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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 20.07.2018


Ebony Bones - Nephilim
Christina Mohr

Von der Soap-Schauspielerin zu einer der wagemutigsten Allround-Künstlerinnen unserer Zeit – so könnte die Londonerin Ebony Bones sehr verkürzt beschrieben werden. Ihr neues Album rechtfertigt aber auch ausführliche Lobeshymnen: "Nephilim" ist emotional und politisch explizit, grenzüberschreitend und weltumarmend – ein großes Album




Knapp zehn Jahre sind vergangen, seit Ebony Thomas alias Ebony Bones ihr Debütalbum "Bone of my Bones" veröffentlichte: Ein großartiger Hybrid aus Punk und Afrobeat, Elektro und Grime, der der wilden Performerin Bones/Thomas Vergleiche mit M.I.A. und Santogold einbrachte, und mit "W.A.R.R.I.O.R." eine Hitsingle beinhaltete, die in einem Whisky-Werbespot mit David Beckham eingesetzt wurde. Diese – zugegeben - eher nebensächliche Episode zeigt, dass Ebony Bones keine Berührungsängste gegenüber dem Mainstream und der Warenwelt hat – was sie ebenfalls mit M.I.A. verbindet -, sondern offensiv das Scheinwerferlicht sucht, um ihre Anliegen in die Welt zu tragen.

Das mag damit zusammenhängen, dass die meistens mit grellblonder Perücke performende Ebony Bones schon als junge Schauspielschülerin in der UK-Fernsehserie "Family Affairs" auftrat, und Jahre zuvor vom Leiter des Shakespeare Globe Theatre entdeckt und mit wichtigen Rollen betraut worden war. Für die Bühne ist die Tochter eines Plattenhändlers und einer Modeagentin also wie gemacht – was der inzwischen 35-jährigen allerdings noch nie genügt hat.

In ihrem künstlerischen Lebenslauf tauchen illustre Namen auf: Mit Amy Winehouse war sie eng befreundet, ermuntert von Punk-Legende Rat Scabies (The Damned) schrieb sie ihre ersten eigenen Songs (Scabies verpasste ihr auch den Künstlerinnennamen "Bones"), wegen ihrer Skills als Producerin wurde Yoko Ono auf Bones aufmerksam und forderte einen Remix ihres Songs "No Bed for Beatle John" bei ihr an – womit wir bei der autarken, selbstbewussten Selfmade-Woman Ebony Bones angekommen wären: Neben Grimes, Fatima Al Qadiri und Missy Elliott gehört Bones mit ihrem eigenen Label "1984 Records" zu den wenigen weiblichen Produzentinnen, die selbst dafür sorgen, dass ihre Musik so klingt wie sie sich es vorstellen.

Für ihr neues, drittes Full-Length-Album "Nephilim" beschritt Ebony Bones erneut mutig neue Wege, verließ in jeder Hinsicht ihre comfort zone: Sie verließ London, um unter anderem in Peking mit klassischen Orchestern zusammenzuarbeiten – es brauche einen ganz neuen Umgang mit klassischer Musik, so Bones, frau/man müsse mit dem Vorurteil aufräumen, dass nur weiße Männer klassische Musik komponieren könnten. Das Beijing Philharmonic Orchestra ist bei einigen der neuen Songs zu hören, aber "Nephilim" ist keine Moderne-Klassik-Platte: In einem cineastischen oder besser hörspielähnlichen Ablauf mit rein instrumentalen Zwischenspielen verknüpft Ebony Bones Jazz, Jungle, Elektro, Soul und Tribal Beats mit Spoken-Word-Ausschnitten. Teile aus Enoch Powells menschenverachtender, offen rassistischer "Rivers of Blood"-Rede von1968 sind im so aufrüttelnden wie irritierenderweise bestens tanzbaren Track "No Black in the Union Jack" zu hören, "This Used to be a Lovely Country" besteht aus herausgebrüllten Anfeindungen zwischen schwarzen und weißen britischen BürgerInnen.

Ebony Bones´ Themen sind seit ihrer allerersten Single "We Know All About You" staatlicher Überwachungswahn (der Name ihres eigenen Labels bezieht sich auf George Orwells Roman "1984") und Ausgrenzung von Minderheiten, namentlich Schwarzer: Verschiedene Tracks auf "Nephilim" wie "Kids of Coltan" und "Oh Leopold" drehen sich um Kolonialismus und die aktuelle Ausbeutung afrikanischer Staaten wie Kongo durch Rohstoffabbau für Mobiltelefone – schwierige Themen wie diese verpackt Ebony Bones mit Wonne in mitreißende Popsongs: Junior Murvins Anti-Polizeigewalt-Klassiker "Police and Thieves" (in der Version von The Clash zum Hit geworden, auch von Zara McFarlane gibt es ein aktuelles Cover) lässt sie von einem Kinderchor singen.

AVIVA-Tipp: Hinter Ebony Bones´ schrillbunten Performances stecken klare Aussagen – "Nephilim" gehört schon jetzt zu den wichtigsten Platten des Jahres 2018.

Ebony Bones
Nephilim

VÖ: 20. Juli 2018
Label: 1984 Records
11 Tracks

Ebony Bones im Netz: www.iamebonybones.com und www.facebook.com/iamebonybones

Tracklist:
The Watchers
Nephilim feat. The Beijing Philharmonic Orchestra
Ghrelin Games
Police and Thieves feat. The Bones Youth Choir
Oh Leopold
Kids of Coltan feat. The Beijing Philharmonic Orchestra
This Used to be a Lovely Country
No Black in the Union Jack
Truth or Trason feat. The Beijing Philharmonic Orchestra
Bone of my Bones Pt2 feat. The Beijing Philharmonic Orchestra
Nephilim (instrumental) feat. TBPO

Weiterhören auf AVIVA-Berlin:

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Beitrag vom 20.07.2018

Christina Mohr 






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