugleich einmalig ist." Leibovitz vertritt die Meinung, dass dies keine Frage mehr des Geschlechts ist, sondern die Freiheit, sich von fixierten Dogmen zu befreien, sichtbar zu sein und den Raum zu betreten. Wir sind da. Und wir bleiben sichtbar. Eine sehr anregende und ansprechende Ausstellung.

14. Oktober bis 6. November 2016
Annie Leibovitz – Women: New Portraits

Veranstaltungsort: KVFM – Kunstverein Familie Montez e.V.
Honsellbrücke am Hafenpark
Honsellstraße 7
60314 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten:
Montag – Sonntag von 10.00 – 18.00 Uhr, Freitags bis 20.00 Uhr
Eintritt frei

Weitere Infos zur Ausstellung finden Sie unter:

kvfm.de/ausstellungen

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

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Kunst + Kultur

Beitrag vom 27.10.2016

Yvonne de Andrés 






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