DIE VERLEGERIN. Originaltitel: The Post. DVD- und Blu-ray-Start: 28. Juni 2018 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 18.02.2018


DIE VERLEGERIN. Originaltitel: The Post. DVD- und Blu-ray-Start: 28. Juni 2018
Sharon Adler

Der Spielfilm von Steven Spielberg nach dem Drehbuch von Liz Hannah und Josh Singer über die erste weibliche Zeitungsverlegerin der USA, Katharine "Kay" Graham ist heute so aktuell wie damals. Er lenkt den Blick auf die Einflussnahme korrupter Politiker auf die Pressefreiheit, und macht einen der größten Politskandale sichtbar: Die Veröffentlichung der Top-Secret "Pentagon-Papiere", die bewiesen, wie das Weiße Haus jahrelang über den Krieg in Vietnam gelogen und Regierungsgeheimnisse gehütet hat. Erzählt wird aber auch die Entwicklungsgeschichte einer Frau, die sich mutig über das gesellschaftlich-politische Establishment stellte und damit ein großes Risiko einging – für sich selbst und alle JournalistInnen ihres Blatts, der Washington Post. Meryl Streep in einer Paraderolle.




Auch wenn diese Geschehnisse um mittlerweile 47 lange Jahre zurückliegen, erhalten sie doch heute eine neue Brisanz und Aktualität. Wenn der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika einen Reporter von CNN stellvertretend für eine ganze Redaktion als "Fake News" verunglimpft, folgt er damit einer Tradition von (ausschließlich männlichen) Präsidenten, die ihr Amt missbrauchten, belogen und betrogen, Fakten verbogen und vertuscht haben.

In diesem Fall geht es um den jahrzehntelangen Betrug der Öffentlichkeit, die Verfälschung von Tatsachen: Den Vietnam-"Krieg".

"DIE VERLEGERIN" (Originaltitel: The Post) stellt eine Frau in den Fokus, die eben dies publizierte und damit die "Watergate Affäre" auslöste, die schließlich – 1974 - zum Fall des US-Präsidenten Richard Nixon führte: Katharine "Kay" Graham (Meryl Streep) war keine Journalistin, wie Bob Woodward und Carl Bernstein. Sie war vor allem die Frau, die der Washington Post zum Aufstieg vom eher unpolitischen Provinzblatt zur einer der wichtigsten Zeitungen der USA verhalf: Katharine Graham, deren Karriere als Verlagschefin in jenem Jahr startete, in dem ihr Ehemann Selbstmord beging.

Obwohl Graham seit frühester Kindheit mit der Zeitung aufgewachsen war, steht sie nun plötzlich 1971 selbst an der Spitze des Verlags, und ist damit die erste weibliche Zeitungsverlegerin der USA. Damit, und als einzige Frau im Vorstand der Zeitung hat sie keinen leichten Stand, "man" traut ihr nichts zu, nimmt sie nicht wahr und blickt bei Meetings buchstäblich durch sie hindurch.
Zudem steht die Zeitung kurz vor dem Börsengang – richtig brisant wird es jedoch, als Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) über Umwege von einem gigantischen Vertuschungsskandal im Weißen Haus Wind bekommt, in den vier US-Präsidenten verwickelt sind. Truman, Kennedy, Johnson und Nixon. Bradlee, der sich vor allem für den Qualitätsjournalismus der Post stark macht, hat stets den Star-Journalisten Neil Sheehan im Blick, der für die New York Times und damit für die Konkurrenz arbeitet. Bradlee ist klar, dass Sheehan "an etwas dran sein muss", weil er schon seit Wochen keine Zeile mehr von ihm in der Times gelesen hat.

Um das herauszufinden, schickt er einen Botenjungen los, der Sheehan auftreiben soll. Der findet sich ehrfürchtig in den heiligen Hallen der Times wieder, wo Hunderte von ReporterInnen zwischen klingelnden Telefonen und hektischem Schreibmaschinengeklapper ihre Texte verfassen. Nebenbei bekommt die Zuschauerin so auch einen Einblick in die Redaktionen dieser Zeit, in der es anders als heute weder Computer noch Handys sondern Farbbänder und Tastentelefone gab.

Und ja, Sheehan ist an etwas dran, an etwas ganz Großem. Ihm wurden die Papiere zugespielt, um die es in diesem Film geht. 47 Ordner mit insgesamt 7000 Seiten Kopien, angelegt von Daniel Ellsberg, ziviler Mitarbeiter des US-Außenministeriums in Vietnam.
Er nämlich hatte Zugang zu den "Pentagon-Papieren", die die Rolle der Präsidenten zu ihrer Haltung zum Vietnamkonflikt dokumentierten, und die in drastischem Gegensatz zu den offiziellen Erklärungen standen. Eben dies wurde nun in der New York Times gedruckt. Nixon rast vor Wut. Per Gerichtsbeschluss wird der Times vom Obersten Gerichtshof verboten, weitere Auszüge der Dokumente zu drucken und so gelangen sie schließlich zur Washington Post.

Wir drucken! / Let´s do it, let´s publish!

Für die Pressefreiheit riskieren Kay und Ben ihre Karrieren und die Zukunft der Zeitung, sogar Gefängnis droht ihnen – ihr mächtigster Gegner ist dabei die US-Regierung, die alles versucht, um die Veröffentlichungen zu verhindern und die Presse mundtot zu machen. Es ist ein nervenzerreißender Kampf und keine einfache Entscheidung, die in der letzten Instanz nur Graham selbst fällen kann. Und genau das traut ihr keiner zu.

Dennoch: 1971 entscheidet Graham die geschichtsträchtige Veröffentlichung der "Pentagon Papiere" und läutet damit nicht bloß den Anfang vom Ende des Vietnamkriegs ein, sondern auch die Erneuerung des Gesetzes zur Informationsfreiheit, welches es seitdem BürgerInnen erlaubt, Einblick in Regierungsdokumente zu erhalten. Für diese mutige Entscheidung im Kampf um die Pressefreiheit wurde sie 2002 posthum mit der Presidental Medal of Freedom ausgezeichnet.

Am 22. Februar 2018 brachte das fesselnde Politdrama DIE VERLEGERIN die Geschichte von "Kay" Graham - verkörpert von keiner Geringeren als Hollywood-Star Meryl Streep - auf die große Kinoleinwand.

Die Crew

Beinahe alle der an der Aufdeckung und Publikation beteiligten JournalistInnen wurden später mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Darunter ist auch die Journalistin Meg Greenfield, die später Chefredakteurin der Washington Post wurde . Katharine Graham schrieb das Vorwort von Greenfields Buch Washington das 2001 veröffentlicht wurde. Dargestellt wird sie im Film von Carrie Coon, die unter anderem in zehn Episoden der Serie "Fargo" zu sehen war.
"DIE VERLEGERIN" wurde von Steven Spielberg (Schindlers Liste, Bridge of Spies – Der Unterhändler, Lincoln) erstmals für die große Leinwand aufgearbeitet und in weniger als nur einem Jahr abgedreht.
Für Regisseur Spielberg und Star Tom Hanks ist DIE VERLEGERIN der fünfte gemeinsame Film – mit Ikone Meryl Streep arbeiten beide zum ersten Mal zusammen.

Meryl Streep, die sich für Frauenrechte, u.a. für die Gleichberechtigung der Frauen in der Filmindustrie einsetzt, Mitbegründerin der Initiative gegen sexuelle Belästigung "Time´s Up" ist, und sich öffentlich zur #MeToo-Kampagne positioniert, ist ein unbestechlicher Garant für die direkte Konfrontation mit lästigen, korrupten US-Präsidenten. Ob Nixon in "DIE VERLEGERIN" oder Trump vor laufenden Kameras während der Verleihung der Golden Globe Awards 2017. Damals hielt die Ausnahme-Schauspielerin eine politische Rede, in der sie den US-Präsidenten kritisierte, ohne dabei nur einmal seinen Namen zu nennen.
Am 22. Juni 2018 hat die grandiose Schauspielerin ihren 69. Geburtstag gefeiert.

Meryl Streep, und das ist keine große Überraschung, füllt die Rolle der Katharine "Kay" Graham bis in jede kleinste Nuance ebenso authentisch wie intensiv aus: ihre anfängliche Unsicherheit in der männerdominierten Zeitungsbranche, von der sie ausschließlich als Erbin, als Anhängsel wahrgenommen und keinesfalls akzeptiert wird, bis zur mutigen selbstbestimmten Verlegerin. Ihre inneren Konflikte zwischen Loyalität alten Freunden gegenüber versus Wahrheit und Unabhängigkeit der Presse und schließlich auch das Ringen um die Akzeptanz ihrer Position macht die dreifache Oscar-Gewinnerin Meryl Streep in jeder Szene gewohnt professionell und dabei äußerst sensibel sichtbar - mehr noch, sie macht den Prozess, die Entwicklung ihrer Figur durch minimalistisch, feindosiert eingesetztes Spiel deutlich. So stellt sie die anfangs zwar ambitionierte doch unsichere Nachfolgerin des Blatts mit eckigen Bewegungen dar, die sich nicht einmal traut während einer Sitzung das Wort zu ergreifen, obwohl sie besser als alle anderen vorbereitet ist. Bis sie sich zum Schluss mutig, eloquent und elegant über alle Risiken und "gutgemeinten" Ratschläge falscher Freunde hinwegsetzt.

"What I essentially did was to put one foot in front of the other, shut my eyes and step off the ledge. The surprise was that I landed on my feet." (Katharine Graham)

Herstory. Jewstory.

Biographisches: Katharines katholische Mutter war Agnes E. Meyer, geborene Ernst, Tochter deutscher Einwanderer und 1907 die erste Reporterin der New York Morning Sun. Sie war mit Intellektuellen, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen gleichermaßen befreundet. Mit dem Exilliteraten Thomas Mann unterhielt sie einen intensiven Briefaustausch, unterstützte ihn, und leitete gemeinsam mit ihrem Mann, dem jüdischen Bankier und Finanzpolitiker Eugene Isaac Meyer, die Washington Post. Der hatte 1933 das bankrotte Blatt bei einer Auktion gekauft, und investierte im Lauf der kommenden 20 Jahre Millionen von Dollar in die Zeitung, wobei er sich vor allem auf die qualitative Entwicklung konzentrierte. Gemeinsam begründeten die 1944 die Meyer Foundation, die bis heute besteht.

Demnach war Katharine "Kay" Graham nicht nur "die Witwe von", wie es im Film den Anschein hat, sondern wuchs – privilegiert, behütet und protegiert - in einem verlegerischen, politischen und unternehmerischen Umfeld auf.
Zudem hatte Graham studiert, zunächst am Vassar College und später an der University of Chicago, wo sie 1938 ihr Studium abschloss. Danach arbeitete sie als Reporterin für die San Francisco News, bevor sie begann, für die Zeitung ihres Vaters, die Washington Post, zu schreiben.
Die wesentlich erfahrenere Graham wäre demnach für den Posten der Herausgeberin die erste Wahl gewesen. Für eine Frau zu dieser Zeit undenkbar war es jedoch, die Unternehmensnachfolge anzutreten, so dass diese Aufgabe ihrem Ehemann, einem im Zeitungswesen unerfahrenen Juristen, übertragen wurde. Erst nach dessen Selbstmord, und hier setzt der Film ein, kommt Katherine zum Zug, die sich ihrerseits jahrelang ausschließlich um die vier Kinder gekümmert hatte.
Katherine Graham (16. Juni 1917 – 17. Juli 2001) sollte die Post für mehr als drei Jahrzehnte leiten. Graham, die selbst keine Role Models gehabt hatte, war nun selbst ein Vorbild für junge Frauen. So setzte sie sich für Gleichberechtigung bei der Post ein, unterstützte engagierte Journalistinnen und das Women´s Museum in Dallas.

"The thing women must do to rise to power is to redefine their femininity.
Once, power was considered a masculine attribute. In fact power has no sex."

(Katharine Graham)

Zu den größten Widersprüchlichkeiten in ihrem Leben zählt die Tatsache, dass sie zwar eine Verflechtung von Medien und Politik ablehnte, gleichzeitig aber als Mitglied der feinen Gesellschaft Washingtons mit u.a. John F. Kennedy, Jacqueline Kennedy Onassis, Robert, F. Kennedy, Lyndon B. Johnson, Robert McNamara, Henry Kissinger, Ronald und Nancy Reagan befreundet war.

1997 veröffentlichte sie ihre Biographie "Personal History", für die sie mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Noch bis zu ihrem Tod bekleidete die Verlegerin den Posten der Vorstandsvorsitzenden der Washington Post.
Katharine "Kay" Graham starb am 17. Juli 2001 im Alter von 84 Jahren.

Steven Spielberg: "Mein Film ist eine Art Hymne auf die freie Presse. Ein Liebesgedicht an die Medien der Welt."

Ein großartiger Film, keine Frage. Keine Erwähnung jedoch findet die Geschichte zur Washington Post, oder eine Andeutung darauf. Spielberg, selbst Jude und in jungen Jahren übrigens auch mal Zeitungsbote, benennt den jüdisch-amerikanischen Background der Katherine Graham weder explizit, noch andeutungsweise. Kein Wort, kein Bild im Film weist darauf hin. Eine Vorsichtsmaßnahme angesichts der antisemitischen Stimmung in den USA, nach der "Juden zuviel Einfluss, vor allem in den Medien" haben? Unwahrscheinlich, aber möglich. Fest steht, dass Spielberg neben Archivmaterial wie Gerichtsakten vor allem in den Memoiren von Katharine Graham recherchiert hat, die 2001 bei Rowohlt unter dem Titel Wir drucken! Die Chefin des Washington Post erzählt die Geschichte ihres Lebens auf Deutsch erschienen sind. (Originaltitel Personal History)

AVIVA-Tipp: Spannend von der ersten bis zur letzten Minute steht Die Verlegerin in der Tradition von Polit-Enthüllungs-Dramen wie etwa Die Unbestechlichen – mit einer Ausnahme: Hier ist es eine Frau, die im Fokus des Films steht, Katharine "Kay" Graham. Brillant verkörpert Meryl Streep die Rolle der sophisticated unpolitischen Lady hin zur feministischen Unternehmerin und mutigen Zeitungsmacherin, die schließlich einen Sieg für die Pressefreiheit erringen kann. Der richtige Film zur richtigen Zeit. Jederzeit. Weltweit.

DIE VERLEGERIN
Originaltitel: The Post
USA / 2017
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Liz Hannah, Josh Singer
Besetzung: Meryl Streep, Tom Hanks, Alison Brie, Bob Odenkirk, Sarah Paulson, Carrie Coon, Jesse Plemons
Produktion: Kristie Macosko Krieger, Amy Pascal, Steven Spielberg
Ab 22. Februar 2018 im Kino
DVD:
EAN: 50530-8314859-1
Laufzeit: ca. 111 Min.
Tonqualität: Dolby Digital 5.1
Kinostart: 22. Februar 2018
Bildformat: 1.85:1 Anamorphic Widescreen
VÖ: 28. Juni 2018
Sprachen: D, GB, FR, RU. Untertitel: D, GB (SDH), RU
FSK: 6
Bonusmaterial: Die Style-Abteilung: Eine Ära wieder aufleben lassen. Das Anhalten der Pressen: Filmstart von "Die Verlegerin". Kunst und Kultur: Musik in "Die Verlegerin"

Blu-ray:
EAN: 50530-8314857-7
Laufzeit: ca. 116 Min.
Tonqualität: D, FR: DTS-HD High Resolution Audio 7.1 // GB: DTS-HD Master 7.1
Bildformat: 1.85:1 Widescreen
Sprachen: D, GB, FR. Untertitel: D, GB (SDH), FR
Bonusmaterial: Layout: Katharine Graham, Ben Bradlee The Washington Post. Zusatzmaterial: Besetzung und Personen in "Die Verlegerin". Die Style-Abteilung: Eine Ära wieder aufleben lassen. Das Anhalten der Pressen: Filmstart von "Die Verlegerin". Kunst und Kultur: Musik in "Die Verlegerin"

Im Verleih von Universal Pictures International Germany
Mehr zu "DIE VERLEGERIN" unter: www.facebook.com/DieVerlegerin

Mehr Info zu Katharine Graham unter:

www.washingtonpost.com

www.fembio.org

Literatur:

Wir drucken! Die Chefin des Washington Post erzählt die Geschichte ihres Lebens, von Katharine Graham. Rowohlt, 2001 (Originaltitel Personal History. Vintage Publishing, 1998

Power, Privilege, and the Post: The Katharine Graham Story von Carol Felsenthal. Penguin Random House, 1999

Starke Frauen in mächtigen Positionen:

Die wichtigsten deutschen Zeitungsverlage in weiblicher Hand


Als erste weibliche Zeitungsverlegerin der USA inspirierte Graham Frauen weltweit. Doch es gibt noch weitere Erfolgsgeschichten von Frauen, die sich einflussreiche Positionen an der Spitze bedeutender Verlage erarbeitet haben. Auch hierzulande. Im Folgenden erhalten Sie einen Einblick über die spannenden Lebenswege der drei bekanntesten Verlagschefinnen Deutschlands:

Yvonne Bauer

Als dritte von vier Töchtern am 29. März 1977 in Hamburg geboren. Zu diesem Zeitpunkt leitet ihr Vater Heinz Bauer den 1875 gegründeten Familien-Verlag Bauer Media Group bereits seit mehr als 14 Jahren. Als 20-jährige verlässt Yvonne ihr Elternhaus und zieht nach Bamberg, um dort Germanistik zu studieren. Nach dem Studium beginnt sie ein Volontariat beim Verlag Hoffmann und Campe, wo sie anschließend als Lektorin arbeitet. Wenig später tritt sie ins Familiengeschäft ein, übernimmt 2007 die Führung der Arbeitsgruppe, die die Bauer Vertriebs KG leitet, und hilft bei der Aufklärung eines Schmiergeldskandal in der Vertriebsgesellschaft des Verlages. Die für ihren Ehrgeiz bekannte Yvonne, die mehr als bloß die Tochter des Verlagschefs sein will, arbeitet hart und wird 2009 schließlich Mitglied der Konzerngeschäftsleitung. Als ihr Vater 2010 abtritt, ernennt er mit seiner Tochter Yvonne zum ersten Mal in der Verlagsgeschichte eine Frau zur Nachfolgerin. In fünfter Generation der Bauer Media Group steht sie derzeit an der Spitze des europaweit agierenden Verlagshauses und ist damit eine der wenigen weiblichen Führungskräfte in der männerdominierten Medienbranche.

Julia Jäkel

Seit 2012 im Vorstand des Gruner + Jahr Verlags, seit 2013 dessen Vorsitzende und seit 2015 Geschäftsführerin – diese Positionen hat sich Julia Jäkel hart erarbeitet. Geboren 1971 in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz verfolgt die ÄrztInnen-Tochter schon früh einen anderen Berufsweg als ihre Eltern. In Heidelberg beginnt sie, Geschichte, Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre zu studieren. Einen Teil ihres Studiums verbringt sie in Harvard und beendet ihre akademische Karriere mit einem Master in International Relations an der University of Cambridge. Als sie 1997 als einzige Frau in das Bertelsmann Entrepreneurs Programm aufgenommen wird, entdeckt Jäkel ihre Liebe fürs Verlagswesen. Anschließend wechselt sie zu Gruner + Jahr, gründet dort die Financial Times Deutschland und fungiert über Jahre hinweg als Verlagsleiterin verschiedenster Medienmarken. Als sie 2012 in den Vorstand gewählt wird, nutzt die innovative Jäkel die Printmedien-Krise als Chance, um mit dem Ausbau des Onlineangebots von Gruner + Jahr zu beginnen. Mit diesem Schritt konnte sie den Verlag in den letzten Jahren grundlegend und profitabel umstrukturieren und machte sich zugleich einen Namen in der Verlagsbranche.

Friede Springer

Elfriede Rewerts wird 1942 auf der Insel Föhr als Tochter eines Gärtners und einer Hauswirtschaftsleiterin geboren. In jungen Jahren bricht sie ihre Lehre als Hotelkauffrau ab und zieht nach Hamburg, um der Enge der kleinen Insel zu entfliehen. Als sie 1965 im Hause Axel Springers als Kindermädchen eingestellt wird, ahnt sie noch nicht, dass sie eines Tages seine fünfte und letzte Ehefrau werden wird. Im Laufe der Jahre wird sie Axel Springers Geliebte. 1978 feiern die beiden, die zu diesem Zeitpunkt seit über zehn Jahren ein Paar sind, ihre Hochzeit. Als Axel Springer 1985 verstirbt, wird Friede nicht nur Erbin des Springer-Vermögens, sondern auch Managerin des Axel Springer Verlags und Geschäftsführerin der Springer Holding. Die pflichtbewusste Friede, die von heute auf morgen alles über Zahlen und Bilanzen lernen muss, versucht den Verlag zusammenzuhalten, schlägt Angebote von Kaufinteressenten aus und beginnt stattdessen jegliche Springer-Anteile zurückzukaufen und die restlichen Springer-ErbInnen auszuzahlen. Schließlich gewinnt sie 1996 die Aktienmehrheit zurück und wird alleinige Geschäftsführerin. Heute blickt die 75-jährige Verlegerin und Gründerin der gemeinnützigen Friede Springer Stiftung auf eine erfolgreiche Karriere zurück und fungiert nach wie vor als stellvertretende Aufsichtsratschefin der Axel Springer SE, einem der größten und umsatzstärksten Verlagshäuser Europas.

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Quellen: Universal Pictures International Germany, AVIVA-Berlin


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Beitrag vom 18.02.2018

Sharon Adler 






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