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Beitrag vom 21.01.2026
FASSADEN von Alina Cyranek. Kinostart: 12. Februar 2026. Kinotour Termin Berlin: 24.01.2026, 19:00 Berlin, Kino Krokodil. Mit Regisseurin Alina Cyranek
AVIVA-Redaktion
Eine Frau bricht aus einer Gewaltbeziehung aus und stößt dabei auf ein System, das sie ignoriert. Durch Tanz, Animationen, ungeschönte Interviews und die Erzählstimme von Sandra Hüller werden die verborgenen Machtstrukturen hinter häuslicher Gewalt aufgedeckt.
Häusliche Gewalt gegen Frauen: Die Zahlen sind eindeutig, das Leid kaum auszuhalten; und dennoch bleibt die Gewalt und vor allem die davon Betroffenen oft unsichtbar. Was Frauen in toxischen Beziehungen erleben, welche Auswirkungen die Gewalt auf ihr Leben hat und wie sie einen Ausweg und Hilfe finden, dies macht Alina Cyranek in ihrem Dokumentarfilm FASSADEN sichtbar.
In FASSADEN erzählt Sandra Hüller die Geschichte einer Frau, die aus einer langjährigen gewalttätigen Beziehung ausbricht, sowie von einem politischen und gesellschaftlichen System, das lieber wegschaut. Der Film zeigt, welche Machtstrukturen hinter den Fassaden stecken und wie der Staat Frauen unzulänglich schützt. Die Erzählung wurde aus vier realen Erfahrungsberichten zu einer Geschichte verdichtet, um die Anonymität der Frauen zu wahren. Alle Ereignisse haben sich tatsächlich so zugetragen, nichts ist erfunden.
Ein Tanzpaar erschafft in einer Blackbox Bilder einer Beziehung, hochästhetisch, physisch, poetisch und lässt somit Raum für Vielschichtigkeit und Komplexität solch einer Beziehung. Die Manipulation der Frau wird mittels Animation zunehmend sichtbar gemacht, indem einzelne Frames auf Papier ausgedruckt, bearbeitet und wieder in den Realfilm eingefügt werden. Den klassisch dokumentarischen Rahmen bilden Experteninterviews, die klar und sachlich die Machtverhältnisse und Beziehungsstrukturen einordnen. FASSADEN ist kein einfach konsumierbarer Film, sondern eine Herausforderung für die Zuschauenden.
Häusliche Gewalt und die damit verbundenen Statistiken sind brutal, erschütternd, physisch. FASSADEN spiegelt all das in seiner Form wider, ist radikal und eigensinnig.
Regisseurin Alina Cyranek über ihre Motivation für den Film:
"Formell geht es im Film um Kontraste zwischen Innen und Außen, Privatem und Öffentlichem, Glauben und Fakten, Emotionalität und Objektivität, psychischer und physischer Gewalt. All diese Aspekte sollten nicht bebildern, sondern vielmehr Assoziationsräume entfalten und in Kontrast mit den präzise kadrierten, sachlichen Experteninterviews stehen. Tanz wird als nonverbale Darstellungs- und Ausdrucksform genutzt, um innere Gefühlszustände oder Paardynamiken zu beschreiben. In der Inszenierung des Körpers und seiner Bewegung habe ich die besten Möglichkeiten gesehen, die eigenen physischen Grenzen, Energien, Gefühle, Gedanken, Vorstellungen und Erinnerungen auszuloten, die ohne Worte in Bewegung „versetzt“ werden konnten. Die damit verbundene Haptik, das Physische, war mir in darüber hinaus für den gesamten Film wichtig: Die Animation entstand unter dem Tricktisch mit Papierstills, die Musik wurde mit verschiedenen Klangkörpern eingespielt, das Sounddesign besteht aus Geräuschen von haptischen Materialien, die Grafiken sind handgeschrieben.
Das Selbstverständnis, mit dem die Politik und Gesellschaft der Gewalt begegnet und kleinredet, muss sich grundlegend ändern. Ist das, was in der eigenen Wohnung passiert, wirklich Privatsache? Ich wünsche mir sehr, dass der Film draußen weitergeht: In Gedanken, Gesprächen, Empfehlungen. Über Tabuthemen zu sprechen ist immer der erste Schritt zu einer Veränderung. Wenn Menschen sensibler in ihrem Umfeld hinschauen, Fragen stellen, Unterstützung anbieten, hat sich die Arbeit gelohnt."
Das mehrfach ausgezeichnete Langfilmdebüt von Alina Cyranek verwebt vier persönliche Geschichten von Gewalt betroffener Frauen zu einer gemeinsamen Stimme – gesprochen von Sandra Hüller – und macht partnerschaftliche Gewalt auf eindringliche Weise sichtbar. Durch Tanz und Animation entsteht ein Raum, der das Unsagbare erfahrbar macht. Bei der bundesweiten Kinotour mit Gesprächen mit der Regisseurin sowie Akteur:innen aus der Praxis werden strukturelle Dimensionen partnerschaftlicher Gewalt gegen Frauen thematisiert.
Kinotour Termin Berlin: 24.01., 19:00 Berlin, Kino Krokodil. Mit Regisseurin Alina Cyranek
FASSADEN von Alina Cyranek | Kinostart: 12. Februar 2026
D | 2025 | 87 Minuten | FSK 12
Sprache: Deutsch
Regie & Buch: Alina Cyranek
Voiceover: Sandra Hüller
Tänzer:innen: Gesa Holland, Damian Gmür
Choreographie: Sebastian Weber
Produktion: Alina Cyranek, Falk Schuster (hugfilms)
Bildgestaltung: Tim Pausch
Originalton: Christoph Fleischer
Montage: Maximilian Raible
Animation: Aline Helmcke
Musik: Freya Arde
Composition: Julian Quitsch
Grading: Franziska Heinemann
Sounddesign: Florian Marquardt
Redaktion: Thomas Beyer (MDR), Sabine Lange (arte)
Gefördert von: Mitteldeutsche Medienförderung, Kunststiftung Sachsen-Anhalt, Sächsische Landesmedienanstalt, Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Verleih: Rotzfrech Cinema
Mehr Infos, Trailer und Kinotermine unter: rotzfrech-cinema.com
Text: Rotzfrech Cinema