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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 03.04.2009


Deolinda - Cancao ao lado
Claire Horst

Sie lebt irgendwo in einem Randbezirk von Lissabon und ist alt genug, um zu begreifen, dass das Leben kein Wunschkonzert ist. Mal ist sie verliebt, mal entliebt, immer jedoch glücklich ...




... unverheiratet.

So beginnt der Pressetext zur CD der Band "Deolinda". Hier wird jedoch nicht etwa die Sängerin beschrieben, denn Deolinda ist eine fiktive Person, die Hauptfigur des Albums "Cancao ao lando" (Lied von nebenan). Das Konzeptalbum erzählt kleine Geschichten aus Deolindas Alltag, auf Portugiesisch natürlich.

Doch auch wer die Texte nicht versteht und somit vom Konzept wenig mitbekommt, wird die Musik von Deolinda genießen können. Denn die Band bedient sich unterschiedlicher musikalischer Einflüsse vom Bossa Nova bis zum Fado, dem traurig-melancholischen Musikstil Portugals. Fado heißt "Schicksal", und das sagt einiges über die Inhalte "gewöhnlicher" Fadostücke aus. Meistens werden gebrochene Herzen, Nostalgie und Sehnsucht, aber auch Kritik an sozialen Problemen besungen. Tiefer Schmerz ist das zugrundeliegende Gefühl.

Von dieser Tradition weicht die Geschichte um Deolinda ab. Schon die Covergestaltung zeigt, dass die Band um die Sängerin Ana Bacalhau und den Texter Pedro da Silva Martin durchaus ironisch mit dem "Kulturerbe" Fado umgeht – anders als andere InterpretInnen halten sie ihn nicht für ein unberührbares Nationalheiligtum. Booklet und Cover zeigen in quietschend bunten Farben Bilder aus Deolindas Wohnzimmer, Schallplatten des Fado-Stars Amalia Rodriguez mittendrin. Zum Glück gibt es hier auch die Texte in englischer Übersetzung.

Saudade, das unübersetzbare Weltschmerz-Gefühl, das gewöhnlich im Fado besungen wird, verabschieden Deolinda im Song "Fado Castigo": "If only they forbade saudade from singing / That would be a thing to behold! / ...a friend, / with a warmed up voice chants / that Saudade is not a crime, but a punishment".
Bei Fernando Pessoa hieß es noch: "Saudades - nur Portugiesen / können dieses Gefühl kennen. / Weil nur sie dieses Wort besitzen, / um es wirklich beim Namen zu nennen."

Statt auf Weltschmerz setzen Deolinda auf Humor. So klingt die CD fröhlich und beschwingt, es ist Musik, die sich gut beim Frühstück in der sonnigen Küche hören lässt. Neben der Sängerin und dem Komponisten sind an der Entstehung des Albums auch Kontrabassist Ze Pedro Leitao und Luis Jose Martins beteiligt, der mehrere Saiteninstrumente spielt, portugiesische wie die viola braguesa ebenso wie die klassischen Gitarre.

Durch den Einsatz dieser vielfältigen Instrumente – auch das ein Unterschied zum klassischen Fado – bleibt die Musik abwechslungsreich und immer in Übereinstimmung mit den Texten. Wenn Ana Bacalhau über den Macho spottet, der mit aufgeblähter Brust herumstolziert und den sie mit links in Stücke zerreißen könnte, nimmt auch die Musik an Tempo zu ("Fado Toninho"). Melancholischer und mit leisem Spott kommt "Movimento perpetuo associativo" daher, in dem vermeintliche RevolutionärInnen persifliert werden, die auf dem heimischen Sofa von der Weltrevolution träumen und dann doch immer wieder eine Ausrede finden.

Deolinda im Netz: www.deolinda.com und auf MySpace

Weiterhören: Ana Moura und Mariza

AVIVA-Tipp: Fans von Mariza und Amalia Rodrigues werden mit "Deolinda" ebenso glücklich wie AnhängerInnen von Manu Chao. "Cancao ao lando" ist Musik, bei der es sich ganz wunderbar vom Sommer träumen lässt.

Deolinda
Cancao ao lado

Label: World Connection, VÖ April 2009


Kunst + Kultur

Beitrag vom 03.04.2009

Claire Horst 






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