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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2021 - Beitrag vom 10.02.2009


Fucking Different Tel Aviv jetzt in den Berliner Kinos
Margret Müller

14 schwule und lesbische FilmemacherInnen zeigen in dem einzigartigen Kurzfilmprojekt ihre Vorstellungen über die Liebe des anderen Geschlechts und lassen tief in die Tel Aviver Szene blicken.




"Fucking Different Tel Aviv" wurde im Rahmen der 59. Berlinale gezeigt – nun ist das Kurzfilmprojekt im Verleih von GMfilms ab 28. Mai 2009 in Berliner Programmkinos zu sehen.

Die Idee

Nach Berlin und New York bat der Produzent Kristian Peterson nun in Tel Aviv vierzehn schwule und lesbische FilmemacherInnen, ihre Sicht auf homosexuelle Beziehungen in Kurzfilmen darzustellen. Dabei sollte, wie in den vorangegangenen Projekten die Ideen von Liebe und der Sex des jeweils anderen Geschlechts beschrieben werden. In der Realisierung wurden dabei wie zu erwarten die Grenzen zwischen "maskulin" und "feminin" oftmals aufgehoben. Provokante, die Stereotypen hinterfragende Filme zeigen ein vielfältiges Bild der Ideen, Konzepte und Einstellungen über "die Anderen" in allen Kunst-Formen des Kurzfilms. Die einzige Einschränkung der Kreativität waren das Budget von 200 Dollar, die Länge des Films zwischen drei und sieben Minuten und das finale Format in MiniDV.

Das Ergebnis

Leidenschaftliche Affären mit Mädchen im Alter der Tochter, erotische Brathähnchen, eine vergammelnde Schule und lebendige Erinnerungen an die ersten homoerotischen Erfahrungen in ihr, Sex, so heiß, dass alle politischen Gegensätze dahinschmelzen, tanzend abstrakte Suche nach Weiblichkeit, der Kampf mit der Liebe zu dem transsexuellen Mann, der die eigene Maskulinität in Frage stellt - die Kurzfilme sind alles andere als einzig klischee-behaftet, bunt und schrill.
Auffällig sind die Unterschiede der auf der Berlinale und internationalen Queer Film Festivals sehr erfolgreichen Projekte der jeweiligen Städte Berlin, New York und Tel Aviv. Hat das Originalprojekt "Fucking Different Berlin" noch explizite Sexszenen gezeigt und zu Diskussionen über die Stereotype Schwuler gegenüber Lesben und umgekehrt angeregt, kam die New Yorker Version sehr avantgardistisch daher. Das Ergebnis des Tel Aviver Projekts, so gab Regisseur Yair Hochner zu, ist im Vergleich dazu fast konservativ. "In Berlin und New York flippten sie aus, aber Israelis sind offenbar noch nicht frei genug."

Die Herausforderung

Bestätigt wird Hochners Meinung auch durch den Eindruck, dass Israels FilmemacherInnen sich nicht nur mit Sexualleben und Geschlechtsbildern des Gegenüber- und Dazwischenliegenden auseinander setzen, sondern auch mit den intervenierenden lokalen politischen- und Glaubenskonflikten. In mehr als einem Film steckt der Protagonist seine Kippa vor dem Rendezvous unauffällig in die Hosentasche.
Besonders bewegend ist Avital Baraks Kurzfilm zweier schwuler Orthodoxer, deren Liebe den Zorn des Herrn heraufzubeschwören scheint, düster und unüberwindbar die Diskrepanz zwischen Gottes Willen und dem des Herzens.

Tel Aviv wäre aber nicht Tel Aviv, nähme es sich selber allzu ernst, und dementsprechend viel Situationskomik, Lockerheit und Abstruses findet sich in den Filmen.
Die Transsexuelle Ninet Tayeb muss sich aus den Fängen ihrer lesbischen Kidnapperinnen der "Free the Palestine Vagina Organisation" befreien, zu Purim kostümierte und deutlich kostümierte Männer erörtern die Vorzüge schwulen Sexlebens gegenüber dem Lesbischen und zwei Filmemacher müssen notgedrungen zu einer sehr appetitlichen Visualisierung ihres Plots greifen, da kurzfristig die Darstellerinnen absprangen. Besonders erwähnen möchten wir an dieser Stelle den Film "Désarmés" (Surrender / Außer Gefecht) von November Wanderin. Daniel, ein Pariser Tänzer, verliebt sich in Avi, einen israelischen Choreographen.

AVIVA-Tipp: Unterhaltsam und vielfältig, witzig und komprimiert ermöglicht das Format Kurzfilm auch hier mehr als eine Sicht auf mehr als zwei Geschlechter. Eindeutig sind die Vorstellungen zur anderen homosexuellen Seite und deren vermutetes Liebesleben und - wie sich zeigt - auch die Grenzen der Geschlechter nicht. So bleibt auch der ZuschauerIn immer wieder die Frage, welches Klischee hier gerade bedient, belächelt, bestätigt, gebildet oder abgebaut wird und ob es nicht gar das Eigene ist.

Fucking Different Tel Aviv
14x queer crossover
Israel, 2008
95 Minuten
Hebräisch mit englischen Untertiteln
Produzent: Kristian Peterson
RegisseurInnen: Yair Hochner, Avital Barak, Stephanie Abramovic, Elad Zakai, Eran Koblik Kedar, Ricardo Rojstaczer, Nir Ne´Eman, Hila Ben Baruch, Yossi Brauman, Sivan Levy, Eyal Bromberg, Anat Salomon, Sie Gal, November Wanderin, Yasmin Max
Verleih Deutschland: GMfilms, www.gmfilms.de

Fucking Different Tel Aviv in Berlin:

Fucking Different Tel Aviv läuft ab dem 28. Mai bis voraussichtlich 10. Juni 2009 im Kino Moviemento.
Weitere Termine unter:
www.fucking-different-ta.de/cms/screenings

Weitere Informationen unter: www.fucking-different-ta.de


Kunst + Kultur

Beitrag vom 10.02.2009

AVIVA-Redaktion 






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