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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 20.03.2010


Buchmesse Leipzig 2010
Claire Horst

Die Leipziger Buchmesse ist laut Eigendarstellung das größte Lesefest Europas. Im Jahr 2010 lasen 1500 AutorInnen an über 300 Orten in der ganzen Stadt aus ihren Werken. Damit ist die Buchmesse...




... keine reine Fachveranstaltung, sondern richtet sich an alle Literaturinteressierten.

AVIVA-Autorin Claire Horst hat die Buchmesse besucht und viele AutorInnen gehört – eine subjektive Auswahl finden Sie hier.

Mit Spannung erwartet wurde die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse. Der Preis wird in drei Kategorien vergeben: Belletristik, Sachbuch und Übersetzung. Schlagzeilen gemacht hatte vor allem die Nominierung von Helene Hegemanns Roman "Axolotl Roadkill" für den Belletristik-Preis. Die Autorin war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung erst 17 Jahre alt. Schon ein Jahr zuvor hatte sie ihren ersten Film "Torpedo" gedreht, der auf dem Hofer Filmfest Premiere feierte und von der Kritik hoch gelobt wurde. Kurz nach der Nominierung von "Axolotl Roadkill" waren Plagiatsvorwürfe bekannt geworden: Hegemann hatte Textstellen von dem Blogger Airen übernommen, ohne dies kenntlich zu machen. Trotzdem hielt die Jury an ihrer Entscheidung fest. Die Juryvorsitzende Verena Auffermann erklärte dazu bei der Preisverleihung, man entscheide nach ästhetischen, nicht nach juristischen Kriterien. Hegemann selbst sagte dazu bei der vorherigen Vorstellung der Nominierten, sie werde demnächst wohl Jury studieren und hatte damit die Lacher auf ihrer Seite.

Wie zu erwarten war, ging der Preis dennoch nicht an Hegemann, sondern an Georg Klein, dessen "Roman unserer Kindheit" eine Coming of Age-Geschichte in Süddeutschland erzählt. Weitere Preise gingen an Ulrich Raulff für sein Buch "Kreis ohne Meister" über den Dichterkreis um Stefan George und an Ulrich Blumenbach für seine Übersetzung des Romans "Unendlicher Spaß" von David Foster Wallace. Schon unter den insgesamt 15 Nominierungen waren nur vereinzelte Frauen. Im Bereich Belletristik war neben Hegemann Anne Weber mit ihrem Roman "Luft und Liebe" nominiert, unter den Sachbuchautoren war keine Frau, im Bereich Übersetzungen waren Grete Osterwald ("Waltenberg" von Hédi Kaddour) und Rosemarie Tietze ("Anna Karenina" von Lew Tolstoi) nominiert.

Auf den Lesungen waren dafür zahlreiche spannende Autorinnen zu erleben. Eine Entdeckung ist die junge Lyrikerin und Prosaschriftstellerin Ulrike Almut Sandig, die auf mehreren Bühnen aus ihrem aktuellen Band "Flamingos" las. Die Kurzgeschichtensammlung erzählt in präziser und poetischer Sprache von Kindheit und Erinnerung, verbindet Reales und Surreales, Sandig zu hören, war ein großartiges Erlebnis – was leider nicht von allen Lesungen gesagt werden kann.

Am Stand der israelischen Botschaft wurde ein umfangreiches Programm geboten. Neben der Jerusalemer Autorin Mira Magén, die ihr neues Buch "Die Zeit wird es zeigen" vorstellte, waren unter anderem auch der junge Autor Nir Baram mit seinem Roman "Der Wiederträumer" und Asaf Schurr mit "Motti" zu hören. Leider hatten die SchauspielerInnen, die die Übersetzungen der Werke lasen, sich anscheinend kaum mit den Texten auseinandergesetzt. Ihnen zuzuhören, war weniger angenehm als die anschließenden Gespräche mit den AutorInnen.

Ein Schwerpunkt der Leipziger Buchmesse ist traditionell die Literatur aus Osteuropa. Zahlreiche Veranstaltungen widmeten sich der Auseinandersetzung mit der Wende in Europa vor 20 Jahren. So wurde der ungarische Autor Györgi Dalos mit dem "Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung" ausgezeichnet. Die österreichische Prosaautorin und Dramatikerin Katrin Röggla, die auch mit ihrem Buch "die alarmbereiten" vertreten war, las gemeinsam mit dem kosovarischen Schriftsteller Jeton Nesiraj aus ihrem Briefwechsel "Pizza Unmik", der sich mit dem Wirken der NGOs im Kosovo auseinandersetzt.

Natürlich waren auch – leider vor allem deutsche - Stars wie die Nobelpreisträgerin Herta Müller, Friedrich Christian Delius und Günter Grass vertreten.

Ergänzt wurde das Programm durch ein umfangreiches Angebot für Kinder und Jugendliche (die kostümierten Mangafans waren nicht zu übersehen), einen thematischen Schwerpunkt zum Hörbuch und Diskussionen und Fortbildungen für LehrerInnen und das Fachpublikum.

AVIVA-Tipp: Nicht verpassen: Die Buchmesse 2011 findet vom 17. – 20. März 2011 statt. Schwerpunkt wird Serbien sein.

Die Leipziger Buchmesse im Netz:
www.leipziger-buchmesse.de


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Beitrag vom 20.03.2010

Claire Horst 






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